Verlinken und andere schreiben lassen VII: Machen wir bald ohne Geld gar nichts mehr?

Schon ein paar Tage alt, aber wer noch auf der Suche nach weihnachtlicher Besinnung ist, kann ja mal lesen, wie uns der Kapitalismus die Monetarisierung unserer Freizeitaktivitäten als modernen Kommunismus verkauft. Stichwort Car Sharing, private Unterkünfte und Co.

Neues Blog-Design

So ungefähr sah's vorher aus

So ungefähr sah’s vorher aus

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Blog in ein neues Theme gehüllt. Ich fand, es war mal wieder Zeit für Veränderung. Das alte Theme hatte mir eigentlich auch sehr gut gefallen, aber ich fand es unpraktisch, dass man auf der Startseite nicht ganze Beiträge anzeigen konnte. Wenn ich auf einen mir unbekannten Blog komme und abchecken will, ob er mich interessiert und in meine Leseliste kommt, will ich ja nicht jeden einzelnen Beitrag anklicken müssen, um ihn zu lesen. Nein, ich will auf die Seite gehen, und dann sofort hintereinander weg lesen, von meditativen Scroll-Bewegungen begleitet. Sonst nix. Im besten Fall ist man von der Schreibe so gefangen, dass man gar nicht merkt, dass man plötzlich am Ende der Seite landet. Im allerbesten Fall gibt es infinite scrolling. Hier leider nicht. Aber man kann jetzt durchlesen.

Kurz habe ich überlegt, mir so einem fefe-gedächtnis-theme zuzulegen. Aber wie peinlich wäre das denn…Ich greife auf von jemand Anderem gebastelten, komplizierten Code zurück, weil ich selbst keine Ahnung habe, um damit das Aussehen des wahrscheinlich minimalistisch-programmiertesten Blogs ever zu kopieren. Ich wollte honorieren schreiben, aber so kann mans ja wirklich nicht nennen. Stattdessen hab ich mir gedacht: Schuster bleib bei deinen Leisten. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

 

Bügelbilderberg

Bügelberg - Kein Symbolfoto

Bügelberg – Kein Symbolfoto

Kennt ihr die Bilderberg-Verschwörung? Angeblich treffen sich einmal im Jahr die “Entscheider” der westlichen Länder an einem geheimen Ort und beraten den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte.

Könnt ihr vergessen. Viel schlimmer ist die Bügelberg-Verschwörung. (Mehr als) einmal im Jahr sammelt sich die gesamte Bügelwäsche meines Haushalt auf einem nicht-zu-übersehenden Haufen und fordert den geordneten Antritt in die Schränke.

Soll ja Leute geben, die bügeln nicht. Das finde ich die falsche Einstellung. So wird man nie aufs Bilderberg-Treffen eingeladen. Und aufs Bügelbilderberg-Treffen schon gar nicht!

Übrigens: Wenn man bei google nach Bildern von “Bügelwäsche” sucht, die unter Creative Commons Lizenz stehen, kriegt man fast nur Fotos von Schimmel. Da bastel ich mir auch gleich noch ne Verschwörungstheorie draus…

Verlinken und Andere schreiben lassen VI: Halt mal die Luft an!

Endlich mal richtig kritisches Gemecker zum Thema NSA und digitale Überwachung. Da fanden sich in meinem Reader gleich zwei Artikel, die mal die Doppelmoral der Spionage-Kritiker aufzeigen:

Bei leitmedium wird gezeigt, wieviel Leser-Tracking-Tools die großen Online-Nachrichten-Portale (Hilfe, Bindestrich-Attacke!) eigentlich auf ihren Artikelseiten einsetzen, auf denen die Online-Überwachung von google, facebook und Co. kritisiert wird.

Und bei netzpolitik regt sich Lorenz Matzat über Überwachungskritik auf Streichelzoo-Niveau auf.

Motto: Mal schön vor der eigenen Haustür kehren. Finde ich auch. Sollten wir alle sowieso viel öfter machen…

Flow – Häkeln für den Weltfrieden

Die deutsche Erstausgabe der flow

Die deutsche Erstausgabe der flow

 

Jetzt liegt sie schon fast zwei Wochen hier, die flow, und spricht mich überhaupt nicht an. Dabei habe ich doch fest versprochen, sie zu lesen, zu bewerten und dann darüber zu schreiben…

Also dann, Musik an, Augen auf und durch.

Die flow ist eine neue Zeitschrift für Frauen zwischen 20 und 40. Würde ich mal so annehmen, wenn ich durch das Heftchen blättere. Es soll um Selbstverwirklichung gehen, um schönes Leben, um Bewusstsein für sich selbst. Das Cover verspricht „Inspiration – Ideen – Einblicke – Anstösse“. Die Zeitschrift ist aber doch nur eine Mischung aus Häkelanregungen, Chefredakteurinnen-Kolumne und Geschenkpapier-Beilage geworden. (Hallo, Lisa!)

Dabei versucht die flow alleine schon durch die Aufmachung, sich als „Anders“ zu präsentieren und von den Kokurrenzprodukten abzusetzen. Das fängt bereits beim Cover an – ein verträumtes Bildchen von pink-grünen Vögeln statt Frontalaufnahme einer grinsenden Dame, wie auf 99% aller Zeitschriften. Das ist sicher eine Möglichkeit, im Zeitschriftenregal aufzufallen. Das geht okay für mich. Bemerkenswert finde ich auch, dass auf dem Cover nur recht klein steht, was im Heft drin ist. Die Themen sind auf ein Stück Papier in Form eines Koffer-Anhängers gedruckt, der unten rechts in der Griffecke klebt. Kleine Fotos, schmaler Text. Folgende Themen werden angekündigt:

Darum gehts in dieser flow

Darum gehts in dieser flow

Ähm ja, ich denke da könnte man eigentlich alle drei Themen mit „Zeitgeist“ überschreiben. Und das ist letztendlich auch der Grund, warum mir das Heft nicht gefällt – es ist ein Zeitgeist-Magazin. Larifari, langweilig, mal hier mal da, Konsensvorschläge, filterbubble ad absurdum. Weiße reiche Frauen, verheiratet mit Kindern, künstlerisch-kreativ. Das ist die wahre Zielgruppe! Das spricht mich überhaupt nicht an. Aber es hilft nichts, ich blättere rein:

Seite 3: Unscharfes Foto von Pusteblumen mit instagramm-Filter und Feld „Diese Flow gehört:…“ Süß, wie damals mit 11 beim Poesiealbum. Man könnte auch sagen infantil.

Auf Seite 5 wirft das Redaktionsteam seine Fängen aus. Astrid, Irene und Sinja stellen sich vor. Noch mehr instagrammte-Bilder, weichgezeichnet und leicht überbelichtet. Klare Ansagen auch, was flow will: „Eine Zeitschrift mit jeder Menge Erkenntnissen und Anregungen, die uns nicht belehrt und kein schlechtes Gewissen macht.“

Okay, da kann ich vom Anspruch her mitgehen. Noch eine Zeitschrift, die Frauen einredet was sie für ihre Schönheit, beruflichen Erfolg, den perfekten Mann und wohlerzogene Gören tun müssten, braucht es wirklich nicht.

Kommen wir nun zu den vier Rubriken des Magazins. Ein bißchen peinlich finde ich schon, dass hier krampfhaft bilingualisiert wird. Aber naja, vielleicht haben die Niederländer (dort wurde die Zeitschrift zuerst herausgebracht) ja ein entspannteres Verhältnis zum Englischen, ähnlich den nordischen Ländern? Für den Deutschen Markt wollte man wohl hip sein aber trotzdem auf Nummer sicher gehen, weswegen dann sowas bei rauskommt: „Feel connected – Ein Blick auf die Welt und die Menschen um uns“, „Live mindfully – Leben im Hier und Jetzt“; „Spoil yourself – Zeit für eine kleine Verwöhnpause“ und, und das finde ich fast schon wieder witzig, „Simplify your Life – Es muss gar nicht so kompliziert sein“. Das kennt doch jede Frau zwischen 25-60: „Frauen, die dieses Buch gekauft haben, lesen auch…“.

Dann kommt auch endlich der Leitartikel, in dem darüber philosophiert wird, das Zeit wichtiger als Geld sei, und man Glück nicht kaufen könne: „Warum wünsche ich mir von meinem Sohn nicht zum Geburtstag, eine Nacht mit ihm im Zelt zu schlafen? Wäre das nicht ein wirksameres Mittel gegen meine nagende Unzufriedenheit als die nächste neue Sonnenbrille oder die Antihaftschicht-Pfanne?“

Sohnemann freut sich bestimmt, wenn er als Anti-Unzufriedenheits-Mittel zum Zelten gezwungen wird, weil sich Mama Anti-Antihaftbeschicht-Pfannen-technisch selbst verwirklichen will.

Bloss gut, dass nach dem Artikel, übrigens gespickt mit verschwommenen, leicht überzeichneten, irgendwie instagrammigen, Bildern mit Polaroid-Rahmen, erstmal Konsumvorschläge kommen. Bestimmt macht ein „DIY-Stickset“ für 25,50 Euro auch happy, oder Whiteboard-Wandlasur für 170 Euro für 4,5 qm.

Auf der nächsten Seite übrigens, ganz neckisch, die tollsten Apps, um seinen Handy-Fotos „den WOW-Faktor“ zu verleihen. Da würd ich drauf vertrauen, dass die Redaktion da die richtigen ausgewählt hat, ich habs im Gefühl, das haben die ausführlich getestet…

Als nächstes werden drei „Künstlerinnen“ vorgestellt, die irgendwas machen, Blumen zeichnen, einen Film drehen, schöne verschwommene, farblich übersättigte Fotos von dem Gummistiefeln ihrer Kinder mit einem Polaroid-Rahmen versehen, wer mag da nicht an instagram denken?

Dann kommt der Beziehungsratgeber, und ich bin sooo froh dass es einen gibt. Was wäre eine Frauenzeitschrift ohne Beziehungsratschläge. Thema dieser Ausgabe: Statt sich zu trennen, könnte man ja einfach mal versuchen, zusammenzubleiben. Ich gehe sogar mit manchem konform, was da drinsteht: Nicht glauben, dass man den Anderen in und auswendig kennt, unabhängig bleiben. Allein, es wird euch nicht retten. Kein dreiseitiger Zeitschriftenartikel kann das.

Ich überspringe jetzt mal die Frau, die nach dem Burnout sich selbst wiederfand, indem sie aus Pappe und Wolle und anderem Zeugs eine Miniatur-Mäusehaus gebaut hat. Auch den Häkelartikel will ich am liebsten ganz schnell überspringen, aber ich bin schon mittendrin und Feuer und Flamme. Häkeln, dieser Inbegriff der modernen Spießigkeit. Kinderdecken, Puppen, Mützen, Tischdeckchen. Alles mit knallbunter Wolle, damits modern wirkt. Häkeln ist die zeitgenössische Version des Biedermeier, der Rückzug ins Private und das Vonsichweisen aller Verantwortung: „Wenn man mich fragt, wie man den Weltfrieden hinbekommen kann, dann sage ich: Alle schalten den Fernseher ab und häkeln.“ WTF? Seriously? Das muss wohl ungefähr der Weltansicht meiner häkelnden Groß-Groß-Groß-Großtante von Anno 1870 entsprechen. Meine Vorstellung wird bestätigt: „Ich denke, dass Häkeln im Moment so populär ist, weil wir uns alle ein bisschen nach vergangenen Zeiten sehen, als das Leben langsamer und bodenständiger war. (…) Kriege können wir in den Nachrichten aus der Nähe verfolgen. Das belastet. Wir wollen uns ein Stück einer anderen Zeit zurückerobern, zurück zu den süßen Erinnerungen an Omas selbst gebackene Plätzchen, handgemachte Decken, bestickte Laken…“ Buhu, ich will den blöden bösen Krieg nicht sehen, ich mach die Augen zu, Oma, wo bleibt mein Keks, damits mir wieder gut geht.

Ich habe null Respekt vor jemanden, der so denkt und sowas öffentlich äußert. Das kommt von einer Frau, die mit Mann und Kindern in einem Bauernhof in der Schweiz arbeitet und sich mit Haushalt und designern selbst verwirklichen darf. Was zum Teufel ist denn an ihrem Leben so furchtbar, dass Sie so eine Flucht in die Klischee-Vergangenheit beschreiben muss?

Zum Glück sind nicht alle häkelnden Frauen so. Eine andere, die vorgestellt wird, macht Gott Sei Dank, „wunderschöne Instagramm-Fotos“ von ihren gehäkelten Ergüssen.

Es folgt die nächste Rubrik, „Live mindfully“ und es geht wieder mit Konsumvorschlägen los. Anscheinend konsistenter Aufbau der einzelnen Teile. Was gibt’s: Bücher, Armreifen mexikanischer Kunsthandwerker, die von britischen Frauen mit Hinweis auf Fair Trade verkauft werden, ein Buch übers Sticken(!). Jetzt reichts bald!

Es folgt ein weiterer Leitartikel, angekündigt mit dem schönen Wort „Betrachtung“: Statt alles immer sofort auf Facebook und twitter zu posten, sollten wir schöne Momente einfach genießen. Okay, bin ich mit einverstanden. Illustriert ist der Artikel übrigens mit tollen instagrammigen Fotos von Schäfchenwolken.

Dann kommen die Gimmicks zum Rausnehmen, Geschenkpapierbögen und „Von Trulla für Uschi“-Aufkleber. Inwiefern sich die flow jetzt von anderen Zeitschriften wie Laura, Lisa und Co. uinterscheidet, ist mir unklar, außer dass die Aufkleber hier verschämt im Heft versteckt werden statt außen dran zu pappen – wahrscheinlich um die Assoziation zu diesen 60-Cent-Heftchen zu vermeiden.

Aber hey, es bedeutet das ich schon zur Hälfte durchs Heft durch bin. Uff, dann mal schnell weiter.

Nächster Artikel, von mir aus thematisch in Ordnung. Multitasking im Straßenverkehr kann zu Unfällen führen. Also am Steuer nicht telefonieren, sms schreiben, generell nicht aufs Handy gucken. Erzählt von einem Forscher, der die Leistungsfähigkeit der Leute getestet hat. Wissenschaft, abgehakt.

Danach stellt eine Buchhändlerin ihre fünf Lieblingsbücher vor. Geht auch okay für mich. Wenn man über Lektüre spricht, kommt man wenigstens selten dazu, Schwachsinn über den Zusammenhang von Weltfrieden und Häkeln zu spinnen.

Nächstes Thema: Die böse moderne Kommunikationstechnik macht uns unser Leben und unsere Beziehungen kaputt. Anstatt alles sofort zu wollen sollen wir uns in Geduld üben. Ich überfliege ihn nur noch, diesen pseudo-spirituellen Text mit Extra-Seite Denkanregungen zum Ausfüllen „…finde ich das irgendwie ………. Weil ……….“

Dann was zur Stressreduktion. Muss ich erwähnen, dass der Text mit farblich übersättigten Fotos von leicht verschwommenen Blumenblüten illustriert ist, bei denen ich irgendwie an instagram denken muss…

„Es ist als ob man eine Brille findet, durch die man besser sehen kann.“ Sinnsprüche zum Niederhäkeln…

Was gibt’s noch zu kaufen? Handgefertigte Schlafbrillen, Seidentücher, Pfifferlingspaté per Online Shop. Hach ist das alles belastend, ich häkel lieber noch ein bißchen zur Entspannung und wünsche mich zurück nach 1930, als es noch kein Fernsehen gab, in dem böse Kriege liefen und man die Frauen nicht von der Handarbeit erst noch per Zeitschrift überzeugen musste.

Umgeblättert und Schock! Noch mehr Kaufanregungen. Seitenweise. Unverhohlen. Mit Shop-URLs und Preisen. Papierkrams, Taschen, Party-Outfits, Beauty-Produkte. Da kommt die flow aber ganz schön Frauenzeitschriftenmäßig rüber auf den letzten Seiten. Wo doch kaufen gar nicht glücklich macht. Man den Dauer-Online-Stress meiden sollte. Selbstgemachtes zählt. Die Zeltübernachtung mit Sohnemann! Aber nicht ohne Mamas Faltencreme im Etsy-Kosmetikbeutel.

Dann wird zur Abwechslung mal wieder irgendeine Künstlerin vorgestellt, die in ihrem Atelier irgendwelche Postkartenillustrationen abmalt.

Dann noch ein Gimmick – romantisch bedrucktes Schreibpapier. Natürlich mit Rosa und Vögelchen. Aber ohne Instagramm-Look. Schade.

Weiter geht’s mit pseudo-philosophischen Denkanregungen: Würdest du zu einer guten Freundin so harsch sein wie zu dir selbst, wenn sie einen schweren Tag hinter sich hätte?

(Nur mal nebenbei, warum steht die Möglichkeit „ein guter Freund“ gar nicht zur Debatte? Kann man als Frau nicht von sich auf einen Mann schließen? Kann man es als flow-Leserin nicht? Ob das was mit dem Häkeln zu tun hat?)

Ich hab keine Lust mehr. Es kommen noch Backrezepte für knallbunte Süßigkeiten (knallbunt, damits nicht zu altbacken wirkt? Siehe modernes Häkeln), noch mehr Kauftipps, ein Artikel mit dem Titel „Das Glück des Einfachen“… Ihr könnt es euch vorstellen. Ich frage mich, ob das nicht die ersten vier Ausgaben der niederländischen Flow einfach zusammengepackt sind. Das Ganze wirkt so durcheinander gewürfelt. Hier Lebenshilfe, und da und da und da. Hier Künstlerinnenportrait und dort und dort dort…Das wirkt so belanglos. Und dann diese belanglosen Bilder. Erwähnte ich Instagram? Immer wieder wird sich auf Blogs bezogen. Aber warum kann man dann nicht gleich die Blogs lesen? Häkelblogs, Buchblogs, DIY-Blogs, DIY-Blogs in denen Künstlerinnen Mittte 40 auf dem Wege der Selbstverwirklichung vorgestellt werden, DIY-Blogs in denen glückliche Designer-Pärchen ihre schicke Eigentumsloftwohnung vorstellen.. Das ist ja auch eigentlich alles schon ein alter Hut. Der DIY-Blog-Stil, instagram-Bilder von bunten Keksen – das hats jetzt schon ins Holzmedium geschafft. Und ist dabei auch so völlig unkonkret. Auf 138 Seiten eine (!) Seite wo eine Anleitung gebracht wird, wie man selbst einen Stempel baut. Das wars. Das ist auch das einzig Gute am Häkelartikel: Es war keine Häkelanleitung darin!

Das die Zeitschrift unpolitisch ist, hatte ich schon dargelegt, und wie sauer es mich macht. Ich muss wieder auf den Häkelartikel zurück kommen, denn er ist so exemplarisch: Frauen, denen es nach objektiven Maßstäben total gut geht, philosophieren darüber dass sie alles haben aber unglücklich sind, und die Lösung ist dann, nicht mehr soviel zu kaufen (außer dieses total süüüße Hasenpuppe, die von einer Künstlerin selbstgemacht und in Eigenregie verkauft wird, die früher Bankerin war und sich jetzt mit ihrem Bastelladen selbstverwirklicht hat) und sich selbst zu behandeln wie eine gute Freundin. Haha, merkt ihr wie ich euch die Worte im Mund rumdrehe, ihr flow-Redakteurinnen, und euren Denkanstößen damit eine ganz andere Bedeutung gebe?

Ich muss jetzt aufhören. Ich habe gar keine Pointe mehr fürs Ende.

Ich gehe jetzt zu Buzzfeed. In zwei Jahren gibt’s das sicher auch als Zeitschrift. 50 irre Häkeldeckchen, die deinen Glauben an die Menschheit wieder herstellen werden. Ich bin bereit!

Verlinken und Andere schreiben lassen V: Wenn, dann diesen einen NSA-Beitrag

Der Bruder vom Mitbewohner vom besten Kumpel - und schon kennst du ganz Berlin

Der Bruder von der Mitbewohnerin vom besten Kumpel – und schon kennst du ganz Berlin

Für alle, die heute abend keinen Tatort gucken und sich lieber bilden wollen; für alle, die das Gefühl haben, man könne eigentlich gar nicht wirklich verstehen, worum es beim NSA-Skandal alles geht; für alle, die sich mal beeindrucken lassen wollen, wie politisch brisante Inhalte richtig geil journalistisch aufbereitet werden können – wenn man The Guardian ist und nicht, ach, mir fällt überhaupt kein gutes deutsches Pendant zum Guardian ein; für alle, die nach dem Tatort noch ne halbe Stunde Zeit für die Realität haben; für alle, für die dieser mein Text zu konfus ist und die lieber was Ordentliches lesen wollen:

Der Guardian hat ein Dossier über die Thematik der globalen Internetüberwachung ins Netz gestellt: NSA Files decoded: What the revelations mean for you

Freilich besteht die Interaktivität letztendlich “nur” darin, dass Texte von kurzen Videosequenzen und hübschen Grafiken mit Anklick-Feldern abgelöst werden, aber sagt das mal deutschen Nachrichtenportalen, denen nur einfällt, mit Foto-Strecken Klicks generieren zu wollen… aber andererseits ist es natürlich auch was für alle, die mal wissen möchten, mit wievielen Leuten sie eigentlich über Facebook mit nur zwei Klicks in Kontakt kommen können.

Unbedingte Leseempfehlung!

(via)

Neulich im Schwimmbad: Eine Verschwörungstheorie

aus der Kategorie “Bescheuerte Begründungen”:

Foto von Claus Moser unter by-nc-sa 2.0 auf flickr.com

Foto von Claus Moser unter by-nc-sa 2.0 auf flickr.com

Ich habe ein neues Hobby: Ich gehe schwimmen. Fest vorgenommen habe ich mir, 2x in der Woche abends in die Schwimmhalle zu fahren und eine Stunde lang meine Bahnen zu ziehen. Extra zu dem Zwecke habe ich mir neue, gutsitzende Badebekleidung gekauft. Man will ja nicht aus dem Becken steigen und feststellen, dass irgendwo ein Stück Stoff verrutscht ist und “Hallo!”, diverse Geschlechtsmerkmale die Mitschwimmer grüßen. Reicht schon, dass es Usus ist, sich hinterher unter der Dusche nackig zu machen.

Der Abend eignet sich gewissermaßen perfekt dafür. Ich könnte auch ab fünf ins Bad gehen. Ich gehe aber lieber ab 20 Uhr zum ermäßigten Preis in die Schwimmhalle, denn das Geld ist knapp. Dann bin ich gegen zehn wieder zu Hause. Wollig warm, frisch geduscht und müde gehts ins Bett und morgens bin ich richtig fit, wenn der Wecker klingelt.

Es ist ein sehr neues Hobby. Ich habe es erst seit drei Tagen. Seitdem ich es das erste Mal so gemacht habe. Ich fands toll und hab mir fest vorgenommen dranzubleiben.

Das Timing könnte nicht schlechter sein. Die Berliner Bädebetriebe stellen ihr Preismodell um. Abends schwimmen, oder morgens, wird jetzt teurer, dafür soll tagsüber schwimmen billliger werden. Das Abstruse ist die Begründung: Man habe festgestellt, dass Morgens und Abends mehr los sei, daher wolle man die Preise anpassen.

Mehr Leute im Schwimmbad = Mehr Kohle zu machen.

Ich kanns mir richtig vorstellen, wie da einer über den Besucherstatistiken gehockt hat und WHAM, kam der Geistesblitz: “Hey Leute, ab 20 Uhr sind viel mehr Menschen im Schwimmbad als sonst. Lasst es und da teurer machen, und vorher billiger!”

Und kein Wort davon, nirgends, ob die Tatsache, dass die Leute ab 20 Uhr ins Schwimmbad gehen, daran liegen könnte, dass es da billiger ist als vorher? (So wie ich das tue)

Ich bin weit davon entfernt mich als das Maß aller Dinge zu sehen. Aber mal ehrlich, kommt keiner bei den Bäderbetrieben auf den Gedanken, dass es nach Änderung der Preise dazu kommt, dass die Bäder abends leer sind, und die Leute tagsüber Schwimmen gehen? Sind die wirklich so dumm?

Vielleicht nicht, die wollen nur, dass wir denken sie wärens! Vielleicht sind die in Wirklichkeit auch ganz schlau!

Eine Verschwörungstheorie tut sich vor mir auf: Die Leute gehen tagsüber Schwimmen. Die Bäderbetriebe stellen fest, dass die Schwimmhallen (viele sind im Moment bis 10 Uhr geöffnet) ab acht Uhr abends leer sind. Super Argument, dann zu schließen. Gleiches Morgens. Warum ab 8 öffnen, wenn die Leute erst ab 10 Uhr kommen? Morgens zwei Stunden später auf, abends zwei Stunden eher zu. So schnell erreicht man 4 Stunden weniger Bäderbetrieb am Tag, der finanziert werden muss. Und tagsüber sind die Bäder voll mit Leuten. Die gleichzeitig mit Schulklassen schwimmen müssen. Und während am anderen Ende des Beckens Aqua-Fitness gemacht wird. Den man will ja konkurrenzfähig sein zur Privatwirtschaft. Nur das die Privatwirtschaft, in diesem Falle die Fitnessstudios, teilweise die ganze Nacht geöffnet haben. Während die Bäder ihre Öffnungszeiten, und damit ihren Service, einschränken werden statt auszubauen. Und so haben wir noch eine öffentlich geförderte Einrichtung, die kaputt gespart wird. Wie Bibliotheken, Jugendzentren und Co.

Wird nach dem Randspringen nun bald auch das Randschwimmen verboten? Zugegeben, es mag nur eine kleine Verschwörungstheorie sein. Aber die Begründung für die Preisanpassung ist doch nunmal auch echt bescheuert!

Verlinken und andere schreiben lassen IV: Ich bin ein Pfannkuchen

Da kann man doch von ausgehen, dass die Redenschreiber von John F. Kennedy schlauer waren als dahergelaufene Durchschnitts-Amerikaner behaupten!

“Scheise!”

Zeit und Raum

Bild von heart4skies auf deviantart.com

Bild von heart4skies auf deviantart.com

Bye bye Bubble-Tea-Laden Pankow. Sicher zieht in den nächsten Wochen ein sogenannter Hörgeräte-Akustiker in deine Räume ein. Nicht das Schlechteste, wenn man bedenkt, dass 2-3 km weiter südlich ein Kinder-Yoga-Café aus dir werden könnte.

Republica – Tag 3 und Fazit

Nun ist die Republica schon ein paar Tage vorbei und es wird Zeit für mich, Fazit zu ziehen. Aber nicht, ohne die Highlights des dritten Tages kurz zu erwähnen. Ich habe mir ja den kompletten Urheberrechts-Block auf Stage 3 reingezogen. Inhaltlich fand ich den Vortrag von Jeanette Hofmann und Christian Katzenbach am aufschlussreichsten. Sie berichteten darin von sozialen Normen, die Urheberrechtslücken in bestimmten Kunstbereichen füllen. Ihre Beispiele – Zauberkunst, Comedy und Kochen – sind allesamt Bereiche, in denen es besonders auf eine gute Idee ankommt: einen Trick, einen Witz, ein Rezept. Das Urheberrecht schützt ja nun aber nicht eine abstrakte Idee, sondern nur den konkreten Ausdruck, in dem sie sich manifestiert. Besonders für das Beispiel Comedy legten Hofmann und Katzenbach nun dar, wie soziale Normen innerhalb der Gruppe der Comedians dafür sorgt, dass das Gut “Witz” mit seinem Urheber in Verbindung bleibt – nämlich dadurch, dass es innerhalb dieser Gruppe sozusagen “Ehrensache” ist, den Erfinder eines Witzes zu würdigen. Wer dies nicht tut, muss mit Ächtung seiner Kollegen retten. Der Urheber eines Witzes muss genannt werden, und zwar – und das ist das Interessante – so lange, wie er bekannt ist. Es gilt also in diesem Fall nicht, dass ein Werk – der Witz – 70 Jahre nach dem Tot das Autors gemeinfrei wird. Die Anregung, die der Vortrag liefern sollte, war nun, dass man mal überlegen könnte, in wieweit soziale Normen auch auf andere Bereiche der Kunst angewendet werden könnten.

Hier ist das Video zum Vortrag:

Auch gut gefallen hat mir der Urheberrechts-Yeti. Das Überführen deutscher Bilder in die Gemeinfreiheit dürfte weitaus schwieriger sein, als dies in den USA der Fall ist, da sich europäisches Urheberrecht und anglosächsisches Copyright in einigen bedeutenden Punkten unterscheiden. Ich glaube, diese Bedenken sind im Vortrag nicht ausreichend zur Sprache gekommen, oder vielleicht war das auch nur meine Wahrnehmung. Trotzdem war ich vom Vortrag selber begeistert. So muss ein guter Vortrag gemacht werden, Verbildlichung des Themas (der “Yeti”), freie Rede, ein paar Witze. Das hat Spass gemacht.

Für alles andere bleibt mir nur, auch auf die tollen Überblickssammlung aller Videos von Michael Kreil zu verweisen. Hier findet ihr alles, was ihr noch sehen wollt – außer der Vortrage, die wegen urheberrechtlichen Ansprüchen dritter gesperrt sind (näheres bei netzpolitik). Man sieht, das Thema Urheberrecht hat seine Relevanz.

Die Republica waren ein paar tollen Tage für mich. Nicht alle Vorträge haben meine Erwartungen erfüllt, aber manchmal habe ich mich auch einfach treiben und angenehm überraschen lassen. Die Atmosphäre war wirklich entspannt, die Leute sehr nett, das Publikum schön gemischt. Nächstes Jahr will ich gerne wieder mit dabei sein!

Republika Round Up Tag 2

Nein, ich schreibe weiterhin das “republica” ohne Doppelpunkt! Meinen Beitrag über den zweiten Tag kann man trotzdem lesen.

Der Tag war relativ durchwachsen. Ich habe unerwartet gute Vorträge gehört, unerwartet schlechte und vorrausgesagt tolle. Erst zu spät bin ich leider in Peter Kirns Beitrag über digitale Musikerzeugung reingekommen, den einzigen Termin den heutigen Tages, zu dem ich schon einen youtube-lembed anbieten kann.

Das war ein Technik-Vortrag, wie ich ihn mir als Laie vorstelle. Vom Klassiker, dem Theremin, zu absoluten Musik- und Technikfreaks, die schon in den siebziger Jahren Musikinstrumente gedacht habe, deren Design im Prinzip Tablets voraus gesagt haben. Schön mit musikalischen Beispielen unterlegt. Am coolsten fand ich dieses Teil von Max Mathews, mit dem mit zwei Klöppeln Rhythmus und Melodie eines Instruments auf einer glatten Fläche erzeugt werden, während seine Handbewegung im Raum, also in 3D, die Intensität und Stärke des Tons beeinflussen.

Auch toll fand ich den Vortrag von Matthias Spielkamp über moralische Aspekte des bedingungslosen Grundeinkommens (leider noch nicht online). So muss ein Vortrag gemacht sein, tolle Bilder, schlaue Referenzen, freie lockere Rede. Ich wusste, dass das gut wird, und das war es auch.

Über die enttäuschenden Sachen lass ich mich lieber nicht aus. Wer will, kann meinen Beitrag von gestern lesen und selber Schlüsse ziehen.

Aber nix gegen die digitalen Bananen. Das hat sich angefühlt wie Boulevard, aber nur, weil es so viele Themebereiche berührt hat. Die Sprecher hatten aber zu jedem Punkt das nötige Hintergrundwissen, Respekt. Außerdem haben sich da noch andere Leute als mir als Maschinenstürmer geoutet. Wer hätte gedacht, das von etwa 70 Leute rund 5 noch kein Smartphone haben. Das Credo des Beitrags: In fünf Jahren reden wir nicht mehr davon, dass digital das gute alte Analog verdrängt hat, sondern das ein Hybrid aus beidem unser schönes reines Digital verändert.

Ich muss auch sagen, Respekt an Jan Krancke, der sich als Repräsentant der Telekom in die Diskussion über Netzneutralität begeben hat. Obwohl ich seine Argumentation über die Drosselpläne äußerst dünn fand, war es gut, dass er da war und überhaupt geredet hat – und ja durchaus mit einem Quäntchen Selbstironie. Au die Forderung nach Transparenz bemerkte ja, dass das ja wohl sehr transparent war, was die Telekom zu ihren neuen Tarifen in den letzen Tagen bekannt gegeben hat. (link, anyone?)

Mal schauen, was der morgige Tag noch so bringt. Auf jeden Fall ist Vorträge hören anstrengender als die Akkreditierungsarbeit gestern.

 

Republica 2013 – Me In/Side/Out

Seit heute findet in Berlin die Republica statt, die Konferenz für Internet und digitale Angelegenheiten. Weil mein schmaler Geldbeutel mir wie schon in den letzten Jahren keinen Besuch erlaubt, habe ich mich dieses Mal als freiwilliger Helfer angemeldet, um neben der Arbeit auf der Konferenz in den kostenlosen Genuss der Vorträge zu kommen.

Heute morgen um elf haben ich mir einen Beitrag zur Internet-Wählermobilisierung im letzten Wahlkampf von Barack Obama angehört. Obwohl ich die ganzen Erfahrungen zum Online Campaigning recht aufschlussreich fand, hat mich der Vortrag doch teilweise an eine Werbeveranstaltung für den amerikanischen Präsidenten erinnert. Da wurde ein Video gezeigt, dass vom Campaigning-Team gedreht wurde, um die “Fangemeinde” am Laufen zu halten. Eigentlich ging es in dem Video durchaus auch um politische Inhalte, trotzdem war es meiner Meinung nach viel zu sehr auf Emotionen aus. Die Frage stellt sich natürlich: Wie sehr darf und sollte man politischen Wahlkampf an Gefühle binden?

Danach ging es für mich an die Arbeit. Am Akkreditierungscounter habe ich Besucher begrüßt, Tickets gescannt und Bändchen verteilt. Die Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht, da die verantwortlichen Mitarbeiter und meine Helferkollegen ausnahmslos sehr nette und offene Menschen waren. Es ergab sich das ein oder andere aufschlussreiche Gespräch darüber, was die Besucher der Republica interessiert. Ich hoffe, dies geht in den nächsten zwei Tagen so schön weiter, wenn ich nicht mehr arbeiten muss, sondern mich voll und ganz den Vorträge widmen kann. Unter anderem auf dem Programm stehen für mich Internetaktivismus, Verschwörungstheorien, digitale Bananen, Cory Doctorow und natürlich die Beiträge zum Urheberrecht, die alle Mittwoch Vormittag stattfinden.

Übrigens habe ich alter Maschinenstürmer mir extra für die Republica ein ipad geliehen, um mich dem digitalen Rhythmus anzupassen. Mit dem Teil blogge ich auch gerade. Ich hoffe es passt!

Urheberrecht und Kulturflatrate für Alle!

Ja, für alle! Die Heinrich-Böll-Stiftung hat ein 5-Minuten-Video veröffentlicht, in dem die Grundgedanken und aktuellen Baustellen des Urheberrechts (Digitalisierung, Filesharing, Kultuflatrate, Crowdfunding) erklärt werden. Und zwar für Laien, Gehörlose, Botaniker, Spitzweg-Fans, Lottospieler sowie Fetischisten geiler Optik. Und wenigstens eines davon sind war ja wohl fast alle, oder?

(via).

Und wer dann das Thema für sich entdeckt hat, kann gerne noch in die Tiefe gehen. Denn wie irights.info schreibt, wurde ebenfalls heute ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten (pdf) veröffentlicht, dass klären soll, unter welchen (vor allem rechtlichen) Bedingungen eine Kulturflatrate in Deutschland funktionieren kann.

Es scheint ein guter Tag für kreative Ideen zu sein!

Übrigens: Crowdfunding ist Anglizismus des Jahres 2012. Für den interessanterweise auch ein deutsches Synomyn existiert, das aber anscheinend ausschließlich von Anglizismus-Gegnern genutzt wird.

Wann kommt eigentlich das Leistungsschutzrecht für Wortneuschöpfungen? Gott bewahre…

The Oscar’s Nach-schauen – Fehlanzeige

Foto von SynergyByDesign auf flickr.com unter by-nc-sa 2.0

Foto von der zuckersüßen Adele von SynergyByDesign auf flickr.com unter by-nc-sa 2.0

Was die Welt speziell am heutigen Tage nicht braucht, sind Leute, die ihre erbärmlichen Videos von ihrer furzenden Oma, ihre Autowerbungsfirma oder sich selbst beim Schminken/Singen/Posen vor der Webcam bei youtube hochladen, und als Videonamen Adele Skyfall live Oscars 2013 ranschreiben, auf der Jagd nach ein paar jämmerlichen zusätzlichen Klicks. Und dabei wahrscheinlich denken, sie wären als Einziger so genial, auf diesen Trick zu kommen. Die Ergebnislisten sind voll damit, und wenn ihr’s nicht auf die erste Seite geschafft habt, bringt euch die Aktion nix. Fail!

Und wo wir grad dabei sind. Es heißt Internet. Internet. Das kommt von international. World Wide Web. Nicht leider-befinden-sie-sich-außerhalb-des-Territoriums-der-Vereinigten-Staaten-und-sind-daher-nicht-berechtigt-dieses-Video-zu-sehen Web. Vielleicht muss ich mal auf der Seite von ProSieben gucken?

 

Parken Sie hier! Gekonnte Parkzonenerweiterung im Prenzlberg – mit Poll

Parken Sie hier! Die Schilder der erweiteren Parkraumbewirtschaftungszone Prenzlauer Berg sind schon fertig.

 

Es ist schon verhext! Da war tatsächlich jemand im Bezirk Pankow clever genug zu merken, dass der 1. April keine gute Deadline für die Parkzonenerweiterung im Prenzlberg ist. Mit einem echten Anpacker-Ansatz wurde daher der 2. April zum Tag, ab dem Autoparker in einem noch umfassenderen Bereich des Stadtteils einen Parkschein erwerben müssen. Wer im jetzigen Parkzonenbereich unterwegs ist, weiß auch, dass der Parkschein alternativlos ist: Kontrolliert wird nämlich sehr fleißig – mit Knöllchen lässt sich wohl Geld verdienen.

Und trotz der praktischen Verschiebung des Termins wirkt die derzeitige Vorbereitung der Erweiterung wie ein Aprilscherz, wie in der Prenzlberger Stimme aufgezeigt wird: Die Schilder sind rechtzeitig fertig, aber ihre Fundamente nicht. Die Automaten sollen wohl laufen, aber die Erfassungsgeräte der Knöllchenschreiber werden wohl erstmal durch die old-school Papiervariante ersetzt. Smart, diese Endgeräte. Too smart too use. Und die Leidtragenden? Nicht-registrierte Anwohner können wegen fehlender Kapazitäten im Bezirksamt nicht rechtzeitig abgefertigt werden, und obwohl die Stadt auf die PIN-AG als Briefezusteller setzt (erst vor drei Tagen durfte man lesen, dass die Firma anscheinend systematisch die Adressen auf den Briefen speichert), werden bereits angeforderte Vignetten mit der Deutschen Post verschickt, weil da mehr Briefe auch im richtigen Kasten landen.

Man könnte meinen, man hätte es hier mit einem Lehrbuchbeispiel von Murphy’s Law zu tun. So Kinder, Hefte raus, Klassenarbeit. Aufgabe: Definiere Murphy’s Law (Tip: Was-schief-gehen-kann,-geht-schief) und beschreibe die Charakteristika dieser Regel anhand des oben verlinkten Texts zur Parkraumbewirtschaftung im Bezirk Pankow. Bonusaufgabe: Gehört der Text zur Kategorie der Realsatire? Diskutiere am Beispiel der Hosenproblematik!

Alas, die Hosenproblematik! Klamottentausch ist ja sowieso der neue wundertolle (sic!) Hipsterhype, den keiner braucht. Und Änderungschneidereien gibt es ja genug in der Gegend. Hosen kürzen kostet nicht mehr als 5 Euro, warum nicht mal die vietnamesischen Schneiderinnen der Gegend subventionieren? Gut, das Wort Subvention nehme ich zurück. Wer weiß denn, ob die Mitarbeiter die Änderungen nicht aus eigener Tasche bezahlen werden. In jedem Fall möchte ich mal sehen, wie jemand eine Hose Größe 56 in eine passable 38 ändert. Mit ein paar Abnähern ist es da wohl nicht getan.

Laut dem Artikel liegt das ganze Hosendilemma daran, dass jedes Kleidungsstück des hippen Parkraumüberwacher-Looks einzeln bestellt wurde, und jetzt nicht alle Teil gleichzeitig fertig geworden sind. Also alles doch eher ein Fall von klassischem Schildbürgertum?

Und jetzt sind Sie dran, liebe Menschen an den Geräten zu Hause! Was meinen Sie, handelt es sich bei den beschriebenen Vorgängen um einen deplazierten Aprilscherz, ein Paradebeispiel von Was schief gehen kann, geht schief, oder um ein verlorengeglaubtes, wiederentdecktes Kapitel aus Die Bürger von Schilda? Antworten Sie jetzt.

Und noch ein kleiner Hinweis an die Damen und Herren vom Amt: Der Begriff Parkraumüberwacher ist als neutrale Version von Politesse leider missglückt. Überwacher, das klingt so sehr nach George Orwell‘s 1984, finden ihr nicht? Neusprech, übernehmen Sie!

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