Strike!

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

 

Na gut, es passt nicht so ganz in die Kategorie “bescheuerte Begründungen”. Trotzdem gibt es da was, was ich oft in den Nachrichten höre und was mich tierisch nervt. Jedesmal, wenn irgendwo groß angekündigt gestreikt wird, kriegt man einen Bericht, in dem jemand, der vom Streik betroffen ist, sich darüber moniert, dass er darunter leiden muss. Zuletzt gesehen gestern im Nachtjournal der ARD, wo eine junge Mutter sich darüber beschwerte, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren, wenn die Kitas streiken, und vor kurzem in der Abendschau des RBB, wo jemand schlauerweise sinngemäß feststellte: “Doof, wenn die BVG streikt, dann kann man ja nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.”

Liebe Nachrichtenredakteure, die solche Beiträge machen, und liebe Leute, die sich über die Konsequenzen von Streiks aufregen: Genau deswegen streiken die Arbeiter doch! Das ist doch der Kernsinn und -zweck eines jeden Streiks: Das der Bürger merkt, wie wichtig die Arbeit der Ärzte, Kinderbetreuer, Busfahrer, Müllmänner ist – so wichtig , dass sie dafür mehr Geld verlangen, denn ohne deren Arbeit könnt ihr nicht behandelt werden, eure Kinder nicht versorgt und ihr nicht befördert werden. Würdet ihr bitte damit aufhören, euch darüber zu entrüsten. Diese Streik-ist-kacke oder Die-sollen-ja-streiken-aber-nicht-auf-meine-Kosten Attitüde ist einfach nur daneben.

Ganz Ebay wird Paypal

Ich hatte ja schon mal ausführlich darüber berichtet, was ich von Paypal als Zahlungsmöglichkeit bei Ebay halte: Meiner Meinung nach ist Paypal für Ebay hauptsächlich eine gelungene Möglichkeit, zusätzlich zur Verkaufsprovision auch noch an der Bezahlung der Artikel zu verdienen. Interessant ist, was der Spiegel jetzt schreibt: Ab Sommer wird Ebay alle Mitglieder zwingen, ihre Bezahlungen über die eigene Plattform ablaufen zu lassen. Eine direkte Überweisung an den Verkäufer wird dann nicht mehr möglich sein. Stattdessen zahlt der Kunde das Geld direkt an Ebay, wo es – wie zuvor bei Paypal – treuhänderisch verwaltet wird, bis der Artikel den Besitzer gewechselt hat und für der-Beschreibung-entsprechend empfunden wurde. Mein erster Gedanke war hier wieder, das Ebay nur eine weitere Verdienstmöglichkeit etabliert. Auch im Spiegel-Artikel wird angemerkt, dass Ebay an den Zinsen, die das Geld auf den Treuhänderkontos einbringt, sicher gut verdient – bei Ebay leugnet man diese Absicht. Ob Paypal als Zahlungsmöglichkeit für ausländische Überweisungen bestehen bleibt, weiß ich nicht. Es gibt ja auch Leute, die Paypalzahlungen ins Ausland tätigen, ohne dass Ebay-Verkäufe dabei eine Rolle spielen. Sollten diese Leute gezwungen werden, ihre Zahlungen nun ebenfalls über Ebay abzuwickeln, ist das Auktionshaus auf dem besten Wege, sich zu einer Bank zu entwickeln. Vielleicht wird es Zeit, sich nach einer Ebay-Alternative umzusehen. Hat jemand einen Vorschlag?

(via law blog)

Wortwitze mit “gaukeln”

Angeblich bricht in der “Blogosphäre” gerade ein Shitshorm über Joachim Gauck herein. Ehrlich gesagt, gelesen habe ich davon nichts. Mir ists eigentlich gleich, ob er Bundespräsident wird oder nicht. Aber wenn ich Joachim Gauck wäre, ich würde mich jetzt weigern, für die Wahl anzutreten. Und zwar mit folgender Begründung: “Vor zwei Jahren habt ihr Regierungshansel brav den parteieigenen Kandidaten gewählt und hattet keinen Bock auf mich. Und jetzt habt ihr es euch anders überlegt und auf einmal bin ich eure erste Wahl für den Grüßaugust? Ohne mich, ich lass mich nicht vergauckeln?”

 

Die spinnen, die … Australier

Bass Drum der Dandy Warhols. Bild von chrisisgood auf flickr.com unter CC BY-NC-ND 2.0

Bass Drum der Dandy Warhols. Bild von chrisisgood auf flickr.com unter CC BY-NC-ND 2.0

Kurz notiert: In Australien nennt man Technoparties und Raves, die unter freiem Himmel auf dem Land stattfinden “Doof“. Angeblich, weil das Wort das Geräusch beschreibt, welches die Bass Drum am Schlagzeug (das ist die, wo bei Rockbands immer der Bandname draufsteht) erzeugt – doof doof doof. Der Begriff “Doof” macht also lautmalerisch durchaus Sinn, aber trotzdem – stellt euch mal vor, man würde auf Deutsch “Ich geh heut abend zu einem Umpf” sagen…

Want U Back – ob das auf Gegenseitigkeit beruht?

Cher Lloyd – Want U Back ft. Astro from Diego Purizaga on Vimeo.

Heute mal ein ganz aktuelles Beispiel für einen an Grausigkeit kaum zu überbietenden Songtext: “Want U Back” von Cher Llyod feat. Astro, die Sängerin ihres Zeichens britische X-Factor-Teilnehmerin im Jahr 2010. Nach der Teilnahme in der Castingshow wurde sie von Chef-Caster Simon Cowell (dem britischen Dieter Bohlen) für Sony unter Vertrag genommen und nun feilt man an ihrer Musikkarriere. Die Promomaschine scheint gut geschmiert zu sein, denn leider komme ich im Moment an diesem Song nicht vorbei. Ständig läuft er irgendwo und jedesmal sträuben sich mir die Nackenhaare hoch. Ich fange ernsthaft an mir zu wünschen, ich hätte nie so gut Englisch gelernt, dass ich in der Lage bin, alles zu verstehen, was Cher Llyod in diesem Song so singt. Für Cher ist Englisch sogar ihre Muttersprache, und doch hört sie diesen Text nicht nur, sie singt ihn sogar. Es ist mir unbegreiflich, wie sie das kann. Aber lest selbst:

hey boy, you never had much game
hey Alter, mit dir war nie viel los
so I needed to upgrade
also musste ich mich mal verbessern
so I went and walked away-way-way
also habe ich dich verlassen
now I seen you been hanging out
jetzt habe ich gesehen
with that other girl in town
wie du mit dieser anderen Tussi in der Stadt rumhängst
looking like a pair of clowns-clowns-clowns
ihr seht aus wie ein Clowns-Duo

remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
and now you’re doing them with her
und jetzt machst du die mit ihr
remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
and everywhere we went, come on!
und überall hin, wo wir waren, oh bitte!
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt

boy you can say anything you wanna
alter, es ist mir egal was du sagen willst
I don’t give a shit no one else can have you
es ist mir scheißegal, niemand anderes soll dich haben
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
I broke it off thinking you’d be crying
ich hab Schluß gemacht und dachte du würdest deswegen heulen
now I feel like shit looking at you flying
jetzt gehts mir Scheiße weil ich sehe wie gut es dir geht
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück

please, this ain’t even jealousy
oh bitte, das hat noch nicht mal was mit Eifersucht zu tun
she ain’t got a thing on me
sie kann mir überhaupt nicht das Wasser reichen
tryin’ to rock them ugly jeans-jeans-jeans
versucht ihre hässlichen Jeans zu rocken
you clearly didn’t think this through
du hast dir das nicht richtig überlegt
if what I’ve been told is true
wenn es war ist, was ich gehört habe
you’ll be crawling back like boo-hoo-hoo
wirst du winselnd zu mir zurückgekrochen kommen

remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
and now you’re doing them with her
und jetzt machst du die mit ihr
remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
and everywhere we went, come on!
und überall hin, wo wir waren, oh bitte!
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt


boy you can say anything you wanna
alter, es ist mir egal was du sagen willst
I don’t give a shit no one else can have you
es ist mir scheißegal, niemand anderes soll dich haben
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
I broke it off thinking you’d be crying
ich hab Schluß gemacht und dachte du würdest deswegen heulen
now I feel like shit looking at you flying
jetzt gehts mir Scheiße weil ich sehe wie gut es dir geht
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück

I thought you’d still be mine
ich dachte du würdest immer noch mir gehören
when I kissed you goodbye oh oh oh…
als ich dich abservierte
and you might be with her, but I still had you first oh oh oh..
und es mag schon sein dass du mit ihr zusammen bist, aber ich hatte dich zuerst

remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
and now you’re doing them with her
und jetzt machst du die mit ihr
remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
and everywhere we went, come on!
und überall hin, wo wir waren, oh bitte!
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt

boy you can say anything you wanna
alter, es ist mir egal was du sagen willst
I don’t give a shit no one else can have you
es ist mir scheißegal, niemand anderes soll dich haben
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
I broke it off thinking you’d be crying
ich hab Schluß gemacht und dachte du würdest deswegen heulen
now I feel like shit looking at you flying
jetzt gehts mir Scheiße weil ich sehe wie gut es dir geht
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
ooh ooh I want you back
…und so fort

Wir fassen zusammen: Da ist ein Mädel, die ihrem Typen den Laufpass gegeben hat, weil er so ein Langweiler ist. Sie dachte, es würde ihm das Herz brechen. Nun muss sie aber feststellen, dass er ne Neue hat und es ihm, wider Erwarten, super geht. Darauf kommt sie überhaupt nicht klar. Jetzt beleidigt sie ihn – und seine neue Freundin, zum Beispiel dafür, wie sie aussehen. Weiterhin spricht sie ihm den Verstand ab, sich seiner Lage bewusst zu sein und zu wissen, was er tut. Es passt ihr nicht, dass es ihm gut geht, lieber wäre ihr, er würde wieder mit ihr zusammen sein. Wie es ihm dabei geht, ist ihr scheißegal. Denn die Hauptsache ist, dass sie selbst sich gut fühlt – was sie nicht kann, wenn sie die Beiden sieht. Dabei ist sie aber noch nicht mal auf die Neue eifersüchtig, denn die ist ja hässlich und uncool.

Sie fordert das Recht ein, über den Typen verfügen zu können, ganz egal ob er das möchte oder wie es ihm dabei geht. Zusätzlich ist es auch völlig unerheblich, dass sie ihn dabei gar nicht liebt (you never had much game, I don’t give shit about what you say, I broke it off thinking you’d be crying – sie hat ihn absichtlich verletzt) – ihrer Logik nach hat sie das Recht, all dies zu tun, weil sie die Erste war, die ihn hatte. Sie ist eine Eroberin, und er ein Ding ohne Gefühle und Rechte, über dass sie frei verfügen kann, weil es ihr gehört.

Und der Typ? Wird ihrer Meinung nach winselnd zu ihr zurückgekrochen kommen. Das ist wahrscheinlich absolutes Wunschdenken. Ob dem Mädel klar ist, dass sie mit ihrem schlechten Charakter in Zukunft nur noch an Kerle gelangen wird, die sie genauso Scheiße behandeln?

Ich würde Cheryl Lloyd oder den Textschreiber jedenfalls zu gerne mal fragen, warum der Kerl sie zurücknehmen sollte..

früher war alles schöner: tische

Der Bjursta, nackt wie Ikea ihn schuf

Der Bjursta, nackt wie Ikea ihn schuf

Vor etwa einem Jahr habe ich mir einen Wohnzimmertisch gekauft. Dreimal dürft ihr raten, wo! Bei IKEA. Ich mag schöne alte Möbel. Ich habe lange überlegt, ob ich mir einen Tisch vom Flohmarkt hole. Ich habs dann gelassen, weil ich im Moment vom Berliner Second-Hand-Markt angenervt bin. Ich habe das Gefühl, es ist nicht die Zeit, wo man schöne Sache zu einem vernünftigen Preis finden kann. Und ich rede noch nicht mal von Schnäppchen, vom perfekt erhaltenen Biedermeier-Tisch für 50 Euro. Sondern von normalen, vernünftigen Sachen. Stattdessen scheint alles, was ich gesehen habe, entweder in total schlechtem Zustand – vermodert, kaputt, kaputt repariert, oder nach aktuell trendiger “Vintage” / “Designer” Art und Weise gnadenlos aufgehippt und unverschämt teuer.

Ich schweife hab…ich habe mich also für den aktuellen Preis-Leistungs-Spitzenreiter bei Ikea entschieden, den Bjursta. Ich hätte gerne einen Massivholztisch gehabt. Der Bjursta ist teilweise aus Spanplatte, aber er kann den soliden Eindruck von Massivholz ziemlich gut imitieren. Man kann ihn mit unter der Tischplatte verdeckten Elementen bis zum anderthalb-fachen seiner Länge verlängern. Er hat eine wunderschöne dunkelbraune Farbe. Er sieht nicht nach Ikea aus (ich weiß, jeder behauptet das von “seinen” Ikeamöbeln). Tut er wirklich nicht.

Ich will gar nicht über meinen Bjursta meckern. Der ist nicht hässlicher, als der alte Vergleichstisch, um den es gleich gehen soll. Oder schlechter. Ist n Top-Tisch für sein Geld (129 Euro).  Alles in Ordnung.

Ich war mir sicher, dass es keinen besseren Tisch für einen ähnlichen Preis geben könne. Bis ich ihn heute gefunden habe: Einen Tisch, der sicher nicht besser oder schlechter ist als jeder einzelne Bjursta dieser Welt. Dafür ein Tisch mit Geschichte. Draufklicken, ungefähr bis zur Mitte runterscrollen, bis zur Überschrift “Ian Curtis’s kitchen table”. Ja, das ist er…der Küchentisch von Ian Curtis, ging bei Ebay weg für 100 Pfund (das sind am heutigen Tage etwa 120 Euro). Da hätte ich auch das Geld für ne Spedition von Macclesfield nach Berlin bezahlt, wenn ich dafür diesen Tisch gekriegt hätte!

Lesen Sie die Bild, Madam?

Udo Vetter berichtet im Law Blog über eine Werbeaktion der Bild-Zeitung zu ihrem 60. Geburtstag. Am 23.06.2012 soll die aktuelle Ausgabe der Zeitung in jedem Briefkasten Deutschlands landen – in jedem. Gezielt will man sich, so Vetter, über Aufkleber á la “Keine Werbung einwerfen” hinwegsetzen. Und dann berichtet er darüber, wie er mit einem im Vorfeld – natürlich juristisch wasserdicht – formulierten Schreiben seinen Briefkasten zum Gallischen Dorf machen will.

Heiß her geht es in den Kommentaren. Absolut lesenswert sind die kreativen Vorschläge zur Bild-Boykottierung und Entsorgung. Wer möchte, kann ein Ratespiel daraus machen, welche der “Was regt ihr euch eigentlich so auf, es gibt Wichtigeres!”-Kommentare von Mitarbeitern des Axel-Springer-Verlags stammen könnten – denn Vetter erweckt den Anschein, als gebe es solche.

Für mich sieht das nach dem Anfang einer großen Internetkampagne aus, das Thema ist absolut Meme-fähig. Ich freue mich schon auf lolcats-in-Briefkästen-Bildern, Anti-Bild-Schäublonen, das Video-Turtorial “Wir basteln uns einen Spam-Kasten!” und ein Exklusiv-Interview mit Markus Beckedahl im ARD-Brennpunkt. Und vielleicht schaffen wir es bis dahin ja tatsächlich, eine Methode zu finden, die vor Gratiseinwurf schützt – wirksam!

Kesslers Expeditionen

Gerade sitze ich vor der Glotze und gucke Michael Kessler zu, wie er mit einem Esel von Berlin an die Ostsee wandert. Für das Quiztaxi fand ich den Kessler eigentlich immer genau die richtige Besetzung. Er passte gut in die Sendung und war souverän darin, Leute durch Berlin zu kutschieren und sich mit denen über ihr Leben zu unterhalten. Aber hier, in dieser Sendung “Kesslers Expeditionen“, finde ich ihn gerade einfach nur furchtbar. Dieses zwanghafte Geduze aller Leute, die er ungefragt anlabert, dieses schlecht nachgemachte Berlinerisch. Mit aufgesetzter Lockerheit stellt er ziemlich doofe Fragen:

“Fühlt ihr euch jetzt eigentlich als Wendeverlierer?”

Gegenfrage: Meint er wirklich, jemand würde das vor seiner Kamera zugeben?

Irgendwie habe ich auch das Gefühl, das eigentlich die meisten Leute gar nicht wirklich mit ihm reden wollen. Er biedert sich halt krampfhaft an, und man merkt es:

“Nen rotierenden Lautsprecher, weißte Bescheid, ne”

- “Jaja, genau, hehe, jaja!”  (und kreist mit dem Finger).

Ich kann mir nicht helfen, aber da fand ich die frühere Umsetzung einer ähnlichen Idee von Martin Sonneborn besser, der 2008 für den Film Heimatkunde entlang des Mauerstreifens um Berlin lief. Der wirkte auf mich ehrlicher, weil er nicht den lockeren Burschen von Nebenan spielte, sondern man ihm angemerkt hat, dass er mehr mit einem journalistischen Ansatz unterwegs war – auf der Suche nach guten (Nach-)Wendegeschichten. Bei “Kesslers Expeditionen” fehlt glaube ich so ein bißchen das Konzept, die Idee war wohl “Wir gehen mal einfach los und filmen Leute”. Heimatkunde scheint in ein bißchen engeres Korsett gepresst, aber wirkt dadurch irgendwie auch stringenter.

meine 2011er Blogstatistik

Hallo liebe Leser,

ihr seit auf I have recently become happy and I find it over-rated. Die automatisch von wordpress erstellte Statistik 2011 des Blog sieht nicht gerade rosig aus. Aber weils so schön gemacht ist: schaut euch die Verpackung an, und nehmt den Inhalt nicht zu kritisch:

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Eine Cable Car in San Francisco faßt 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 1.300 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 22 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Schöne Bescherung, mit Christian Wulff und Co.

Weihnachtszeit, Zeit der Besinnung… Wer im ganzen Trubel eine halbe Stunde Zeit findet, dem lege ich aus aktuellem innepolitischen Anlass die NDR-Dokumentation “Der Drückerkönig und die Politik” über den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ans Herz. Der Name Maschmeyer fiel gestern und heute in der Berichterstattung über die Kreditaffäre des aktuellen Bundespräsidenten Christian Wulff. Die Doku ist besonders relevant, weil Wulff, neben anderen Politik-Nasen wie Gerhard und Kristina Schröder eine prominente Rolle in ihr spielen. Der Film wirft nochmal ein ganz spezielles Licht auf die aktuellen Vorwürfe gegen Wulff, beleuchtet Sie sozusagen intensiver, weil der Film schon fast ein Jahr alt ist. Der Fokus liegt nicht auf Wulff, aber die dargestellten Sachverhalte geben seinem Verhalten eine tiefere Dimension.

Anfang dieses Jahres wurde eine Version gesendet, bei der einige Aussagen und Szenen einem Beschluss des Berliner Landgerichts zum Opfer fielen. Beide Versionen, die usprüngliche sowohl als als die geschnittene, kann man sich im Netz ansehen. Ich finde, die geschnittene Version ist durchaus lohnenswert. Der Reporter Christoph Lütgert macht sich nämlich sehr schlau die Mühe, an den jeweils beanstandenen Szenen darauf hinzuweisen, was jetzt warum nicht gezeigt werden darf. So wird erst richtig transparent, an welchen Kritikpunkten sich Maschmeyer stört.

Bei mir funktioniert der Player nicht, aber anscheinend kann man sich hier diese geschnittene Version ansehen, oder zumindest über die beanstandeten Szenen nachlesen. Auf dem ARD-Channel bei youtube gibt’s das Original, ich embedde das mal ohne Garantie, dass der Link lange funktionieren wird.

Das ganze ist auch eine kleine Warnung vor unsäglichen Spendengalas, die uns zwischen Weihnachten und Silvester wieder im TV erwarten werden.

Wie man sein Facebook-Konto löscht

Ja, die Überschrift bringt sicher Seitenaufrufe ohne Ende. Aber es ist wahr. Gestern habe ich meinen Facebook-Account gelöscht. Eine Woche vor der Löschung habe ich eine Nachricht auf meiner Pinnwand gepostet, in der ich meine Freunde bat, mir ihre E-Mail-Adressen zukommen zu lassen oder mich nach meiner zu fragen, falls sie mit mir in Kontakt bleiben möchten. Ich war vorher ziemlich skeptisch was diese Vorgehensweise angeht. Immerhin ist ja bekannt, das Facebook aussortiert, wessen Posts man auf der eigenen Pinnwand sieht, und so hatte ich den Verdacht, vielleicht nicht alle erreichen zu können. Aber das Feedback war wirklich toll. Ich habe ein paar sehr nette Nachrichten bekommen und ein paar Handynummern wurden durchgegeben – die meisten hatte ich ja schon, aber manchmal ist es ganz gut auf Nummer sicher zu gehen. Ich würde sagen, von den etwa 130 Freunden, die ich auf Facebook hatte, haben sich etwa 5 extra gemeldet. Das klingt erstmal sehr wenig, ist aber recht gut, wenn man bedenkt dass die meisten meiner Freunde auch in Berlin wohnen und wir uns regelmäßig sehen, bzw. gemeinsame Bekannte haben, die wir regelmäßig sehen. Ich habe mich über jede dieser Nachrichten sehr gefreut. Drei Leute habe ich vorher explizit angeschrieben und darauf hingewiesen, dass ich mich abmelden werde und wir unsere E-Mail-Adressen sicherheitshalber nochmal überprüfen müssen. Alle drei waren extrem wichtige Fälle für mich, es handelt sich um Leute, die ich in meiner Zeit in Manchester kennen gelernt habe und die alle mehr oder weniger weit weg im Ausland wohnen. So weit weg, dass ich nicht weiß wann und wo mal eine Gelegenheit herkommen soll, sich wiederzusehen.

Um die Gründe darzulegen, warum ich mich von Facebook verabschiedet habe, müsste ich, wenn ich ausführlich antworten soll, auch in Manchester anfangen. Außerdem wirds so ne kleine runde Geschichte von der man sich unterhalten lassen kann. Für alle, die keine Lust aufs Lesen haben, die Kurzbegründung lautet: Der Nutzen von Facebook stand in keinem Verhältnis mehr zur investierten Zeit. Ich will nicht sagen, dass er gegen Null tendierte, aber er war schon letztendlich sehr gering. Natürlich könnte man mir vorwerfen, ich hätte dann ja einfach weniger Zeit in Facebook investieren können. Dies hätte aber meiner Meinung nach nur dazu geführt, dass der Nutzen noch geringer wird. Denn wer auf Facebook nicht schreibt, kommentiert, interagiert, der bekommt auch nichts zurück und die Activity-Leiste bleibt leer. Ganz im Sinne einer Selbstverstärkung hätte das also dazu geführt, dass ich Facebook irgendwann auch nicht mehr genutzt hätte. Warum also den Patient lange quälen und weiter Zeit verschwenden? Ich habe mir lieber den Gnadenschuß gegeben.

Zurück zu Manchester. Die Geschichte beginnt in der Kategorie “Oma und Opa erzählen von vor dem Krieg”. Denn damals…damals, als ich mich bei Facebook angemeldet habe, brauchte man noch eine gültige E-Mail-Adresse einer englischen Universität, um überhaupt Mitglied werden zu dürfen. Facebook war damals den Studenten vorbehalten, und zwar sogar meines Wissens nach nur den us-amerikanischen und britischen. Die hatten nämlich schon alle ihr Facebook-Konto, wären die europäischen Austauschstudenten sich alle erst anmelden mussten. Was noch eine ganze Woche nach Ankunft in Manchester dauerte, denn erst dann bekamen wir eben besagte E-Mail-Adresse @student.manchester.ac.uk. Bis dahin war ich laut Aussage einer meiner Mitbewohnerinnen “socially dead”, denn das war man eben als Student in England ohne Facebook. Fast fünf Jahre ist das jetzt her. In Manchester habe ich Facebook tatsächlich rege genutzt, um mich mit anderen Leuten zu vernetzen. Die Schattenseiten wurden auch ziemlich schnell deutlich – anhand der schlechten Beispiele anderer. Unvergesslich, wie ich einmal einer Studentin aus dem Nachbarhaus auf offener Straße begegnete, nachdem ich eine Woche lang jeden Tag neue Bilder im Activity Feed sah, deren Aussage immer die gleiche war “…wurde getaggt in einem Bild von der und der Party”. Wir schauten uns an und schmunzelten, wussten wir doch beide, das sie gerade von einer sehr langen, wilden Partytour zurückkam – ohne das sie mir das erzählt hätte.

Zurück in Berlin überlegte ich kurz, ob ich mein Konto wieder löschen sollte. Mit meinen deutschen Freunden hatte ich ja keine Möglichkeit, darüber zu kommunizieren. Dafür gab es myspace. Ich habe mich dann entschieden, dass Konto zu behalten, um mit meinen Freunden, die ich in Manchester kennengelernt habe, in Kontakt zu bleiben. Und musste in den kommenden Jahren erstaunt feststellen, wie immer mehr meiner Bekannten sich dort anmeldeten und mich in Freundeszahlen und Aktivitäten weit überholten. Der zeitliche Vorsprung hat mir nichts genützt – obwohl ich auch nicht vorhatte, auf Facebook Freunde zu “sammeln”.

Irgendwann wurde myspace unbenutzbar. Zugeknallt mit eingebetteten Videos und Flashplayern stürzten Bandprofile reihenweise ab und Musikhören wurde nahezu unmöglich. Dann waren auf einmal alle auf Facebook. Der schlußendliche Auslöser, meinen myspace-account zu löschen war dann, als ich irgendwann feststellte, das alle alten Nachrichten – auch die, die ich extra gespeichert hatte – nicht mehr abrufbar waren. Vermisst habe ich myspace nicht. Und nun also Facebook. Warum tendierte der Nutzen gegen Null? Erstmal hat mich das “neue” Facebook extrem gestört. Statt alle Neuigkeiten im Activity-Feed zu sehen, auswählbar nach “Top News” und chronologischer Erscheinungsweise, waren die chronologischen Meldungen auf einmal in ein Mini-Fenster auf die rechte Seite verbannt, und in der Mitte erschienen immer wieder die selben zehn Nasen. Ich hatte niemals die Lust dazu, einzeln Freunde auszuwählen und deren News-Feed zu abonnieren. Extreme Zeitverschwendung. Ich denke, vielen meiner Freunde ging es ähnlich, denn die Kommentare und Likes auf meine Post wurden immer weniger. Sehr viel weniger. Dann habe ich zweimal versucht, eine Party über Facebook zu organisieren und bin grandios gescheitert. Gut, einmal lags am Wetter, aber demotiviert war ich trotzdem. Hinzu die vielen, vielen Nachrichten über rechtliche und Datenschutzfragen. Ich mochte meine tollen Urlaubsbilder einfach nicht dort hochladen. Ich mochte irgendwann auch keine persönlichen Nachrichten mehr über Facebook schreiben. Ich bin mir bewusst, das Facebook teilweise zum Sündenbock gemacht wird und mein Google-Mail Konto auch nicht besser ist. Aber da ist der Nutzen für mich größer. Wenn ich eine E-Mail schreibe, kommt auch was zurück.

Der Punkt ist: Facebook hält die Illusion aufrecht, dass du mit Menschen in Kontakt bist, aber das bist du nicht. Du könntest deine vielen Freunde, von denen du lange nichts gehört hast, anschreiben, um zu hören wie es ihnen geht, aber du kommuniziert immer nur mit den selben Leuten. Denen, zu denen du eh Kontakt hast. Du tust es nicht, weil du es ja jederzeit könntest. Die Möglichkeit lähmt deine Handlung. Ich schreibe “du” statt “ich”, weil es nicht nur mir so geht. Deshalb habe ich mich entschieden, Facebook lebewohl zu sagen. Wer mich drankriegen will, an den PC, ans Telefon oder an Skype, der kriegt mich. Wen ich treffen will, bei dem meld ich mich. Und wen ich zufällig auf der Straße treffe, über den freu ich mich und halt ein kleines Pläuschen. Der Rest ist geschenkt. Vielleicht versuch ichs irgendwann nochmal mit social networking. Wenn diaspora endlich ans Netz geht.

Das Facebook-Konto löschen geht übrigens ganz einfach. Einfach in der Hilfe-Suche “Facebook löschen” eingeben und dem Link folgen. Und ein letztes noch: Ja, ich weiß, dass die meine Daten noch haben. Ich wollte nicht warten, ob es in tausend Jahren mal möglich sein wird, die zum Löschen zu verpflichten.

Über die Unruhen in Manchester

In der letzten Nacht, auf den 10.08.2011, verschob sich der Fokus der momentan in England stattfindenden Unruhen von London in den Norden – besonders in Manchester und Birmingham wurde geplündert, aber auch Liverpool wurde nicht verschont. Ein etwas mulmiges Gefühl ist es schon, ein Bild von Manchester, für viele in Deutschland eine eigentlich recht unbedeutende Stadt, als Aufmacher auf allen Nachrichtenkanälen zu sehen. Immerhin ist die Stadt meine hauptsächliche Fernweh-Projektionsfläche und ich habe ein halbes Jahr dort gelebt. Daher habe ich, nachdem ich gestern abend auf tagesschau.de kurz las, das gerade in Manchester randaliert wird, die halbe Nacht damit verbracht, mich im Internet über die Ereignisse auf dem Laufenden zu halten. Nachdem ich die Fakten in der Uni alle schon vor Jahren gelernt hatte, gab es nun auch endlich meine persönlichen Internet-Twitter-Kommunikation-OpenData-Bürgerjournalismus Aha-Momemte.

Zunächst einmal hat die Live-Berichterstattung auf Guardian.co.uk meine wichtigsten Neugierden sehr gut befriedigt. Hier ist das Skript der Nachrichten, die letzte Nacht verbreitet wurden. Sehr gut, um sich einen Überblick zu verschaffen, Quellen kommen aus verschiedensten Richtungen (Augenzeugen, Polizei, andere Nachrichtenseiten, Twitter) und werden immer genannt. Die einzelnen Texte sind kurz und prägnant, aber detailliert und enthalten keine Allgemeinplätze.

Außerdem haben die Redakteure eine Karte gebastelt, auf der alle gemeldeten und von der Polizei verifizierten Vorfälle eingezeichnet sind. Ich konnte mir also anschauen, wo genau die Zwischenfälle stattfanden. Anders all in London beschränkten sich die Ereignisse in Manchester in der letzten Nacht wirklich nur auf das Stadtzentrum – andere Wohngebiete waren nicht betroffen.

Die Guardian-Karte mit Fotos ist noch ein bißchen dürftig bestückt. Aber der Flickr-pool, den die Redakteure angelegt haben, ist riesig.

Fast noch beeindruckender als die überwältigend genaue Arbeit beim Guardian fand ich die Kommunikation der Greater Manchester Police. Unter dem Kürzel GMP wurde ich die ganze Nacht lang auf Twitter informiert, was die Polizei gerade tut. Es wurden Hinweise zu öffentlichen Verkehrsmittel gegeben und Kontaktmöglichkeiten genannt, unter denen man sich als Zeuge melden kann. Und vor allem hat die GMP versucht, auf die Fragen anderer Twitter-Nutzer zu antworten. Dazwischen als Würze Ansagen wie “Viele Verdächtige auf Überwachungskameras festgehalten. Wir werden euch identifizieren und wir werden euch kriegen.” Wem’s noch nicht spannend genug war, das machte die Sache richtig aufregend.

Vielleicht kann man auf die “Na wartet”-Sprüche verzichten. Das ist britischer Sarkasmus, der funktioniert in Deutschland einfach nicht. Ansonsten kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass die Berliner Polizei so kommunizieren würde, zum Beispiel am 01.Mai. Falls es jemand anders weiß, lasse ich mich jedoch gerne eines Besseren belehren.

Meine dritter Info-Punkt war die Facebook-Seite Manchester riot – updates 2011. Leider hab ich noch nicht herausfinden können, wer dahinter steckt. Aber als Sammelstelle für youtube-Videos von Zeugen war die Seite letzte Nacht bestens geeignet.

Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich, dass heute Nacht alles ruhig bleibt – in Manchester und anderswo. Über Gründe für die Aufstände brauche ich hier nicht lang und breit zu schwadronieren, statt dessen zwei Links: einen deutschen, von tagesschau.de: Da hilft nur eine ganz andere Politik; und einen englischen, vom Guardian: The psychology of looting. Beide treffen des Pudels Kern meiner Meinung nach recht gut – der englische lohnt sich wirklich. Mein persönliches Gefühl war immer, dass uns England in Sachen politischer und sozialer Probleme um Längen voraus ist. Wer über deutsche Politik gemeckert hat, dem habe ich oft gesagt: In England ist es noch viel krasser. Darin fühle ich mich jetzt leider bestätigt. Vor allem hoffe ich daher, das England seine Probleme in den Griff bekommt. Das wird ein langer Weg sein, aber jetzt gibt es keinen Grund mehr, nicht den ersten Schritt zu machen.

Die Geschichte von Manchester

BBC Manchester Radio hat eine sehr spannende Serie gemacht über die Geschichte von Greater Manchester – Manchester und die angeschlossenen Orte. In jeder Folge wird eine Stadt von Leuten vorgestellt, die sich mit deren Geschichte auskennen. Weil sie zum Beispiel im Museum arbeiten, in der Bibliothek, oder als Reiseführer. Jeder erzählt etwas über ein bestimmtes Ereignis, das mit dem Platz verbunden ist, und erklärt die Bedeutung für die Geschichte den Großraums Manchester. Dabei sind die Episoden nicht chronologisch angeordnet, sondern in thematischer Abfolge. So wird im ersten Teil eine Verbindung geschaffen zwischen dem ersten elektronischen Computer, genannt “Baby”, und dem Kampf gegen die Illegalität von Homosexualität in den 60er Jahren – und zwar über den Hinweis auf Alan Turing, Erfinder von “Baby” und Opfer von Zwangshormonbehandlung gegen seine homosexuelle Neigung. Überraschende Fakten (unter der Victoria Train Station wurden im 20. Jahrhundert Tote begraben) reihen sich ein mit den Superlativen Manchesters: Dort stehen etwa die Kathedrale in Großbritannien, in der die meisten Ehen geschlossen wurden, sowie die älteste noch bestehende öffentliche Bibliothek im gesamten englischen Sprachraum.

Für Manchester selbst gibt es fast zu viele historisch bedeutende Ereignisse, um sie in 50 Minuten zu behandeln: Erwähnt werden unter anderem Ernest Rutherford, der hier seinen ersten Schritte in der Nuklearphysik machte, Charles Rolls und Henry Royce, die hier groß ins damals noch unbekannte Automobilgeschäft einstiegen, und Emmeline Pankhurst, die mit ihrer politischen Radikalität den Grundstein für die Emanzipationsbewegung legte. Auch eine kurze Begegnung mit Manchester United darf nicht fehlen.

Spannender dürften die Episoden über die Vororte von Manchester werden, die in den anderen Episoden behandelt werden. Da bleibt bei 50 Minuten sicher mehr Zeit, ausführlich über bedeutende Persönlichkeiten und wichtige Ereignisse zu sprechen.

Das Ganze hat nur einen Haken: Die BBC stellt die Sendungen nur für einen begrenzten Zeitrahmen zur  Verfügung. Die erste Sendung wird nur noch heute online abrufbar sein. Es ist schon enttäuschen, hier über etwas zu schreiben, was schon bald nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Ich vermute mal, dass es rechtliche Gründe dafür gibt. Ärgerlich ist es in jedem Fall. Ich hätte gerne für eine digitale Kopie bezahlt und auf die BBC-Seite verlinkt, damit ihr es mir nachmachen könnt. So wird der Link zur Sendung leider sehr bald ins Nichts führen.

Gefunden habe ich die Sendung bei Northern Voices. Ich werde mal nachfragen, vielleicht kann man mir da einen Tipp geben, wie ich an einen Mitschnitt der Sendung gelange.

 

verlinken und andere schreiben lassen II

aus der kategorie “dinge, die die welt nicht braucht”: der schniblo-tag.

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früher war alles schöner: autos

ich behaupte nicht, dass früher alles besser war. aber schöner waren manche dinge schon. deshalb eröffne ich hier mal eine neue kategorie mit eben jenem motto “früher war alles schöner”, und der erste beitrag soll sich autos widmen. warum? wenn ich meinen internetbrowser öffne, wird mir als startseite ein zufällig ausgewählter wikipedia-eintrag angezeigt. und das war gerade eben der eintrag zum citröen c-buggy. und mein erster gedanke war: wow, das muss das hässlichste auto der welt sein. hier ist es: (auf die fotos klicken für ein größeres bild)

citröen c-buggy

citröen c-buggy

die reifen viel zu prollig und wuchtig, die schnauze eingedrückt wie bei einem überzüchteten mops. ist das ergodynamisch überhaupt erlaubt? die quietschgelben neonsitze sehen nicht gerade gemütlich aus mit ihren metalleinbuchtungen auf kopfhöhe und sind nächste saison modisch schon wieder voll überholt. dazu noch dieser hässliche grill vorn dran, diese sinnlose heckscheibe. wieso braucht ein auto ohne frontscheibe eine heckscheibe? gibts beim autofahren massive rückenwindaufkommen, von denen ich bis jetzt noch nichts mitbekommen habe? Und was soll dieser schwarze extra plasteteil hinter dem fahrersitz? ist das ein billiger klappstuhl, den der fahrer sich als schutzschild umstülpen kann? aber der hammer ist das schweißmaukenschaufenster – der durchguck auf fusshöhe. sicher sehr praktisch als aufräum-anreiz für leute, die dazu tendieren den fussraum ihres autos vollzumüllen. Aua!

welch augenschmaus im vergleich dazu dieser volvo 1800s aus den sixties:

Volvo 1800s

Volvo 1800s

ordentlich angeordnete felgen, klassisch-edle farbe, schneidiges gesamtbild. vergleicht mal die zwei autos hinsichtlich des designs ihrer scheinwerfer, ihrer rückspiegel, der form der motohaube, der kanten im metall, mit denen subtile farbwirkung erzielt werden kann… und, welches auto hat gewonnen?

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