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noch mehr qualitätsjournalismus

nachdem ich vor einer weile dargestellt habe, wie die freundin altbekannte inhalte aufwertet, kommt hier ein weiteres beispiel für „originellen“ journalismus: bei stefan niggemeier lernen wir am beispiel kompentenzteam, warum alle zeitungen dasselbe schreiben.

ein einmal formulierter sachverhalt lässt sich wohl nur schwer mit anderen worten umschreiben. anscheinend besteht journalistische arbeit nur darin, agenturmeldungen abzuschreiben. das ist nicht gerade kreativ, demokratisch, das wird nicht sehr der vierten gewalt gerecht. es sei denn, man ist der macker, der bei der agentur arbeitet!

sparst du schon?

neulich beim irgendwo rumsitzen habe ich die aktuelle ausgabe der freundin in die finger bekommen und mal durchgeblättert. ehrlich gesagt sprach mich das groß auf dem cover angekündigte „special“ an:

besser leben – weniger ausgeben!

mode, kultur, auto, wohnen … 66 überraschende tipps, um jetzt clever zu sparen

was dann an tipps kam, hat mich allerdings nur zum kopfschütteln gebracht. ein paar highlights, an die ich mich noch erinnern kann:

- mit dem rauchen aufhören. je nach stärke des konsums könne man bis zu 200 euro im monat sparen. außerdem wäre ja jetzt sowieso überall rauchverbot, deshalb wäre die gelegenheit noch nie so günstig.

als ob die tatsache, das man es dicke hat und vor lauter geld nichts damit anzufangen weiß, der einzige grund wäre, warum leute nicht aufhören können zu rauchen..

- nicht immer unterwegs sandwiches kaufen oder essen gehen. lieber mal zuhause brote schmieren und mitnehmen. spart ungeheuer.

was haben die leute bloss früher gemacht, bevors an jeder ecke ein mcdonalds gab? und wieso teuer? ich denk da kostet der burger nur n euro…

von der art gabs noch mehr hinweise:

- jeden morgen auf dem weg zur arbeit nen coffee to go („ich hätt gern nen coffee to go, aber zum mitnehmen bitte!“…) holen ist teuer. vorschlag von freundin: einen thermosbecher kaufen, und zu hause selbst gekochten kaffee darin mitnehmen.

hut ab freundin, darauf muss man erstmal kommen. es ist ja nicht so, dass coffee to go eine neue erfindung von vor ein paar jahren ist, und sich niemand mehr daran erinnern kann, dass es frühmorgens auch los ging, ohne dass bäcker und coffeeshop überteuerten milchschaum zum mitschleppen anboten. geschweige denn, dass es außerhalb der großstädte deutschlands noch jede menge klitschen gibt, wo man überhaupt keinen coffee togo kaufen kann.

und noch einer aus der reihe:

- wie praktisch, wenn man in mundgerechte stücken zerkleinerten salat im supermarkt kaufen kann. man spart sich das schnippeln zu hause. aber laut freundin sollte man lieber einen ganzen salatkopf kaufen. hat mehr, kostet aber weniger.

auch die anderen tipps, die nichts mit essen oder supermarkt zu tun hatten („im supermarkt stehen die teuren produkute auf augenhöhe, die billigen ganz unten oder ganz oben“) waren nicht besser. designerklamotten im factory outlet kaufen, statt neue stühle die alten mit neuem stoffen beziehen lassen.. mehr fällt mir grad nicht ein, aber ich habe eh nicht alle gelesen. das grundmuster war immer dasselbe, und die vorschläge so alt wie das haushaltsbuch meiner urgroßmutter.

aber eins weiß ich ganz genau: wenn so eine story als riesentitelgeschichte angekündigt wird, und damit zehn seiten gefüllt werden, wen wundert da noch das zeitungssterben? kleiner tipp für alle leserinnen: schon mal drüber nachgedacht, ob ihr euch vielleicht die freundin sparen könnt?

ick mit dem obama in unser wohnküche am elsensee im ewigen eis

update: die ganze sendung gibts hier, die zeiten, wann welche episode auftaucht, sind im text hinzugefügt!

heute habe ich mal mit voller aufmerksamkeit 45 minuten nachrichtensendungen geguckt, erst die abendschau auf rbb – nachrichten aus berlin und brandenburg – und gleich nach den darauf folgenden „programmhinweisen“ die tagesschau. normalerweise vermeide ich nachrichtenmedien mit der vogel-strauß-taktik: nix hingucken, hinterher ist man nur deprimiert. doch heute war ich dabei. folgende auffälligkeiten von lustig-schräg bist tot-ernst präsentierten sich mir:

1. ein teil der uferfläche des elsensees (irgendwo in region berlin-brandenburg) wurde von anwohnern gekauft. ziel: das vorhandene biotop schützen und den bau eines strandbads und einer wasserskianlage zu verhindern. unterstützt werden die anwohner von cdu und fdp, die auch biotop erhalten wollen(!), und nicht so toll finden das die spd und die linke, die lieber 20 arbeitsplätze schaffen wollen. verkehrte welt? über die meinung der grünen ist mir nichts bekannt.

2. (ab 2:30) mit erstaunen stelle ich fest, das barack obama heute zum präsidentschaftskandidaten der linken demokraten gewählt wurde. wohlgemerkt erst zum kandidaten, und das nach gefühlten fünf monaten wahlkampf, heckmeck und dauer-berichterstattung. es wird zeit dass diese us-präsidentschaftwahlen man einen gang runtergeschraubt werden. sonst bleibt bald gar keine zeit mehr zum regieren zwischendurch.

3. (ab 5:44!) bei der bundeswehr arbeiten nur zombies. oder pressesprecher und andere konsorten, die gucken, als wenn sie zum ersten mal ne kamera sehen und reden, als wenns ihnen am arsch vorbeigeht. kein wunder, dass die zahl der leute, die dem verein beitreten wollen, sinkt, wie der tagesschau-beitrag verrät.

4. (9:30)schuld am flugunglück in ramstein vor zwanzig jahren war einer der drei unglückspiloten, sein timing stimmte nicht so recht. die tagesschau benutzt dafür im bericht heute das wort pilotenfehler. klingt das nun netter oder gemeiner als menschliches versagen?

5. (12:09) der schneidige jungunternehmer, der von der tagesschau auf der ifa interviewt wird, behauptet: die leute trennen nicht mehr zwischen wohn- und küchenbereich. – stimmt, aber meint er damit die yuppies mit amerikanischer küche, oder die hartz-iv-empfänger, denen von amts wegen ein zimmer gestrichen wird weil die wohnung sonst zu teuer ist?

6. (ab 15:10) eigentlich der hammer des tages: der nordpol taut immer mehr, diverse wasserstraßen sind auf einmal eisfrei, die ard überschreibt das mit der headline klimawandel, und der typ von einer reederei die da oben unterwegs ist, sagt dazu mit leicht arrogantem unterton: wir haben vor, im nordpolgebiet nach gas zu bohren. wir erwarten dort eines der größten gasvorkommen der erde. – hierzu gibt es ein paar schöne metaphern aus dem täglichen leben: salz in die wunde streuen, in der offenen wunde bohren, den schorf abkratzen…kurzum, er weiß wie mans noch schlimmer macht. er ist die böse krankenschwester, die nachts dem patienten erde heimlich die wunde wieder aufreißt, damit mehr krankenhausgebühren fällig werden.

ich wünsche von herzen gute besserung!

blau und blau in karlsruhe

er hat schmacht

er hat schmacht. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakrauchen

zu einem guten bier (macht blau) gehört eine schöne zigarette (blauer dunst), dachte sich vielleicht das bundesverfassungsgericht? wohl eher nicht, sollen doch sechs der acht richter nichtraucher sein. dennoch wurde heute „blau“ gewählt.

eine wirklich gute zusammenfassung zum thema rauchverbot im gaststättengewerbe bietet dieser artikel der berliner morgenpost. neben der darstellung der fakten finde ich hier besonders gut, wie die emotionen des streits erfasst wurden:

„Meine Gäste wollen keine Cocktails oder linksdrehenden, aufgeschäumten Yogi-Tees. Die wollen Bier, Wodka oder Whisky – und dazu eine Zigarette“ wird die Klägerin Sylvia Thimm zitiert – und bietet damit eine herrliche einschätzung der auseinandergehenden interessen der berliner.

auch schön auf den punkt gebracht ist dies:

Längst sind sämtliche Argumente ausgetauscht, es geht nicht mehr um die Überzeugung der anderen Seite. Es geht um eine Glaubensfrage. [...]„Beide Lager wollen im Grunde dasselbe, nämlich das schöne, sinnvolle, lustvolle Leben. Nur interpretieren die einen das im Sinne ihrer körperlichen Unversehrtheit, die anderen im Sinne des Auslebens ihrer Lüste und Bedürfnisse.“ „

und dann kann man in den raucherstreit auch noch so sachen wie „Moralisierung des Alltagslebens“ oder rede- und denkverbote hineininterpretieren:

“ „Die Diskurskultur“, sagt Soziologe Schulze, „ist geprägt von Rede- und Denkverboten, unter dem Signum der Meinungsfreiheit wird Meinungszwang ausgeübt.“ Auf der anderen Seite gerieren sich auf die Straße oder zugige Balkone verbannte Raucher als letzte Vertreter des freien Denkens.“ „

und damit hat der herr soziologe ganz recht, finde ich. und gehe nachher in die kneipe – aber achtung frau thimm, ein rauchender cocktailtrinker wird wohl auch dabei sein…