sexy bücher

man muss bücher nicht gelesen haben, um drüber schreiben zu können (die redakteure einschlägiger popkulturzeitschriften – buärg – werden mir recht geben. bitte sagt aber bescheid, wenn meine texte auch so altklug und unlesbar sind!).

in den letzten wochen zur persönlichen erbauung erhalten habe ich folgende werke:

ganz unten manfred krugs autobiographie mein schönes leben, erstanden für nen appel und n ei bei der restebuchhandlung, ich meine modernes antiquariat, meines vertrauens. das hatte ich mal als hörbuch, allerdings war da irgendwas nicht in ordnung – das dritte kapitel fehlte und danach waren alle kapitel durcheinander. ich geh mal davon aus, dass das keine künstlerische intention war und versuch das ganze nochmal als buch.

great britons, der band darüber, ist das geschenk von jemanden, der weiß was mir gefällt. erinnert sich noch jemand an die furchtbare sendung unsere besten im zdf? da wurden erstmal vorschläge gesammelt für die wichtigsten deutschen überhaupt und sowieso, und in der finalsendung durften dann einschlägige prominente (ich erinnere mich nur noch an alice schwarzer, die für die geschwister scholl warb mit einem satz wie „wählen sie doch mal junge menschen die was zweifellos gutes gemacht haben“, was ich ziemlich erfrischend fand im vergleich zu den sonstigen langweiligen alten spießer-säcken, die über andere langweilige alte spießer-säcke geredet haben) ihre persönlichen favouriten vorstellen. in großbritannien gab es das auch, aber es lief anscheinend ein bißchen anders ab, denn die texte im buch stammen nicht von prominenten, sondern von, räusper, professoren und wissenschaftlern. allerdings schrieben auch die immer nur ein vorwort, denn das buch ist von der national portrait galerie herausgegeben worden, also sowas wie die staatliche porträtsammlung, und deshalb beschreibt es hauptsächlich bilder, die von den zehn für die briten wichtigsten landsmänner existieren. bloß gut, dass es lady di grade noch in die top ten geschafft hat, schließlich galt sie mal als meistfotographierte frau der welt. auf platz eins steht natürlich die britin par excellence, elisabeth die erste. danach folgen, zugegebenermaßen auch mir teilweise unbekannte leute. platz zwo gehört dem guten willi, william shakespeare, isaac newton landete auf platz 4, charles darwin auf der 7, winston churchill auf der 8. das buch, wie gesagt, nicht zu empfehlen für leute die nicht an kunst interessiert sind, aber immerhin erfährt man, das charles darwin unter nervösen flatulenzen litt.

die zdf-wahl gewann übrigens damals konrad adenauer, über dessen biographie ich trotz kz-internierung auch etwas widersprüchliche informationen wie „hat sich während der nazizeit aus allem rausgehalten und rosen gezüchtet (langweiliger alter spießer-sack) sowie versucht, sich mit der nsdap gutzustellen“ gehört habe. man gebe mir eine gute, kritische adenauer biographie und ich lasse mich eventuell auch umstimmen, dennoch bin ich, wenns um den besten deutschen geht, „im zweifel gegen den angeklagten“. vielleicht schreibe ich irgendwann man einen eintrag über meine nummer eins, johannes gutenberg, ein dufter typ der uns alle vor der hexenbrennung und mittelalterlichen willkür bewahrt hat, in gewisser weise.

jetzt bin ich auch fast fertig mit langweiligen chartsplatzierungen, nur eins noch, gewissermaßen als überleitung: platz neun der briten ging immerhin an john lennon. ich kann mich nicht erinnern, das in der deutschen wahl ein musiker ähnlich weit oben gelandet wäre, aber danke john, jetzt müssen wir uns geographisch gesehen gar nicht so weit weg bewegen, von liverpool aus sind es nur zwei stunden im gut erschlossen öffentlichen überlandbusverkehr großbritanniens und wir landen beim nächsten buchthema:

in einem fernweh-geprägten kaufrausch erstand ich drei bücher die sich alle lose mit dem thema musik in manchester befassen. der klassiker darunter ist manchester, england von dave haslam, ein mann der dabei war, wie man so schön sagt. er beschreibt die musikszene in manchester vom jazz über mod und punk bis britpop usw. welchen stellenwert das buch hat, schreibt haslam selbst schön auf seiner myspace seite: „vor mehr als sieben jahren geschrieben, verkauft sich immer noch durchschnittlich 55 mal im monat, wahrscheinlich größtenteils an verwirrte studenten, die ihre abschlussarbeit über die rave-kultur schreiben.“

einer, der eben diese rave-kultur miterlebt und in gewissem maße auch geprägt hat, ist bez, seineszeichens tänzer – und also solcher vollwertiges mitglied – der ende80er/anfang90er entstandenen band happy mondays. ein musiker war bez nie, dafür konnte er gar nicht anders, als zu tanzen, sobald die mondays musik erklingen ließen – nicht nur auf der bühne, sondern auch im studio war er zu diesem zweck dabei. seine hauptaufgabe war aber, für shaun ryder (sänger+texteschreiber), dessen bruder paul (bassist) und die andern jungs drogen jeglicher couleur und in jeglichem agregatzustand zu besorgen. hierbei befand sich bez gewissermaßen in seinem natürlichen element. irgendwann waren die mondays vorbei und bez gewann die britische ausgabe von celebrity big brother. jetzt sind die wieder vereint, und auch bez ist mit dabei, 43 jahre auf dem buckel und dennoch fit wie ein turnschuh. tanzen gegen drogen!

seine autobiographie mit dem schönen titel freaky dancin‘ hab ich also auch gekauft. sie fehlt auf dem photo, wurde gleich in die hände eines interessierten gegeben, der sich schon stundenlang eins gekichert hat beim lesen.

eine weitere persönlichkeit aus manchester ist der held des nächsten buches, auf dem bild nummer 4 von unten. who killed martin hannett, wer hat martin hannett getötet, heißt es, und meine spontane antwort „der alkohol“ beschreibt natürlich auch nur die symptome, nicht aber die ursachen. martin hannett war ziemlich durchgeknallt, aber ein musikalisches genie, ein typ den man wahrscheinlich nie richtig verstehen kann, und das er so einzigartig war, das wird wohl der grund dafür gewesen sein, warum er ein übles ende nahm. im film über die musikszene in manchester, 24 hour party people, steht er mit einem mikrofon auf einem hügel außerhalb von manchester, um „stille“ aufzunehmen, als er gefragt wird, ob er joy division produzieren möchte. dafür müssten ihn die ganzen röhrenjeans-jungs die jetzt den riesen hype um joy division machen, verehren, aber martin hannett ist ziemlich unbekannt. das saufen kann er nicht lassen, er wird aufgeschwemmt, keiner versteht seine musikalischen visionen, und als er mitte/ende der 90er stirbt ist er zu fett für einen normalen sarg. martin hannett war größer als das leben.

und damit haben wir die oberen drei titel meines schönen stapels erreicht. wir kommen nun zur pflichtlektüre: christopher isherwoods goodbye to berlin, das lose als inspiration für das musical cabaret diente – so lose, dass die verfilmung mit dem originaltext nicht viel mehr gemein hat als den namen der hauptfigur – und the innocent von ian mcewan sind zwei bücher über berlin. ersteres spielt vor dem zweiten weltkrieg, in der sicher wirren übergangsphase von den goldenen zwanzigern (die für die normale bevölkerung alles andere als „golden“ war, sondern eine harte zeit mit schweren schicksalen) zum nationalsozialismus, der dann für jeden, der eine gewöhnliche ehrliche haut oder ganz anders war, definitiv beschissen war. the innocent wiederum spielt im berlin der fünfziger jahre, als besatzer die stadt beherrschten und sich gegenseitig (und darum gehts auch im buch) das leben schwer machten.

das ganze wird zusammengefasst unter dem thema „englische literatur über berlin“ und ist als solches teil der chose, die ich zu studieren versuche. aber es interessiert mich so sehr, dass ich die sekundärliteratur gleich noch mit ganz oben drauf gepackt habe. welcome to berlin, ein buch über das image berlins in der englischspachigen welt. weit bin ich noch nicht drin gekommen, ein bißchen zuviel friedrich der zwote am anfang (wer??). unkonventionelle ideen werden belohnt, vielleicht kann ich ja eines tages parallelen zwischen dem alten fritz und dem ollen bez ziehen, oder so. ich halte euch auf dem laufenden.

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Veröffentlicht am 22. April. 2008 in Nicht kategorisiert und mit , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Der Eintrag gerade richtig zum Welttag des Buches – aber es ist auch Tag des Bieres – da hättest Du doch wohl einen Titel mit aufnehmen können – „Wie braue ich mir selbst Bier in Berlin“?

  2. „hat sich während der nazizeit aus allem rausgehalten und rosen gezüchtet (langweiliger alter spießer-sack)“

    und

    hierbei befand sich bez gewissermaßen in seinem natürlichen element.

    sensationell.

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