schufa, was geht?

momentan bin ich auf wohnungssuche. erst musste ich mir ein paar verranzte buden ansehen, die von den vermietern in den anzeigen ziemlich frech als ganz gut beschrieben waren (kein vermieter würde freilich in eine wohnung mit schimmel in der küche einziehen, aber ein dummer, der einzieht findet sich immer). dann hatte ich doch tatsächlich mal das glück, eine gute zu erwischen (ein extra eintrag zu meiner neuen bad-flat-theorie folgt). leider kann man sich heutzutage nicht mehr einfach nur bei der hausverwaltung vorstellen, stattdessen wollen die gleich erstmal mehrere papiere von einem haben. standard sind inzwischen:

– die letzten drei einkommensnachweise

– eine aktuelle mietschuldenfreiheit

– eine aktuelle schufa-auskunft

die ersten beiden dienen dazu, zu beweisen dass ich

1) in den letzten drei monaten geld verdient habe (oder seit mindestens drei monaten einen job habe)

und

2) das sauer verdiente geld auch wirklich dafür genutzt habe, die miete zu bezahlen.

Ich finde allein diese anforderungen schon „doppelt gemoppelt“, wie man so schön sagt. denn eigentlich würde eine mietschuldenfreiheit mehr als ausreichend sein. aber der vermieter will ja nicht nur wissen, dass ich bis jetzt meine miete immer gezahlt habe, der einkommensnachweis dient ihm sozusagen als bestätigung dafür, dass ich auch in zukunft das geld aufbringen kann. ob ich nicht morgen betriebsbedingt gekündigt werde, das werde ich ihm allerdings niemals garantieren können, also sind die einkommensnachweise meines erachtens hinfällig. und statt einer mietschuldenfreiheit müsstens doch eigentlich auch drei kontoauszüge tun, oder?

aber das nervigste kommt noch: die aktuelle schufa-auskunft. die kostet nämlich geld: 7,80 € kostet die sogenannte „schufa-verbraucherauskunft“, die einem per post zugeschickt wird.

auf der webseite der schufa habe ich allerdings noch von einem anderen angebot gelesen: für 15,60 € kann man sich bei der schufa online registrieren lassen und hat dann unbegrenzten zugriff auf seine eigenen daten. soll heißen ich kann auch mal gucken, was die schufa noch so alles über mich weiß, in der „schufa-verbraucherauskunft“ sind ja nicht alle daten aufgelistet, es steht im prinzip nur drin ob man schulden hat oder nicht. eine verbraucherauskunft in papierform kostet für ein registriertes mitglied etwas weniger (ich glaube es waren so 3,60 €, den genaues preis kann ich jetzt gerade auf der webseite nicht finden. wenn man auf der übersichtsseite „meine schufa“ auf „weitere informationen“ klickt, landet man wo? – immer wieder auf der übersichtsseite.). ich dachte mir, das würde sich für mich lohnen, vielleicht brauche ich ja öfter mal so eine verbraucherauskunft, denn

– wer weiß, ob die hausverwaltung nicht wert darauf legt, das ding im original zu behalten

– wer weiß, ob sich auch diese wohnung nicht als mist herausstellt, oder ich aus einem anderen grund (beruf, familie – es gebe genügend) nicht bald wieder umziehen muss

– wer weiß, für welchen scheiß sich noch leute demnächst ausdenken, dass ohne schufa-auskunft nichts läuft.

als netzaffiner mensch ist man ja mit den üblichen registrierungsprozessen bekannt: nix eingeben wo kein sternchen davor steht (was also nicht zwingend notwendig ist, niemand braucht drei telefonnummern unter denen ich zu erreichen bin), aufpassen, das nicht automatisch häkchen gesetzt werden bei „ich abonniere euren täglich newsletter“ oder „ich stimme der  weitergabe meiner daten an dritte zu“, usw.

so dachte ich, kann esalso los gehen, denn auf der übersichtsseite steht:

„Wie kaum ein anderes Unternehmen legt die SCHUFA Ihnen in kürzester Zeit sämtliche Daten offen“

denkste. am letzten donnerstag habe ich mit der hausverwaltung telefoniert, da wurde mir mitgeteilt, dass sie unter anderem eine schufa-auskunft bräuchten, wenn ich mich für die wohnung bewerben will. sofort nach dem telefonat bin ich auf meineschufa.de gegangen um diese auskunft zu beantragen. nachdem ich mich über das oben beschriebene angebot mit der registrierung informiert und mich dafür entschlossen hatte, gab ich all meine daten ein. und dann kam folgendes:

ich bekam eine email mit unter anderem diesem inhalt:

„Aus Sicherheitsgründen setzen wir das Postident-Verfahren ein, um zu vermeiden, dass sich jemand unberechtigt unter Ihrem Namen anmelden kann.

Ihren Zugang zu www.meineSCHUFA.de können wir erst dann freischalten, wenn Sie sich persönlich über Postident in einer Postfiliale identifiziert haben. Wir werden Sie sofort per E-Mail informieren, sobald Ihr Zugang freigeschaltet wurde.“

zugeschickt wurde mir ein pdf mit meinem namen und geburtsdatum und einem barcode, mit diesem und meinem ausweis sollte ich mich persönlich bei der post identifizieren lassen. das hat mich angestunken, weil ich grippe hatte und nicht fit genug war, da hin zu latschen. außerdem habe ich erst ein paar wenige wochen vorher erfahren, dass die post auch nicht mehr das ist was sie mal war. ich soll mich also von einer verkäuferin im schreibwaren-geschäft beglaubigen lassen. sorry, aber großes vertrauen hege ich in ein solches verfahren zur bestätigung meiner identität nicht. werden denn die mitarbeiter dafür geschult?

am freitag schleppte ich mich also zur nächsten „postfiliale“ und ließ mir meine identität bestätigen. wie es danach weiter gehen sollte, wie lange es dauern würde bis ich post von der schufa bekommen würde, ob ich mich jetzt direkt schon da anmelden können würde, als das konnte man mir am schalter dann auch tatsächlich nicht sagen. Ich ging nach hause und probierte es aus – es ging nichts.

„Ihren Zugang zu www.meineSCHUFA.de können wir erst dann freischalten, wenn Sie sich persönlich über Postident in einer Postfiliale identifiziert haben. Wir werden Sie sofort per E-Mail informieren, sobald Ihr Zugang freigeschaltet wurde.“

ach richtig, so lief das. heute, vier tage später (es ist dienstag), kam die email, mit der mir bestätigt wurde, das meine identität bestätigt wurde. prima dachte ich, jetzt kann ich endlich die verbraucherauskunft beantragen, die ich schon seit donnerstag haben will. ich versuchte, mich mit meinem benutzernamen und passwort einzulogen. ich kam nicht viel weiter als sonst. jetzt hänge ich an der nächsten seite fest, auf der ich meine „Zugangskoordinaten“ und meinen „Zugangscode“ eingeben soll, die ich auf meiner „persönliche(n) SCHUFA-XSCard“ finde, welche mir per post zugeschickt wird.

auf den brief warte ich noch. heute kam er nicht. vielleicht ja morgen. morgen ist mittwoch. dann ist es fast eine woche her, das ich mit der hausverwaltung wegen der bewerbung gesprochen habe. dann wollte ich spätestens meine unterlagen dort vorbeigebracht haben, weil ich danach für ein paar tage wegfahre. man kann nicht behaupten, ich hätte meine abwesenheit nicht einplant und mich nicht rechtzeitig um alles gekümmert. ich dachte, eine ganze woche würde reichen, um den papierkram zu erledigen.

den papierkram zu erledigen für eine wohnung, von der doch noch nicht mal sicher ist, ob ich sie kriege. sie liegt ja nur im prenzlberg, wo die leute sich erfahrungsgemäß um wohnungen reißen, und wo der vermieter sicherlich nicht extra für mich zwei wochen länger auf die papiere wartet.

warten heißt es jedoch weiterhin für mich. warten, bis der brief von der schufa kommt, der meine blöde karte enthält, mit der ich mich anmelden kann. nachdem ich das getan habe, muss ich dann die verbraucherauskunft bestellen, dann warten, bis meine bestellung bearbeitet wird, dann warten dass die auskunft mir per post zugeschickt wird. klingt für mich so, als dauert das ganze noch mindestens eine weitere woche.

also schufa, was ist mit der kürzesten Zeit, in der mir alles offengelegt wird? geht das nicht vielleicht noch ein bißchen schneller. es ist ja auch nicht so, dass ihr eine lahmarschige behörde seit, der die nöte und sorgen des einfachen bürgers am arsch vorbeigeht. tatsächlich seit ihr ein privatwirtschaftliches unternehmen, das dienstleistungen für kunden anbietet. und ich ZAHLE für diese dienstleistung sogar!

ich kann nur allen raten, die sich mit dem gedanken an einen umzug tragen, fangt schon mal an die schufa-auskunft zu beantragen. ihr braucht sie auf jeden fall (die hausverwaltungen machens nicht mehr ohne), und es kostet zeit und nerven. ich bin stinksauer!

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Veröffentlicht am 1. September. 2009 in Nicht kategorisiert und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Ich hab da mal folgende „Einlassungen“:

    – der Vermieter muss die Schufa-Auskunft bezahlen, er will doch die Auskunft!
    – bei der Bank gibt es inzwischen PIN/TAN Verfahren, wo die TAN auf das Handy übertragen wird – so ähnlich müsste es doch für solche Fälle auch anwendbar sein – oder ist man bei der Schufa einfach nur altmodisch?
    – früher gab es halt noch Vertrauen und Ehrlichkeit – heute nur noch Mißtrauen und Betrug!

  2. zu
    1. vermieter zahlt: da müssten sich aber alle wohnungssuchenden berlins zusammentun und gegen diese praxis rebellieren. wenn ich allein da allerdings hingehe und zu dem bearbeiter sage „wissen sie was, bezahlen sie doch ihre auskünfte selbst, wenn sie die wollen“, lacht er nur und sagt süffisant“schade, wir haben uns für einen anderen bewerber entschieden!“

    2. tan aufs handy: trotzdem musste erstmal bei der bank ein konto eröffnen, da musste auch persönlich antanzen – das ist im prinzip auch eine identitätsbestätigung.
    mich wundert, dass das mit dieser identitätsbestätigung nicht auch anders geht – wie gesagt, das quasi im supermarkt machen zu lassen finde ich nicht sehr vertrauensvoll.

    ansonsten nervt mich halt, dass das ganze so lange dauert. die könnten mich auch einfach direkt nach der bestätigung durch die post freischalten, und gut. meinetwegen sollen sie mir halt noch einmal ein passwort per mail schicken, aber dann ist gut.
    dass das alles über den postweg gehen muss, nervt mich. und dass ich so eine dumme „schufa card“ bekomme. ich kann mir das schon vorstellen, das ist eine bankkartengroße plastekarte wo dann mein code und mein benutzername draufsteht. denken die wirklich ich find die hübsch und trag die in meinem portmonee mit mir rum? wenn ich so dumm wäre und jede karte, die ich theoretisch irgendwo angeboten bekomme, mit mir rumtragen würde…:

    ec-karte, kreditkarte, krankenkarte, auslandskrankenkarte, videothekenkarte, bibliotheksausweis, mensakarte, uni-kopierkarte (hatte ich teilweise mehrere, weil die kopierer in den einzelnen bibliotheken mit unterschiedlichen systemen gearbeitet haben), führerschein, paybackkarte, „sammeln sie die scheiß-drecks-herzen?“, bonuskarte fürs kino, fürn imbiss, fürn bäcker, zahnarztbonusheft.. die wut die es in mir auslöst wäre einen eigenen blogeintrag wert.

    jedenfalls krieg ich für meine 15,60 € unter anderem diese blöde karte, von der mich keiner gefragt hat ob ich sie brauche, und ich brauche sie auch nicht. und es dauert zu lange, sich „mal eben“ da anzumelden und eine auskunft anzufordern.

    und zu 3. bei 2. ging mir schon die puste aus, was soll ich dazu noch sagen…

  3. 1. Der Vermieter kann nicht für jeden einzelnen -Bewerber- die Auskunftskosten übernehmen.

    2. Eventuell schafft in naher Zukunft die „EPost“ abhilfe (http://www.heise.de/newsticker/Deutsche-Post-plant-sicheren-Mail-Service–/meldung/134459). Für später erübrigt sich das, wenn wir sowieso alle über implantierte RFIDs online, connected und abrufbar sind. 😉

    3. Früher gab es auch Weltkriege, Inquisition, Sklaverei und Keulen 🙂

  4. …wieso ist jetzt der Vermieter schuld.
    Überleg mal lieber wie viele saublöde Mieter rumlaufen und immer wieder arme Vermieter prellen. Ich kann jeden Vermieter verstehen, der auf diese Dinge besteht!!!
    Also hört auf zu jammern, angefangen haben sicherlich nicht die Vermieter, sondern blöde Mieter, die erst alle Vermieter zu diesem Schritt nötigen!
    Danke

    PS Nur zur Info, bin Vermieter und Mieter!

  5. Hallo grobi,

    im artikel wurde überhaupt nichts gegen vermieter gesagt. es geht, die wie überschrift schon klar und deutlich zeigt, um die schufa.

    und was die absicherung durch die vermieter angeht: es war schon immer üblich, dass der vermieter von den interessenten abfragt, wieviel er verdient und ob er in seiner jetzigen wohnung die miete bezahlt hat. inwiefern ist dann die schufa-auskunft noch als zusätzliche auskunft nötig? wieso soll jemand, der einen kredit abbezahlt, nicht in der lage sein, seine miete zu zahlen, wenn er regelmäßiges einkommen hat.

    vielleicht kannst du ja, anstatt hier unproduktiv auf berlin zu schimpfen, das mal aus der sicht eines vermieters darlegen?

  1. Pingback: Rein in die Schulden > Allgemein > Kalliey®.de Weblog

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