Archiv für den Monat März 2010

werbephilosophieren

Wenn Werbung Menschen zur Anpreisung ihrer Produkte verwendet, hat das meist zwei einfache Gründe: Der Betrachter soll sich mit der Person in der Werbung identifizieren und die Person in der Werbung soll das Unternehmen repräsentieren. Werbefiguren sind somit Bindeglied zwischen einem Produkt/einer Dienstleistung/einem Unternehmen und dem Kunden. Dieser denkt sich „Wow, so wie dieser Typ da in der Werbung, so möchte ich gerne sein“ oder vielleicht auch „Hey, der ist mir sympathisch, der ist so wie ich“, eventuell auch „Was für ein geiler Kerl, mit dem möchte ich gerne rumhängen“. Und die Werbebotschaft des Unternehmens lautet dann in etwa „Hey, wir sind so, genau so, wie dieser Typ. Komm zu uns und du kannst auch so sein!“

Soweit meine kleine Einführung in Werbepsychologie, schauen wir uns jetzt mal diese Werbung eines Kommunikationsunternehmens an und wenden das Gelernte an:

Detlef fühlt sich gut aufgehoben

Detlef fühlt sich gut aufgehoben

Wir sehen Detlef, ein junger, markanter Typ. Jeden Morgen, wenn ich auf die U-Bahn warte, grinst er mich an. Also schauen wir ihn uns mal genauer an.

Abhängen im Wozi mit Detlef

Abhängen im Wozi mit Detlef

Detlef ist cool, denn hat sogar gleich zwei Gitarren. Und den richtigen Verstärker dazu. Der Mann hat Ahnung. Detlef ist außerdem entspannt, denn er braucht kein Sofa. Und Detlef ist gemütlich, denn er trägt einen kuscheligen Rollkragenpulli, und ihm gefällts, sich gut aufgehoben zu fühlen. Ein echter Traumtyp. Was suggeriert uns Detlefs Erscheinung also über seinen Telefonanbieter? Der hat Ahnung, ist cool, entspannt, und zum Wohlfühlen.

Ein einfaches Prinzip, nicht? Aber was meint ihr wohl, aus welchem werberelavanten Grund sammelt dieser junge Mann wohl…Videokassetten?

Detlefs VHS-Sammlung

Detlefs VHS-Sammlung

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verlinken und andere schreiben lassen I

guter artikel auf spreeblick: der berliner szenemensch. deckt sich ganz gut mit einigen beschreibungen, die ich hier veröffentlicht habe.

über 100 kommentare zeigen: man hat das gefühl, sich erklären zu müssen..

vokabular schwach

Schriftsteller Ze Do Rock, Foto auf welthungerhilfe.de

der schriftsteller Ze Do Rock, foto auf welthungerhilfe.de

ein kleiner hinweis an politiker, journalisten und konsorten:

menschen, die laut who unter der armutsgrenze leben, z.b. hartz-v-empfänger, beschreibt man nicht mit dem begriff „sozial schwach„. denn das würde unterstellen, dass alle armen menschen unsozial, faul und gesellschaftlich nicht engagiert sind. auch wenn das in der politik und in den medien oft der fall ist, es ist einfach falsch!warum kann man nicht einfach das kind beim namen nennen und „finanziell schwach“ benutzen?

wo ich wohne

in diversen posts hier in diesem blog klang es ja schon an, dass ich geraume zeit auf wohnungssuche war..nun bin ich inzwischen seit einem monat in neuer bleibe (daher auch lange nix gebloggt, unter drei wochen ummeldedauer machens die telefonanbieter ja nicht). nachdem ich im letzten sommer kurz aber heftig mit dem wedding geflirtet habe, hat es mich dann doch wieder zu meiner alten liebe pankow zurückgezogen, und zwar noch tiefer hinein als vorher. anders ausgedrückt, ich habe mich aus dem „wichserberg“ verzogen, über den ich zwischenzeitlich den bezeichnenden ausdruck „pregnancy hill“ lernen konnte, und bin direkt nach pankow, mittemang, wie man hier sagt. statt auf kampfmuttis trifft man hier auf alte ossis, aber statt kleinkindern auch auf partyjugendliche im 20er grüppchen. im vergleich zum prenzlberg kann man pankow eigentlich treffend mit einem recht simplen wort beschreiben: normal. hier gibt es noch eine post mit freundlichen angestellten und jede menge geöffneten schaltern, einen bäcker und einen fleischer, ein alte-oma-cafe das hausmannskost serviert, ein jugendzentrum, einen wochenmarkt. für jemanden wie mich, dem eine häuserreihe von touri-hostels über pizza-pasta-thai-restaurants und ladenbüros nichts zu bieten haben, eine wahrlich willkommene rückkehr zur normalität. kein bullshit mehr.

nichts desto trotz weiß ich, dass mein neu gefundenes glück auch nicht unbedingt lange anzudauern braucht. die aufhübschung des sanierungsgebietes pankow-wollankstraße sollte nach plan inzwischen fertig sein (dauert also, da großbauprojekte ja nie rechtzeitig fertig werden, nur noch etwa zwei jahre), in zwei jahren wird der flughafen tegel zugemacht (da dann der großflughafen Willy BrandtJFK auf tschörmen sozusagen – vorraussichtlich fertig sein soll. hier gebe ich mal ein pufferjahr bis zur endgültigen fertigstellung). was das für pankow bedeutet? schön saniert sind die meisten häuser schon. aber dann sind auch die straßen neu gemacht, gas-wasser-scheiße-rohre wurden neu verlegt, hier und da eröffnet noch ein supermarkt..und mit dem fluglärm ists vorbei, es kehrt seelenruhe ein zwischen breite straße und majakowskiring. es ist die ruhe vor dem sturm. denn aus dem süden drücken sie schon und drängen, die prenzlberger familien, wo vati in der werbeagentur arbeitet, mutti nachmittags latte schlürfend mit dem kinderkarren den gehsteig blockiert und die lieben kleinen namen tragen, die nach tofusorten klingen. im prenzlberg wirds zu eng, irgendwann sind alle dachgeschosse zu loftwohnungen aufgewertet. der mauerpark wird zugebaut, die bedürfnisse aller nach frischem grün kann er sowieso schon lange nicht mehr befriedigen. wie die scheiße hoch ins klo werden die prenzlwichser dann nach pankow drücken, wo es schloss- und bürgerpark gibt, sowie noch jede menge frei- und reibeflächen, auf denen eigentumswohnungen entstehen können. es geht schon los, und pünktlich zur schließung von tegel sind wir fertig. gegenüber macht gleich eine neue schule auf, kindergärten gibts auch schon en masse. und bald wird auch hier das bild gerpägt von leuten, die sämtliche lebensmittel im biosupermarkt kaufen. und die scheiße dann trotzdem in fünf plastiktüten verteilt nach hause tragen, weil das „ich kaufe nur bio für mein kind, weils gesünder und besser für die umwelt ist“-bewusstsein nicht bis auf die andere seite der supermarktkasse gereicht hat.