Archiv für den Monat Mai 2010

werbephilosophieren II – nervigererererererererer

wenig finde ich im moment so penetrant wie den mit paypal-werbung vollgekleisterten bahnsteig der u2 am alexanderplatz. auf jedem hintergleisplakat, von jeder stützsäule sowie von diversen fußmatten schreit mich weiße schrift auf blauem grund an. dabei haben gefühlte 20 verschiedene werbesprüche immer die gleiche aussage: paypal ist sicherererer(erererer). dabei muss man erstmal so dreist/faul/die leute für so dumm haltend sein, dass man denkt, man kann auf jedem plakat den selben witz bringen – eben den mit den vielen er. paypal sei eben sicherererer heißt es. sicherer als was? sicherererer als der tüv steht auf einem werbeplakat. da kann man ja nur hoffen, dass damit nicht das tüv-siegel gemeint ist, dass zum beispiel dem portal schülervz hohe sicherheitsstandards bescheinigt. mit der sicherheit ist esdort nämlich nicht so weit her, wie wir diese woche erneut lernen mussten.

der gemeine internetsurfer kennt paypal wohl am ehesten als zahlungsmethode bei ebay. dort stellt paypal den anspruch, das geld der käufer treuhänderisch zu verwalten, bis dieser seinen artikel erhalten hat.es sei also so eine art schutz vor betrügerischen verkäufern, die verkaufte artikel nicht verschicken. ich will gar nicht leugnen, dass es sowas nicht gibt. für mich selbst muss ich aber sagen, dass sich dieses problem bisher noch nicht gestellt hat. ich kaufe und verkaufe bei ebay seit nunmehr über acht jahren mehr oder weniger regelmäßig. genervt bin ich bei ebay relativ häufig, aber nicht erhaltene ware war noch nie ein problem. eher hat man es mit leuten zu tun, die sachen ersteigern und dann nicht bezahlen. da kann auch paypal nicht vor schützen, und auch ebay selbst unternimmt nichts dagegen. es bleibt für mich als verkäufer nur eine möglichkeit, dagegen vorzugehen. ich muss bei ebay einen „fall öffnen“ und dann abwarten, ob das geld doch noch kommt. tut es das nicht, passiert nichts, außer dass ich die verkaufsprovision zurück bekomme. dann muss ich den artikel neu einstellen, ob ich ihn wieder verkaufe und wenn ja, für welchen betrag, ist unklar. bezahlt der käufer doch noch verspätet, kann ich ihn noch nicht mal als „neutral“ bewerten. ebay lässt für verkäufer nur die bewertungsmöglichkeit „positiv“ zu. wenns probleme gab, müssen die dann im bewertungstext in 80 zeichen dargelegt werden und das wars. deshalb kleiner tipp am rande: vorm kaufen immer schön die bewertungen lesen, auch wenn erstmal alle positiv erscheinen. der teufel steckt manchmal im detail.

wäre ich eine große handelskette, wäre es mir wohl egal, wieviel stress der käufer gemacht hat. für mich zählte nur der gewinn, und ich könnte hoffen, dass der käufer sich beim nächsten mal wieder für meinen laden entscheidet. als privathändler bei ebay sehe ich das aber etwas anderes. da will ich qualität statt quantität. ich möchte zufriedene kunden, die den wert meiner ware zu schätzen wissen und mit denen es angenehm ist, geschäfte zu machen. das ganze ist ein hobby, und ein solches sollte vor allem spass machen. oder anders gesagt: ich will geld für mein zeugs, und ich möchte, dass der käufer sich drüber freut. wenn das nicht klappt, kann ich nur den nickname aus meinem käuferkreis ausschließen. (wenn der käufer sich unter anderem namen neu anmeldet, beginnt das spiel von neuem.) das finde ich eher unsicher.paypals aggressive werbung (und wer sie in besagter räumlichkeit gesehen hat, versteht sicher, dass ich das aggressiv finde) macht mich da nur wütend.

sicher hat paypal auch gute seiten. man kann damit beispielsweise kostenfrei geld ins ausland überweisen, auch in länder, die nicht zur eurozone gehören. das ist praktisch, wenn man mal bei ebay.co.uk oder ebay.com einkauft. oder für leute aus dem ausland, die bei deutschen händlern einkaufen. innerhalb deutschlands ist eine überweisung besser, den mit paypal entstehen dem empfänger der zahlung (also dem ebay-verkäufer) unnötige kosten – dei man mit einer einfachen überweisung vermeiden kann. umso schlimmer, das ebay mitglieder, die weniger als 50 bewertungen haben, zwingt, paypal als zahlungsmethode anzugeben. angeblich geschieht das eben aus dem grund, um den sich der irre supersupersuperlativ der werbung dreht – es sei sicherer. aber der wirkliche grund dafür wird klar, wenn man weiß, dass die firma paypal ebay gehört: ebay versucht anscheinend so, nicht nur an den verkaufsprovisionen, sondern auch noch an der zahlung zu verdienen. fehlt nur noch, dass ebay ein eigenes logistikunternehmen gründet und seine verkäufer zwingen will, darüber die ware zu verschicken. daher mein zweiter tipp für neue ebay-mitglieder: erstmal schön fünfzig sachen kaufen und dann mit dem verkaufen anfangen, dann muss man paypal nicht mehr als zahlungsmethode angeben.

das alles geht mir durch den kopf, wenn ich auf meine bahn warte. deshalb steht mein lange gefasster entschluss so fest wie noch nie: ich werde mich nicht bei paypal anmelden. you’re not my pal, eh!

UPDATE: hier gibts Fotos!