werbephilosophieren II – nervigererererererererer

wenig finde ich im moment so penetrant wie den mit paypal-werbung vollgekleisterten bahnsteig der u2 am alexanderplatz. auf jedem hintergleisplakat, von jeder stützsäule sowie von diversen fußmatten schreit mich weiße schrift auf blauem grund an. dabei haben gefühlte 20 verschiedene werbesprüche immer die gleiche aussage: paypal ist sicherererer(erererer). dabei muss man erstmal so dreist/faul/die leute für so dumm haltend sein, dass man denkt, man kann auf jedem plakat den selben witz bringen – eben den mit den vielen er. paypal sei eben sicherererer heißt es. sicherer als was? sicherererer als der tüv steht auf einem werbeplakat. da kann man ja nur hoffen, dass damit nicht das tüv-siegel gemeint ist, dass zum beispiel dem portal schülervz hohe sicherheitsstandards bescheinigt. mit der sicherheit ist esdort nämlich nicht so weit her, wie wir diese woche erneut lernen mussten.

der gemeine internetsurfer kennt paypal wohl am ehesten als zahlungsmethode bei ebay. dort stellt paypal den anspruch, das geld der käufer treuhänderisch zu verwalten, bis dieser seinen artikel erhalten hat.es sei also so eine art schutz vor betrügerischen verkäufern, die verkaufte artikel nicht verschicken. ich will gar nicht leugnen, dass es sowas nicht gibt. für mich selbst muss ich aber sagen, dass sich dieses problem bisher noch nicht gestellt hat. ich kaufe und verkaufe bei ebay seit nunmehr über acht jahren mehr oder weniger regelmäßig. genervt bin ich bei ebay relativ häufig, aber nicht erhaltene ware war noch nie ein problem. eher hat man es mit leuten zu tun, die sachen ersteigern und dann nicht bezahlen. da kann auch paypal nicht vor schützen, und auch ebay selbst unternimmt nichts dagegen. es bleibt für mich als verkäufer nur eine möglichkeit, dagegen vorzugehen. ich muss bei ebay einen „fall öffnen“ und dann abwarten, ob das geld doch noch kommt. tut es das nicht, passiert nichts, außer dass ich die verkaufsprovision zurück bekomme. dann muss ich den artikel neu einstellen, ob ich ihn wieder verkaufe und wenn ja, für welchen betrag, ist unklar. bezahlt der käufer doch noch verspätet, kann ich ihn noch nicht mal als „neutral“ bewerten. ebay lässt für verkäufer nur die bewertungsmöglichkeit „positiv“ zu. wenns probleme gab, müssen die dann im bewertungstext in 80 zeichen dargelegt werden und das wars. deshalb kleiner tipp am rande: vorm kaufen immer schön die bewertungen lesen, auch wenn erstmal alle positiv erscheinen. der teufel steckt manchmal im detail.

wäre ich eine große handelskette, wäre es mir wohl egal, wieviel stress der käufer gemacht hat. für mich zählte nur der gewinn, und ich könnte hoffen, dass der käufer sich beim nächsten mal wieder für meinen laden entscheidet. als privathändler bei ebay sehe ich das aber etwas anderes. da will ich qualität statt quantität. ich möchte zufriedene kunden, die den wert meiner ware zu schätzen wissen und mit denen es angenehm ist, geschäfte zu machen. das ganze ist ein hobby, und ein solches sollte vor allem spass machen. oder anders gesagt: ich will geld für mein zeugs, und ich möchte, dass der käufer sich drüber freut. wenn das nicht klappt, kann ich nur den nickname aus meinem käuferkreis ausschließen. (wenn der käufer sich unter anderem namen neu anmeldet, beginnt das spiel von neuem.) das finde ich eher unsicher.paypals aggressive werbung (und wer sie in besagter räumlichkeit gesehen hat, versteht sicher, dass ich das aggressiv finde) macht mich da nur wütend.

sicher hat paypal auch gute seiten. man kann damit beispielsweise kostenfrei geld ins ausland überweisen, auch in länder, die nicht zur eurozone gehören. das ist praktisch, wenn man mal bei ebay.co.uk oder ebay.com einkauft. oder für leute aus dem ausland, die bei deutschen händlern einkaufen. innerhalb deutschlands ist eine überweisung besser, den mit paypal entstehen dem empfänger der zahlung (also dem ebay-verkäufer) unnötige kosten – dei man mit einer einfachen überweisung vermeiden kann. umso schlimmer, das ebay mitglieder, die weniger als 50 bewertungen haben, zwingt, paypal als zahlungsmethode anzugeben. angeblich geschieht das eben aus dem grund, um den sich der irre supersupersuperlativ der werbung dreht – es sei sicherer. aber der wirkliche grund dafür wird klar, wenn man weiß, dass die firma paypal ebay gehört: ebay versucht anscheinend so, nicht nur an den verkaufsprovisionen, sondern auch noch an der zahlung zu verdienen. fehlt nur noch, dass ebay ein eigenes logistikunternehmen gründet und seine verkäufer zwingen will, darüber die ware zu verschicken. daher mein zweiter tipp für neue ebay-mitglieder: erstmal schön fünfzig sachen kaufen und dann mit dem verkaufen anfangen, dann muss man paypal nicht mehr als zahlungsmethode angeben.

das alles geht mir durch den kopf, wenn ich auf meine bahn warte. deshalb steht mein lange gefasster entschluss so fest wie noch nie: ich werde mich nicht bei paypal anmelden. you’re not my pal, eh!

UPDATE: hier gibts Fotos!

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Veröffentlicht am 8. Mai. 2010 in Nicht kategorisiert und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Hi, habe dieses Blog bei google gefunden nach dem ich nach paypal aggressive werbung gesucht habe. Genau diese Säulen und Plakate sind mir unangenehm aufgefallen. Ich musste in Berlin fast kotzen als ich durch die unterwelt gelaufen bin. Hier PayPal, dort PayPal. Wir sind ja sooo sicherer. Dabei frieren diese Leute von Paypal doch gern mal Kundenkonten ein. Früher als ich davon per gerücht gehört hatte, habe ich dem nicht viel glauben geschenkt. Mittlerweile ist das aber Wikileaks schon zum zweiten mal passiert. Damit verdient Paypal von mir keine Glaubwürdigkeit mehr!!!

    @SchülerVZ

    Ich sehe schon kommen, wie einzelne Datenschützer morgen DRM-Plugin für den Webbrowser fordern, damit die persönliche Daten geschützt werden können. dann kann man auf die Daten nicht mehr direkt zugreifen, es sei denn die drm-software hat fehler… Oder man digitalisiert die Buchstaben vom Bildschirm direkt und heizt es erst dann in die Datenbank. die maus lässt man dann per mikrokontroller steuern…

    Okay, so schlimm wäre DRM in diesem Fall nicht, sondern sogar eher sinnvoll. Allerdings wäre es in die falsche Richtung richtungsweisend.

    Vielleicht ist meine Befürchtung unbegründet. Aber ich sehe eben, dass immer häufiger der Datenschutz zu Lasten der Freiheit des Internets instrumentalisiert wird.

    Deutlich wird das beim Beispiel Google: Datenkrake hoch 10 und die Datenschützer jammern. Zu Recht. Ich jammere ja auch. Leider bin ich inkonksequent und nutze trotzdem Google. Der Punkt ist aber, das nun die Datenschützer hergehen und höhere Datenschutzmaßnahmen für google und andere Firmen fordern. oder mehr Datenschutz für Facebook. Und ich frage mich so: geht es euch um den Datenschutz?

    Wenn ich eine Webseite habe, die personenbezogene Daten verarbeitet und auf einmal passiert etwas, obwohl ich alles getan habe um ein Datenleck zu verhindern, dann habe ich ein ernstes Problem, wenn mich nun der Staat hart bestrafen würde.

    Ich werde mir überlegen, meine Webserver über ein VPN mit dem Internet zu verbinden… Aber will ich diesen Aufwand? Nur damit ich in Ruhe gelassen werde, damit meine 10-20 Leute diesen Service nutzen können?

  2. Tut mir leid, ich merke gerade, dass ich auf dein Kommentar noch gar nicht geantwortet habe. Tja, das mit dem großen Aufwand für eine kleine Website ist schon schwierig. Wenn ich mir überlege, wie wenig Leute diesen Blog lesen..
    aber es stimmt schon, dann kommt einer und macht Mist, und plötzlich hast du den Salat! Das ist ja nicht nur mit Websites so, es gibt ja auch Bestrebungen, Websitenbetreiber für die Kommentare haften zu lassen, außerdem muss man sein W-Lan aktiv vor Zugriff Fremder schützen. Wenn man kein technisches Verständnis hat, und nicht weiß wie das funktionieren soll, hat man ein Problem.

    ich weiß leider nicht, ob es eine gute Alternative zu Paypal gibt. Anscheinend nicht. Bisher habe ich es halt nicht gebraucht und bin nciht angemeldet. Aber dafür nutze ich halt andere Dienste, die auch meine Daten sammeln.

    Wie heißt diese Theorie über technische und soziale Entwicklung: Ist der breaking point erstmal erreicht, gibt es für die Menschheit kein zurück. Wir können ja nicht mehr ohne Internet leben!

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