Wo und wie kann man eigentlich Politik machen?

In Stuttgart sehen wir gerade, wie eine große Anzahl Menschen demonstriert gegen ein Projekt, dass laut seiner Befürworter demokratisch abgesegnet ist und das daher jeder Protestgrundlage entbehrt, meint Bahn-Chef Rüdiger Grube. Was parlamentarisch beschlossen sei, dagegen dürfe nicht mehr protestiert werden.  Die „Abstimmung zu Fuss“ hätte weniger Rang als die im Parlament. Und Demokratie wird von den Politikern  gemacht, nicht vom Volk.

Antje Schrupp nimmt den Streit zum Anlass, nach Luisa Muraro Politik als „die Suche nach Konfliktlösungen“ zu definieren und stellt die Frage, wo im Fall Stuttgart 21 eigentlich nach Lösungen des Konfliktes gesucht wird.

Das hat mich inspiriert, darauf mal ein Antwort zu geben, die sich von Stuttgart 21 abhebt, und politisches Engagement in unserer Gesellschaft generell zu verorten versucht.

Hier steht, was ich ihr im Kommentar geantwortet habe:

Das ist eine gute Frage, wo die Politik in unserer Gesellschaft stattfindet, wo Lösungen für Konflikte gesucht und diskutiert werden.

Man könnte ja mal ein kleines Brainstorming machen: Wo meint ihr, oder wo wisst ihr, dass sich Leute politisch engagieren? In meinem Bekanntenkreis fällt mir dazu folgendes ein: Sie treten Vereinen bei, arbeiten ehrenamtlich, z.B. in NGOs, unterstützen finanziell Interessengruppen wie greenpeace, foodwatch etc. Oder sie gehen demonstrieren, wie momentan in Stuttgart. Das sind alles Bereiche, in denen politische Arbeit stattfindet. Es ist allerdings meines Erachtens nach verwunderlich, dass ein großer Bereich fehlt, an den jeder doch mit als Erstes denken müsste: politische Arbeit in einer PARTEI.

Mit anderen Worten, politisches Engagement von Hinz und Kunz findet überall statt, nur nicht so sehr da, wo sie m.E. nach hingehört: in der Politik.

In den Medien wird oft „Politikverdrossenheit“ als ein Grundproplem unserer Gesellschaft beschworen, es wurde aber schon öfter festgestellt, dass es sich dabei wohl eher um „Parteiverdrossenheit“ handelt.

Und ich persönlich würde jetzt den Schluss daraus ziehen, dass es schade ist, dass die Politik also laut Muraro „woanders“ hingegangen ist. Die Leute sollten sich darauf besinnen, die Politik wieder dahin zu tragen, wo ihr Hauptaktionsfeld ist: in den Parteien, und sei es nur im örtlichen Kreisverband (immerhin geht es bei Stuttgart 21 eigentlich um ein regionales Anliegen).

Vielleicht kann man so jetz schon Beschlossenes nicht mehr stoppen, aber man stelle sich mal vor, die 50.000 Leute, die am Freitag gegen Stuttgart 21 protestiert haben, würden sich Parteien anschließen und dort Politik in ihrem Sinne machen. Würde das nicht viel mehr bringen, als die Politik an den Küchentisch, auf einen Überweisungsträger oder in eine Interessengruppe zu tragen?

Vielleicht hat auch hier jemand was dazu zu sagen, könnte zum Beispiel erklären, warum er eine Interessengruppe unterstützt, oder kennt sich damit aus, was politische Arbeit im Bezirk bringen kann etc.?

Advertisements

Veröffentlicht am 3. Oktober. 2010 in Nicht kategorisiert und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: