Strike!

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

 

Na gut, es passt nicht so ganz in die Kategorie „bescheuerte Begründungen“. Trotzdem gibt es da was, was ich oft in den Nachrichten höre und was mich tierisch nervt. Jedesmal, wenn irgendwo groß angekündigt gestreikt wird, kriegt man einen Bericht, in dem jemand, der vom Streik betroffen ist, sich darüber moniert, dass er darunter leiden muss. Zuletzt gesehen gestern im Nachtjournal der ARD, wo eine junge Mutter sich darüber beschwerte, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren, wenn die Kitas streiken, und vor kurzem in der Abendschau des RBB, wo jemand schlauerweise sinngemäß feststellte: „Doof, wenn die BVG streikt, dann kann man ja nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“

Liebe Nachrichtenredakteure, die solche Beiträge machen, und liebe Leute, die sich über die Konsequenzen von Streiks aufregen: Genau deswegen streiken die Arbeiter doch! Das ist doch der Kernsinn und -zweck eines jeden Streiks: Das der Bürger merkt, wie wichtig die Arbeit der Ärzte, Kinderbetreuer, Busfahrer, Müllmänner ist – so wichtig , dass sie dafür mehr Geld verlangen, denn ohne deren Arbeit könnt ihr nicht behandelt werden, eure Kinder nicht versorgt und ihr nicht befördert werden. Würdet ihr bitte damit aufhören, euch darüber zu entrüsten. Diese Streik-ist-kacke oder Die-sollen-ja-streiken-aber-nicht-auf-meine-Kosten Attitüde ist einfach nur daneben.

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Veröffentlicht am 22. März. 2012 in bescheuerte begründungen und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Naja.
    Meine Attitüde geht ja eher in die Richtung „Streik ist generell verwerflich, deswegen sollen die bitte auf niemandes Kosten streiken, es sei denn, sie haben das vorher mit ihren Arbeitgebern so vereinbart oder sind selbstständig, aber ich bin nicht sicher, ob man es dann überhaupt noch ‚Streik‘ nennen sollte“.
    Ist das auch daneben?

  2. Naja, ich weiß nicht wie Streik nach Vereinbarung mit dem Arbeitgeber möglich sein soll. Kaum ein Arbeitsgeber wird wohl „Ja“ sagen, wenn seine Angestellten fragen, ob er ihnen die Erlaubnis gibt, für mehr Bezahlung zu streiken. Bei Selbstständigen fallen mir grad nur freie Journalisten ein, die sind ja manchmal auch gewerkschaftlich organisiert und könnten zum Beispiel gegen Total-Buyout-Verträge streiken.
    Generell ist Streik halt ein historisch oft gebrachtes Mittel, seinen Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen, und als solches hat es durchaus seine Berechtigung, finde ich. Leider fallen mir gerade keine guten Beispiele ein, wo Streik in der Geschichte richtig erfolgreich war. Mir kommen eher Demonstrationen in den Sinn, zum Beispiel beim Kampf der Schwarzen gegen die Rassentrennung in den USA, bei der Wiedervereinigung Deutschlands oder auch beim Strangeways Prison Riot, wo in den 80ern die Insassen des Strangeways-Gefängnisses in Manchester gegen ihre schlechten Haftbedingungen protestierten und ein Umbau des Gefängnisses erreicht wurde. Aber der Kerngedanke ist ja der Gleiche, jemand ist mit seiner Situation unzufrieden und versucht, über das Herstellen von Aufmerksamkeit eine Verbesserung zu erlangen. Und daran kann nicht viel falsch sein, oder?

    • Naja, ich weiß nicht wie Streik nach Vereinbarung mit dem Arbeitgeber möglich sein soll. Kaum ein Arbeitsgeber wird wohl “Ja” sagen, wenn seine Angestellten fragen, ob er ihnen die Erlaubnis gibt, für mehr Bezahlung zu streiken.

      Naja, wenn mich jemand nicht freiwillig aus der Verpflichtung eines geschlossenen Vertrages entlässt, ist das keine Rechtfertigung, die Verpflichtung einfach zu ignorieren.

      Und daran kann nicht viel falsch sein, oder?

      Doch, schon, wenn man sich dabei unethischer Mittel bedient. Und der Verstoß gegen eine verbindliche Vereinbarung ist für mich zunächst mal unethisch.

  3. Was meinst du denn mit Verpflichtung/verbindlicher Vereinbarung? Worauf beziehst du dich da?

  4. Sorry, das ist ein bißchen undifferenziert. In unserer Gesellschaft ist ein Streik, so lange er rechtmäßig ist, erlaubt, das Recht auf Streik steht sogar im Grundgesetz. Wann ein Streik rechtmäßig ist, steht hier: http://www.rechtslexikon-online.de/Streik.html
    Dort steht auch „Für die Dauer der Streikteilnahme ist der Arbeitnehmer nicht zur Arbeitsleistung, der Arbeitgeber nicht zur Beschäftigung und zur Entgeltzahlung verpflichtet.“
    Es verstößt also in einem rechtmäßigen Streik niemand gegen eine verbindliche Vereinbarung. Damit wäre nach deiner Logik auch keine unethische Handlung gegeben.

    Mal ganz davon abgesehen halte ich die Aussage „Man darf nicht machen was verboten ist“ nicht für argumentativ wertvoll. Sorry, aber wenn immer alle nur machen was ihnen erlaubt wurde (ich rede nicht von strafrechtlich relevanten Handlungen, sondern moralischen), dann würden wir heute menschenrechtlich wahrscheinlich noch im tiefsten Mittelalter leben.

    • Ethik und positives Recht sind für mich zwei verschiedene Sachen. Für dich doch offenbar auch, deshalb ist mir leider nicht ganz klar, wo wir uns missverstanden haben.
      Was in Gesetzen und Grundgesetz steht ist für mich nicht direkt maßgeblich für die Frage, was ich im Verhältnis zwischen zwei Menschen für richtig und falsch halte.
      Ich habe auch das Recht, meine Freundin zu betrügen und mit anderen geschlechtlich zu verkehren. Und kein Gesetz verbietet mir, jemandem zu versprechen, dass ich ihm bei seinem Umzug helfe, und dann einfach nicht aufzutauchen. Ethisch verwerflich ist das wohl trotzdem in den meisten Fällen.

      Mal ganz davon abgesehen halte ich die Aussage “Man darf nicht machen was verboten ist” nicht für argumentativ wertvoll

      Sehe ich genauso. Wer sagt denn solchen Blödsinn?

  5. Das bezog sich darauf, dass du geschrieben hast, dass man beim Streiken eine vertragliche Vereinbarung bricht. Was man ja, wie ich gezeigt habe, nicht unbedingt tut.

    Generell bist du wohl einfach gegen Streiks und ich dafür. Nur mit unseren Argumenten haben wir wohl ein bißchen aneinander vorbei geredet. Macht ja nix.

    • Was man ja, wie ich gezeigt habe, nicht unbedingt tut.

      Naja. Ich würde eher sagen, dass es in Deutschland legal ist, eine vertragliche Vereinbarung auf diese Weise zu brechen. Aber so oder so verstehe ich jedenfalls, was du meinst.

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