Archiv für den Monat November 2013

Verlinken und Andere schreiben lassen V: Wenn, dann diesen einen NSA-Beitrag

Der Bruder vom Mitbewohner vom besten Kumpel - und schon kennst du ganz Berlin

Der Bruder von der Mitbewohnerin vom besten Kumpel – und schon kennst du ganz Berlin

Für alle, die heute abend keinen Tatort gucken und sich lieber bilden wollen; für alle, die das Gefühl haben, man könne eigentlich gar nicht wirklich verstehen, worum es beim NSA-Skandal alles geht; für alle, die sich mal beeindrucken lassen wollen, wie politisch brisante Inhalte richtig geil journalistisch aufbereitet werden können – wenn man The Guardian ist und nicht, ach, mir fällt überhaupt kein gutes deutsches Pendant zum Guardian ein; für alle, die nach dem Tatort noch ne halbe Stunde Zeit für die Realität haben; für alle, für die dieser mein Text zu konfus ist und die lieber was Ordentliches lesen wollen:

Der Guardian hat ein Dossier über die Thematik der globalen Internetüberwachung ins Netz gestellt: NSA Files decoded: What the revelations mean for you

Freilich besteht die Interaktivität letztendlich „nur“ darin, dass Texte von kurzen Videosequenzen und hübschen Grafiken mit Anklick-Feldern abgelöst werden, aber sagt das mal deutschen Nachrichtenportalen, denen nur einfällt, mit Foto-Strecken Klicks generieren zu wollen… aber andererseits ist es natürlich auch was für alle, die mal wissen möchten, mit wievielen Leuten sie eigentlich über Facebook mit nur zwei Klicks in Kontakt kommen können.

Unbedingte Leseempfehlung!

(via)

Neulich im Schwimmbad: Eine Verschwörungstheorie

aus der Kategorie „Bescheuerte Begründungen“:

Foto von Claus Moser unter by-nc-sa 2.0 auf flickr.com

Foto von Claus Moser unter by-nc-sa 2.0 auf flickr.com

Ich habe ein neues Hobby: Ich gehe schwimmen. Fest vorgenommen habe ich mir, 2x in der Woche abends in die Schwimmhalle zu fahren und eine Stunde lang meine Bahnen zu ziehen. Extra zu dem Zwecke habe ich mir neue, gutsitzende Badebekleidung gekauft. Man will ja nicht aus dem Becken steigen und feststellen, dass irgendwo ein Stück Stoff verrutscht ist und „Hallo!“, diverse Geschlechtsmerkmale die Mitschwimmer grüßen. Reicht schon, dass es Usus ist, sich hinterher unter der Dusche nackig zu machen.

Der Abend eignet sich gewissermaßen perfekt dafür. Ich könnte auch ab fünf ins Bad gehen. Ich gehe aber lieber ab 20 Uhr zum ermäßigten Preis in die Schwimmhalle, denn das Geld ist knapp. Dann bin ich gegen zehn wieder zu Hause. Wollig warm, frisch geduscht und müde gehts ins Bett und morgens bin ich richtig fit, wenn der Wecker klingelt.

Es ist ein sehr neues Hobby. Ich habe es erst seit drei Tagen. Seitdem ich es das erste Mal so gemacht habe. Ich fands toll und hab mir fest vorgenommen dranzubleiben.

Das Timing könnte nicht schlechter sein. Die Berliner Bädebetriebe stellen ihr Preismodell um. Abends schwimmen, oder morgens, wird jetzt teurer, dafür soll tagsüber schwimmen billliger werden. Das Abstruse ist die Begründung: Man habe festgestellt, dass Morgens und Abends mehr los sei, daher wolle man die Preise anpassen.

Mehr Leute im Schwimmbad = Mehr Kohle zu machen.

Ich kanns mir richtig vorstellen, wie da einer über den Besucherstatistiken gehockt hat und WHAM, kam der Geistesblitz: „Hey Leute, ab 20 Uhr sind viel mehr Menschen im Schwimmbad als sonst. Lasst es und da teurer machen, und vorher billiger!“

Und kein Wort davon, nirgends, ob die Tatsache, dass die Leute ab 20 Uhr ins Schwimmbad gehen, daran liegen könnte, dass es da billiger ist als vorher? (So wie ich das tue)

Ich bin weit davon entfernt mich als das Maß aller Dinge zu sehen. Aber mal ehrlich, kommt keiner bei den Bäderbetrieben auf den Gedanken, dass es nach Änderung der Preise dazu kommt, dass die Bäder abends leer sind, und die Leute tagsüber Schwimmen gehen? Sind die wirklich so dumm?

Vielleicht nicht, die wollen nur, dass wir denken sie wärens! Vielleicht sind die in Wirklichkeit auch ganz schlau!

Eine Verschwörungstheorie tut sich vor mir auf: Die Leute gehen tagsüber Schwimmen. Die Bäderbetriebe stellen fest, dass die Schwimmhallen (viele sind im Moment bis 10 Uhr geöffnet) ab acht Uhr abends leer sind. Super Argument, dann zu schließen. Gleiches Morgens. Warum ab 8 öffnen, wenn die Leute erst ab 10 Uhr kommen? Morgens zwei Stunden später auf, abends zwei Stunden eher zu. So schnell erreicht man 4 Stunden weniger Bäderbetrieb am Tag, der finanziert werden muss. Und tagsüber sind die Bäder voll mit Leuten. Die gleichzeitig mit Schulklassen schwimmen müssen. Und während am anderen Ende des Beckens Aqua-Fitness gemacht wird. Den man will ja konkurrenzfähig sein zur Privatwirtschaft. Nur das die Privatwirtschaft, in diesem Falle die Fitnessstudios, teilweise die ganze Nacht geöffnet haben. Während die Bäder ihre Öffnungszeiten, und damit ihren Service, einschränken werden statt auszubauen. Und so haben wir noch eine öffentlich geförderte Einrichtung, die kaputt gespart wird. Wie Bibliotheken, Jugendzentren und Co.

Wird nach dem Randspringen nun bald auch das Randschwimmen verboten? Zugegeben, es mag nur eine kleine Verschwörungstheorie sein. Aber die Begründung für die Preisanpassung ist doch nunmal auch echt bescheuert!