Archiv der Kategorie: bescheuerte begründungen

Wenn Leute Schwachsinn reden

Neulich im Schwimmbad: Eine Verschwörungstheorie

aus der Kategorie „Bescheuerte Begründungen“:

Foto von Claus Moser unter by-nc-sa 2.0 auf flickr.com

Foto von Claus Moser unter by-nc-sa 2.0 auf flickr.com

Ich habe ein neues Hobby: Ich gehe schwimmen. Fest vorgenommen habe ich mir, 2x in der Woche abends in die Schwimmhalle zu fahren und eine Stunde lang meine Bahnen zu ziehen. Extra zu dem Zwecke habe ich mir neue, gutsitzende Badebekleidung gekauft. Man will ja nicht aus dem Becken steigen und feststellen, dass irgendwo ein Stück Stoff verrutscht ist und „Hallo!“, diverse Geschlechtsmerkmale die Mitschwimmer grüßen. Reicht schon, dass es Usus ist, sich hinterher unter der Dusche nackig zu machen.

Der Abend eignet sich gewissermaßen perfekt dafür. Ich könnte auch ab fünf ins Bad gehen. Ich gehe aber lieber ab 20 Uhr zum ermäßigten Preis in die Schwimmhalle, denn das Geld ist knapp. Dann bin ich gegen zehn wieder zu Hause. Wollig warm, frisch geduscht und müde gehts ins Bett und morgens bin ich richtig fit, wenn der Wecker klingelt.

Es ist ein sehr neues Hobby. Ich habe es erst seit drei Tagen. Seitdem ich es das erste Mal so gemacht habe. Ich fands toll und hab mir fest vorgenommen dranzubleiben.

Das Timing könnte nicht schlechter sein. Die Berliner Bädebetriebe stellen ihr Preismodell um. Abends schwimmen, oder morgens, wird jetzt teurer, dafür soll tagsüber schwimmen billliger werden. Das Abstruse ist die Begründung: Man habe festgestellt, dass Morgens und Abends mehr los sei, daher wolle man die Preise anpassen.

Mehr Leute im Schwimmbad = Mehr Kohle zu machen.

Ich kanns mir richtig vorstellen, wie da einer über den Besucherstatistiken gehockt hat und WHAM, kam der Geistesblitz: „Hey Leute, ab 20 Uhr sind viel mehr Menschen im Schwimmbad als sonst. Lasst es und da teurer machen, und vorher billiger!“

Und kein Wort davon, nirgends, ob die Tatsache, dass die Leute ab 20 Uhr ins Schwimmbad gehen, daran liegen könnte, dass es da billiger ist als vorher? (So wie ich das tue)

Ich bin weit davon entfernt mich als das Maß aller Dinge zu sehen. Aber mal ehrlich, kommt keiner bei den Bäderbetrieben auf den Gedanken, dass es nach Änderung der Preise dazu kommt, dass die Bäder abends leer sind, und die Leute tagsüber Schwimmen gehen? Sind die wirklich so dumm?

Vielleicht nicht, die wollen nur, dass wir denken sie wärens! Vielleicht sind die in Wirklichkeit auch ganz schlau!

Eine Verschwörungstheorie tut sich vor mir auf: Die Leute gehen tagsüber Schwimmen. Die Bäderbetriebe stellen fest, dass die Schwimmhallen (viele sind im Moment bis 10 Uhr geöffnet) ab acht Uhr abends leer sind. Super Argument, dann zu schließen. Gleiches Morgens. Warum ab 8 öffnen, wenn die Leute erst ab 10 Uhr kommen? Morgens zwei Stunden später auf, abends zwei Stunden eher zu. So schnell erreicht man 4 Stunden weniger Bäderbetrieb am Tag, der finanziert werden muss. Und tagsüber sind die Bäder voll mit Leuten. Die gleichzeitig mit Schulklassen schwimmen müssen. Und während am anderen Ende des Beckens Aqua-Fitness gemacht wird. Den man will ja konkurrenzfähig sein zur Privatwirtschaft. Nur das die Privatwirtschaft, in diesem Falle die Fitnessstudios, teilweise die ganze Nacht geöffnet haben. Während die Bäder ihre Öffnungszeiten, und damit ihren Service, einschränken werden statt auszubauen. Und so haben wir noch eine öffentlich geförderte Einrichtung, die kaputt gespart wird. Wie Bibliotheken, Jugendzentren und Co.

Wird nach dem Randspringen nun bald auch das Randschwimmen verboten? Zugegeben, es mag nur eine kleine Verschwörungstheorie sein. Aber die Begründung für die Preisanpassung ist doch nunmal auch echt bescheuert!

Advertisements

Strike!

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

 

Na gut, es passt nicht so ganz in die Kategorie „bescheuerte Begründungen“. Trotzdem gibt es da was, was ich oft in den Nachrichten höre und was mich tierisch nervt. Jedesmal, wenn irgendwo groß angekündigt gestreikt wird, kriegt man einen Bericht, in dem jemand, der vom Streik betroffen ist, sich darüber moniert, dass er darunter leiden muss. Zuletzt gesehen gestern im Nachtjournal der ARD, wo eine junge Mutter sich darüber beschwerte, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren, wenn die Kitas streiken, und vor kurzem in der Abendschau des RBB, wo jemand schlauerweise sinngemäß feststellte: „Doof, wenn die BVG streikt, dann kann man ja nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“

Liebe Nachrichtenredakteure, die solche Beiträge machen, und liebe Leute, die sich über die Konsequenzen von Streiks aufregen: Genau deswegen streiken die Arbeiter doch! Das ist doch der Kernsinn und -zweck eines jeden Streiks: Das der Bürger merkt, wie wichtig die Arbeit der Ärzte, Kinderbetreuer, Busfahrer, Müllmänner ist – so wichtig , dass sie dafür mehr Geld verlangen, denn ohne deren Arbeit könnt ihr nicht behandelt werden, eure Kinder nicht versorgt und ihr nicht befördert werden. Würdet ihr bitte damit aufhören, euch darüber zu entrüsten. Diese Streik-ist-kacke oder Die-sollen-ja-streiken-aber-nicht-auf-meine-Kosten Attitüde ist einfach nur daneben.

Word up, God!

aus der Kategorie „bescheuerte Begründungen“:

sagt John Shimkus, republikanisches Mitglied des House Committee on Energy and Commerce, des Komitees für Energie und Handel des U.S. Congress, als Begründung dafür, dass wir uns wegen dem Klimawandel keine Sorgen machen bräuchten:

„Mit der Erde wird es erst zu Ende sein, wenn Gott ihre Zeit für gekommen hält. Die Menschheit wird diese Erde nicht zerstören. Diese Erde wird nicht von einer Flut zerstört werden. Ich glaube daran, dass Gottes Wort unfehlbar, unveränderlich und perfekt ist!“

und bewirbt seine Kandidatur für den Vorsitz in eben diesem Komitee mit folgendem Satz:

„In einer Gruppe begabter Mitbewerber um die Führung des Committee on Energy and Commerce bin ich in besonderem Maße qualifiziert.“

man fragt sich, ob diese Qualifikation in dem Zitieren einschlägiger Bibelstellen besteht, und warum dies das im Komittee nötige Fachwissen sein soll!

because you’re unforgiven too

„weil  man auch dir nicht vergibt“

(aus: the unforgiven)


aus der kategorie bescheuerte begründungen:

sagt james hetfield, sänger der metalband metallica, auf die frage, wie er denn finde, dass die musik seiner band zum foltern der gefangenen in guantanamo eingesetzt wird:

„Wir haben unsere Eltern, unsere Ehefrauen, die Menschen, die wir lieben, schon immer mit dieser Musik bestraft. Warum sollte es den Irakern anders gehen?“, sagte er. „Ein Teil von mir ist sogar stolz. Hey, sie haben Metallica ausgewählt!“

Man bemerke die bezeichung „die iraker“ für die insassen des gefängnis auf guantanamo bay und frage sich, ob hetfield trotz seines stolzes auch in diesem fall wert darauf gelegt hat, dass die folterknechte auch ordnungsgemäß seine lizenzgebühren abgerechnet haben..

und wie passt eigentlich diese, in bezug auf den rechtstreit mit napster bezogene, aussage des schlagzeugers von metallica, lars ullrich, dazu?

„Es kränkt uns zu wissen das unser Gut mehr wie eine Massenware und weniger als die Kunst die es eigentlich ist, behandelt wird…“

kann man etwa hoffen, dass die zwei wenigsten beim thema folter nicht derselben meinung sind?

ich sehe was was du nicht siehst

aus der kategorie „bescheuerte begründungen“:

sagt der pächter des strandbads tegel (leider kein o-ton), nachdem er einen besucher im die ärtzte t-shirt rauswarf:

„Genauso wie er „Extremisten“ vom Bad fernhalten wolle, möchte er auch keine Pädophilen als Gäste begrüßen – deswegen verbiete er, dass Kinder nackt herumliefen.“

was will uns der gute mann damit sagen? wer was gegen nazis hat, der missbraucht auch kleine kinder?

update: man könnte auch sagen: wahnsinn, der mann hats raus! das ursula von der leyen da nicht drauf gekommen ist…

wer möchte mitzählen, auf viele andere art und weisen diese aussage noch falsch ist?

melancholie unter palmen

aus der kategorie „bescheuerte begründungen“:

sagt die reporterin, die jahrelang bei der bild gearbeitet hat:

„Ich wurde oft raus geschickt, um eine Geschichte zu recherchieren, wo ich dachte: „Das ist furchtbar, das dürfte ich jetzt eigentlich nicht machen.“ Aber anschließend durfte ich dann wieder nach Hawaii fliegen oder eine Woche lang auf Rhodos recherchieren. Es gab also immer wieder auch die netten Seiten.“

jaja, was kann schon der pressecodex und das eigene gewissen gegen palmenstrand und sonnenschein?