Parken Sie hier! Gekonnte Parkzonenerweiterung im Prenzlberg – mit Poll

Parken Sie hier! Die Schilder der erweiteren Parkraumbewirtschaftungszone Prenzlauer Berg sind schon fertig.

 

Es ist schon verhext! Da war tatsächlich jemand im Bezirk Pankow clever genug zu merken, dass der 1. April keine gute Deadline für die Parkzonenerweiterung im Prenzlberg ist. Mit einem echten Anpacker-Ansatz wurde daher der 2. April zum Tag, ab dem Autoparker in einem noch umfassenderen Bereich des Stadtteils einen Parkschein erwerben müssen. Wer im jetzigen Parkzonenbereich unterwegs ist, weiß auch, dass der Parkschein alternativlos ist: Kontrolliert wird nämlich sehr fleißig – mit Knöllchen lässt sich wohl Geld verdienen.

Und trotz der praktischen Verschiebung des Termins wirkt die derzeitige Vorbereitung der Erweiterung wie ein Aprilscherz, wie in der Prenzlberger Stimme aufgezeigt wird: Die Schilder sind rechtzeitig fertig, aber ihre Fundamente nicht. Die Automaten sollen wohl laufen, aber die Erfassungsgeräte der Knöllchenschreiber werden wohl erstmal durch die old-school Papiervariante ersetzt. Smart, diese Endgeräte. Too smart too use. Und die Leidtragenden? Nicht-registrierte Anwohner können wegen fehlender Kapazitäten im Bezirksamt nicht rechtzeitig abgefertigt werden, und obwohl die Stadt auf die PIN-AG als Briefezusteller setzt (erst vor drei Tagen durfte man lesen, dass die Firma anscheinend systematisch die Adressen auf den Briefen speichert), werden bereits angeforderte Vignetten mit der Deutschen Post verschickt, weil da mehr Briefe auch im richtigen Kasten landen.

Man könnte meinen, man hätte es hier mit einem Lehrbuchbeispiel von Murphy’s Law zu tun. So Kinder, Hefte raus, Klassenarbeit. Aufgabe: Definiere Murphy’s Law (Tip: Was-schief-gehen-kann,-geht-schief) und beschreibe die Charakteristika dieser Regel anhand des oben verlinkten Texts zur Parkraumbewirtschaftung im Bezirk Pankow. Bonusaufgabe: Gehört der Text zur Kategorie der Realsatire? Diskutiere am Beispiel der Hosenproblematik!

Alas, die Hosenproblematik! Klamottentausch ist ja sowieso der neue wundertolle (sic!) Hipsterhype, den keiner braucht. Und Änderungschneidereien gibt es ja genug in der Gegend. Hosen kürzen kostet nicht mehr als 5 Euro, warum nicht mal die vietnamesischen Schneiderinnen der Gegend subventionieren? Gut, das Wort Subvention nehme ich zurück. Wer weiß denn, ob die Mitarbeiter die Änderungen nicht aus eigener Tasche bezahlen werden. In jedem Fall möchte ich mal sehen, wie jemand eine Hose Größe 56 in eine passable 38 ändert. Mit ein paar Abnähern ist es da wohl nicht getan.

Laut dem Artikel liegt das ganze Hosendilemma daran, dass jedes Kleidungsstück des hippen Parkraumüberwacher-Looks einzeln bestellt wurde, und jetzt nicht alle Teil gleichzeitig fertig geworden sind. Also alles doch eher ein Fall von klassischem Schildbürgertum?

Und jetzt sind Sie dran, liebe Menschen an den Geräten zu Hause! Was meinen Sie, handelt es sich bei den beschriebenen Vorgängen um einen deplazierten Aprilscherz, ein Paradebeispiel von Was schief gehen kann, geht schief, oder um ein verlorengeglaubtes, wiederentdecktes Kapitel aus Die Bürger von Schilda? Antworten Sie jetzt.

Und noch ein kleiner Hinweis an die Damen und Herren vom Amt: Der Begriff Parkraumüberwacher ist als neutrale Version von Politesse leider missglückt. Überwacher, das klingt so sehr nach George Orwell’s 1984, finden ihr nicht? Neusprech, übernehmen Sie!

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Verlinken und andere schreiben lassen III: Space Night, Gema und Freie Musik

Als ich mich in der Uni mit Urheberrecht und Digitalisierung beschäftigt habe, war irights.info für mich ein wichtiger Anlaufpunkt. Auf der Webseite finden sich für verschiedene Kunstbereiche (Fotos, Musik, Filme, Programme, etc.) praktische Hinweise für den Umgang mit Urheberrecht, sowie immer wieder hochspannende Essays zu aktuellen rechtlichen und netzpolitischen Themen. Nachdem die Kurse und Prüfungen vorbei waren, haben ich einige der Blogs zum Thema wieder aus meinem RSS-Feed geschmissen, aber bei irights bin ich irgendwie hängen geblieben. Und gerade hat sich mal wieder gezeigt, warum: Ein Eintrag über die vor kurzem drohende Einstellung der BR Space Night wegen der Erhöhung der GEMA-Tarife. Das heißt, nein, gerade darum geht es in dem Beitrag nicht. Das ist nur der Ausgangspunkt. Danach wird gut verständlich aber trotzdem prägnant mal dargestellt, von welchen ideologischen Standpunkten aus sich das Thema GEMA vs. freie Musiklizenzen betrachten lässt. Un damit die Frage: Wieviel ist die Kunst uns wert?

Genug gefragt, ich wollte ja nur verlinken und die anderen schreiben (bzw. antworten) lassen:

Rettung der Space Night: Ende gut, bitterer Nachgeschmack

Lawrence Lessig über den US-Wahlkampf: The United States is hopeless

Geht euch das auch so? Der US-Wahlkampf nervt. Seit Tagen, nein, seit Wochen nichts anderes mehr auf allen Kanälen als Obama und Romney im Kampf ums Weiße Haus. Dabei versuchen die deutschen Journalisten, sich an manchmal brisanten, meistens aber schon die letzten Male durchgekauten, Themen abzuarbeiten. Als da wären mögliche Wahlmanipulationen mit den Wahlcomputern (via fefe), die Bedeutung der Swing States (auch von da), und natürlich die mehr oder weniger religiöse Aggressivität oder der Fanatismus aller Beteiligten. Wenige Tage vor der Wahl wird sogar ein Sturm zum Politikum. Wie annalist richtig feststellte, wird sogar in den deutschen Kindernachrichten über die Wahl berichtet. Als könnten deutsche 8-Jährige irgendeinen Einfluss darauf haben. Manch einer Redaktion sind sogar politische Kaffeebecher einen Artikel wert.

So ist das mit der Omnipräsenz der US-Wahl. Für jemanden, der das Thema entnervt zu vermeiden versucht, bin ich ganz schön gut informiert, was? Dabei ist es egal, von welcher Seite die jeweiligen Artikel die Wahl anpacken, die dahinter stehende Botschaft bleibt immer die gleiche: Die US-Wahl ist für uns relevant. Wie das US-amerikanische Volk sich entscheidet, wird auch für unser Leben wichtige Konsequenzen haben.

Eine gegensätzliche Meinung dazu kam vor kurzen aus einer Richtung, aus der ich nicht damit gerechnet hätte. Vor etwa einer Woche war Lawrence Lessig in Berlin und hat einen Vortrag gehalten. Der Mann ist Professor für Recht an der Universität von Harvard, hat das Konzept der Creative Commons, eine Abwandlung des Copyright, erfunden, unter der auch dieser Blog steht, und ist – für alle, die sich für jene Sachen einen Teufel interessieren – auch sonst sehenswert als Mastermind mitreißender digitaler Präsentationstechniken.

Lawrence Lessig spricht also in Berlin über das Internet, über Copyright und Urheberrecht, über Politik, und, man hätte es sich doch eigentlich denken können, über die USA. Und was er so erzählt hat, macht einen hellhörig. Während der Jounalisten-Zirkus uns weismachen möchte, wer der neue US-Präsident wird, hätte für uns weitreichende Konsequenzen, argumentiert Lessig in Richtung etwas Anderem: In Wahrheit, so Lessig, habe die Auswahl der amerikanischen Politiker nicht mal für die Politik des eigenen Landes Konsequenzen.

Hier ist der volle Vortrag, ab Minute 21:30 kommen die dafür relevanten Argumente:

Die USA, so Lessig, sind doch eigentlich nur noch bedingt eine Demokratie, bei der die Macht vom Volke ausgeht. Stattdessen regieren diejenigen Personen, die genügend Geld haben, um den Wahlkampf zu finanzieren. Weil nur jene Politiker, die ihren Wahlkampf finanziert bekommen, überhaupt eine Chance haben, anzutreten. Das macht er mit einer Metapher deutlich, die die Willkür der ganzen Sache unterstreicht. Wie wäre es, wenn erst alle Menschen, die mit Vornamen Lester heißen, bestimmen könnten, wer sich zur Wahl stellen darf. Danach könnte dann die gesamte Bevölkerung abstimmen, welcher der von den Lesters ausgewählten Kandidaten ihr Favourit für den Regierungsposten ist. Würden wir das eine vom Volk ausgehende Demokratie nennen? Nun, meint Lessig, genauso funktioniert aber Wahlkampf in den USA. Die Leute mit dem Geld bestimmen, wer gewählt werden kann. Dazu bringt er ein paar Zahlen ins Spiel: In den USA wohnen 300 Millionen Menschen, von denen etwa 144.000, also 0,05%, Politiker mit so viel Geld unterstützen können, dass es als relevant für die Finanzierung des Wahlkampfes gilt. Wenn man die Summen erhöht, wird die Zahl der Förderer natürlich kleiner. Und so haben, laut Lessig, 0,000015% aller US-Amerikaner, das sind 47 Menschen, 42% des Geldes gegeben, dass im bisherigen Wahlkampf um die US-Präsidentschaft ausgegeben wurde.

Wenn man das, von 82 Millionen Einwohnern ausgehend, auf Deutschland umrechnen würde, wären das 12 Menschen. Man kann sich ja mal den Spass machen und überlegen, wer die zwölf finanziell einflussreichsten Menschen in Deutschland sind, und welche Parteien sie wohl finanziell unterstützen würden. Das Problem mit Parteispenden besteht natürlich auch in Deutschland, aber unter anderen Zusammenhängen und Voraussetzungen und, hoffentlich, nicht in so krassem Maße. Zumindest ist es nicht so, dass ausschließlich von der Privatwirtschaft gut unterstützte Parteien zur Wahl antreten können.

Zurück zu Lessig und den USA. Für die Politiker äußert sich dieser Umstand darin, dass sie ihren Förderern nach dem Mund reden müssen, wenn sie unterstützt werden wollen, also dass sie bei politischen Entscheidungen im Kongress von ihren Geldgebern in deren ideologische Richtung getrieben werden. Es entsteht ein Konflikt zwischen den Bedürfnissen des Volkes und denen der Förderer, dem die Kongressmitglieder nicht gerecht werden können.

Natürlich ist auch den US-Amerikanern bewusst, wie übel es um die Demokratie in ihrem Land steht. Nur 9% vertrauen ihrem Kongress. Die Mehrheit der Leute, die bei den Kongresswahlen 2010 hätten abstimmen könnten, taten dies nicht, und zwar zum Teil, weil sie glaubten das „es egal ist, wer gewinnt. Die Wirtschaft hat trotzdem zu viel Macht und wird verhindern, dass sich wirklich etwas verändert.“

Diese ganzen Zahlen und Aussagen bringt Lessig natürlich nicht einfach so. Sein Vortrag dreht sich ums Urheberrecht, und was er mit seinem Exkurs über die US-Politik sagen will, ist folgendes: Rechtliche Verbesserungen des Copyright-Gesetzes in den USA brauche man nicht zu erwarten, da die finanzielle Unterstützung der Förderer der Privatwirtschaft (ich vermeide bewusst das Wort „Lobbyismus“, weil er es auch nicht gebraucht), jegliche Veränderungen der Gesetzgebung höchst unwahrscheinlich macht. Was heißt höchst unwahrscheinlich! Was neue Gesetzgebungen zum Thema Copyright betrifft, sind die USA laut Lessig schlicht „hopeless“.

Hoffnungslos. Wenn also ein renommierter Harvardprofessor für Recht so die politischen Möglichkeiten seines Landes zusammenfasst, Gesetzesänderungen auf den Weg zu bringen, warum berichten wir gleich nochmal über die Wahl des US-amerikanischen Präsidenten?

Vorheizen…

…ist doch nur eine Verschwörung der Energieindustrie, um uns mehr Strom und Gas zu verkaufen! (Und kommt deshalb in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht!“)

Jetzt gibt's Pizza! Bild von Lppa auf https://en.wikipedia.org/wiki/File:HotPizza.jpg

Jetzt gibt’s Pizza! Bild von Lppa auf https://en.wikipedia.org/wiki/File:HotPizza.jpg

10 Jahre Hartz IV: Wir konzipieren eure Zukunft

Es ist wohl die Meldung des Tages: Heute vor zehn Jahren wurden in Deutschland die Hartz IV Gesetze vorgestellt. Und schon nach dem Artikel auf tagesschau.de, meiner Startseite, habe ich keine Lust mehr, irgendwo anders hin zu klicken. Was ich bis jetzt gelesen habe, ist mehr als symbolisch für unsere Zeit:

Zum Ersten ist da ein Wirtschaftsmanager, der politische Gesetze kreiert. Gesetze, die den Arbeitsmarkt betreffen. Und bei der SPD hat sich keiner gefragt, ob er mit seinem Hintergrund nicht vielleicht voreingenommen sein könnte?

Dann diese Arroganz, mit der die Konzepte präsentiert werden: „Wir haben hier die Zukunft der zwei Millionen Arbeitslosen konzipiert.“ Als ob man ein therapeutisches Beschäftigungsprogramm für verhaltensauffällige Zootiere vorstellen würde. Vielleicht fragt mal einer Arbeitslose, was sie sich für ihre (berufliche) Zukunft wünschen? Stattdessen stellt man sich als Messias hin, als Retter Deutschlands, der die Patentlösung für alle hat. One size fits all.

In die selbe Kerbe schlägt die Formulierung Schröders: „Das wird die Aufgabe sein, der wir uns in der nächsten Zeit mit aller Kraft zu widmen haben.“ Ja klar, Moses Schröder steigt vom Berg herab, in der Hand eine „Diskette“ mit den Geboten des Wirtschaftswunder-Gottes. Schade nur, das man im Christentum ne Menge irdisches Leid ertragen muss, bevor man vielleicht ins Himmelreich kommt – wenn man sich die ganze Zeit geschämt hat für das, was einem die Anderen vorwerfen. Ob Schröder und Hartz sich manchmal fragen, ob sie nicht vielleicht gesündigt haben?

Und dann die gesellschaftlichen Reaktionen! Gewerkschaftsanklagen, Demonstrationen, Protest! Genützt hat es nichts. Die Gewerkschaften sind ein zahnloser Tiger geworden und werden heute selbst wie wirtschaftliche Unternehmen geführt. Vorbei die Zeiten als man Streiks organisierte, bei denen nicht gleichzeitig Ausweichmöglichkeiten geschaffen wurden.  Von Massenstreiks ganz zu schweigen.
Und ja, die politischen Gegner profitieren von der Grütze, die die Anderen verzapfen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Und egal was man vorschlägt, es wird immer jemanden geben, der dagegen ist oder dagegen argumentiert. Leider weiß man manchmal nicht, warum jemand „dagegen“ schreit. Gerade in der Politik beschleicht einen oft das dumme Gefühl, dass es nur der Wunsch nach dem eigenen Vorteil ist.

Sigmar Gabriel würde gut daran tun, die politischen Fehler, die seine Partei damals gemacht hat, klar zu benennen. Was wurden denn für Fehler gemacht bei der Leih- und Zeitarbeit, im Niedriglohnsektor? Jeder der Leute kennt, die in diesen Bereichen arbeiten, oder schon mal mit Leih- und Zeitarbeiten zusammengearbeitet hat, weiß es. Aber weiß Gabriel es auch? Keine Anspielungen auf die christliche Mythologie jetzt, mein Text ist schon „emotional“ genug.

Das dicke Ende kommt zum Schluss, die Bundesarbeitsministerin kommt zu Wort: 2,8 Millionen Arbeitslose haben wir heute. Verschweigt damit allerdings, das Hartz IV und Arbeitslose nur bedingt miteinander zu tun haben. Es stimmt, nicht alle Arbeitslosen beziehen Hartz IV – oder ALG II, wie es eigentlich heißt. Manche bekommen zum Beispiel auch ALG I. Gleichzeitig beziehen aber auch eine Menge Leute, die nicht arbeitslos sind, ALG II. Zum Beispiel die von Gabriel erwähnten Arbeiter im Niedriglohnsektor. Die Stichworte lauten unter anderem Ein-Euro-Job und 400-Euro-Job.

Die Arbeitslosenzahlen sagen nichts darüber aus, wie viele Leute in Deutschland Grundsicherung vom Staat bekommen, weil sie von ihrem Gehalt nicht leben können. Das ist die grundlegendste Sache, die man über Arbeitslosenstatistik und Hartz IV wissen muss.  Sozusagen das Allererste, was jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, kapieren sollte. Die goldene Grundregel, das erste Gebot (ich kann’s nicht lassen). Und solange Ursula von der Leyen so tut, als wäre das nicht so, ist sie für mich nicht tragbar als Bundesarbeitsministerin. Kompetenzlos. Thema verfehlt, Sechs, setzen.

Was gab es in den letzen Jahren nicht für Ereignisse, die staatliche Unterstützungen in ein schlechtes Licht gerückt haben? Aslybewerber bekommen menschenunwürdig wenig Geld, sie sollten so viel erhalten wie ALG II Empfänger. Aber selbst ALG II Empfänger bekommen zu wenig Geld zum Leben, die Sätze wurden seit Jahren nicht erhöht. Die Sätze für Kinder sind verfassungswidrig niedrig. Zusätzliche Angebote, zum Beispiel in Form von Geld für die Ausstattung für den Schulunterricht, reichen nicht, um die Kosten der Eltern zu decken. Zusätzlich kommen die kleinen Fallstricke: Die Zusatzgebühr, die manche Krankenkassen schon verlangen, müssen Hartz IV Empfänger selber tragen, ohne das ihre Bezüge erhöht werden. Die Größe und  der Mietpreis der Wohnungen, in denen sie wohnen dürfen, wurde willkürlich festgelegt. Wenn sich keine kleineren Wohnungen finden lassen, in die man die Leute umziehen lassen kann, muss schonmal ein Zimmer leer geräumt und verschlossen werden – Benutzung ausgeschlossen. Wem bitte nützt solch eine Regelung? Der betroffenen Familie? Dem Vermieter? Dem Staatshaushalt? Artikel 13 unserer Grundrechte lautet „Die Wohnung ist unverletzlich.“ Ist sie doch. Jeder hat das Recht, sich in seiner Privatsphäre frei entfalten zu können. Hat er nicht.

Ich will gar nicht anfangen von dem nachmal schon reflexartig vorgebrachten Unterstellungen, die man ALG II Empfängern persönlich oder in den Medien entgegen bringt: Arbeitsscheues Pack; sind doch bloss zu faul; wer arbeiten will, der findet auch welche; nehmen das Geld für ihre Kinder um sich Alkohol und Zigaretten zu kaufen. Ich verweise auf oben: ALG II ist nicht gleich arbeitslos. Und frage: Wer kennt solche Fälle wirklich, und wer nur aus der Zeitung? Und wenn man solche Fälle kennt, darf man dann alle Hartz IV Bezieher über einen Kamm scheren?

Man kann ja mal den Blick über den Tellerrand werfen, und ich persönliche schaue gern nach Großbritannien. Und bin nicht minder schockiert. Dort lässt man inzwischen Gefängnisinsassen für etwa 4,50 Euro am Tag in Call Centern arbeiten und entlässt die eigenen Angestellten, die natürlich mehr kosten. Wer arbeitslos ist und Geld vom Staat erhält, bekommt „Jobs“ angeboten, zum Beispiel in Supermarktketten. Dort soll man unbezahlt arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln. So subventioniert der britische Staat die großen Firmen, die Beschäftige kündigen, um dann andere für umsonst arbeiten zu lassen. Leider „vergisst“ das JobCentrePlus dann manchmal zu erwähnen, dass die Teilnahme eigentlich freiwillig ist – solange man nicht zugesagt hat. So entsteht der Eindruck, man werde zu der Teilnahme gezwungen. Ein Gericht urteilte nun, man könne das ja nicht mit Zwangsarbeit vergleichen. Und dann gab es noch die Langzeitarbeitslosen, die während der Thronjubiläumsfeierlichkeiten als Security beschäftigt wurden, und denen man sagte, es gebe in London keine Unterkünfte für sie, und sie sollten unter Brücken schlafen.

Wäre in Deutschland unmöglich? Immerhin hat man sich nicht gescheut, laut darüber nachzudenken, dass die ehemaligen Schlecker-Angestellten nun alle zu Erzieherinnen umgeschult werden könnten. Ob sie das möchten, hat man nicht gefragt. Wir konzipieren die Zukunft unserer Arbeitslosen. Ich glaube nicht, dass sie rosig aussieht.

„Den Ausweis bitte!“

Greifen Sie zu - Hier sind Pakete drin! Foto von Danny McL auf http://de.fotopedia.com/items/flickr-526179329

Greifen Sie zu – Hier sind Pakete drin! Foto von Danny McL auf http://de.fotopedia.com/items/flickr-526179329 unter by-nc-nd 2.0

Frage des Tages:

Warum muss man, wenn man ein Paket von der Post abholt, seinen Ausweis vorzeigen, selbst wenn man den Paketschein dabei hat, der bei einem im Briefkasten landet? Während die Paketdienste, wenn sie ihre Pakete ausliefern, einem das selbe Paket ohne persönlichen Nachweis abliefern oder in irgendwelchen Läden oder bei Nachbarn lassen? Dort liegt es in fremden Händen, während der Abholschein im Briefkasten nur von jemandem aus der Wohnung genutzt werden kann.

Gab es Banden, die Abholscheine aus Briefkästen fischten und fremde Pakete abholten, oder warum der ganze sinnlose Aufwand?

Strike!

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

 

Na gut, es passt nicht so ganz in die Kategorie „bescheuerte Begründungen“. Trotzdem gibt es da was, was ich oft in den Nachrichten höre und was mich tierisch nervt. Jedesmal, wenn irgendwo groß angekündigt gestreikt wird, kriegt man einen Bericht, in dem jemand, der vom Streik betroffen ist, sich darüber moniert, dass er darunter leiden muss. Zuletzt gesehen gestern im Nachtjournal der ARD, wo eine junge Mutter sich darüber beschwerte, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren, wenn die Kitas streiken, und vor kurzem in der Abendschau des RBB, wo jemand schlauerweise sinngemäß feststellte: „Doof, wenn die BVG streikt, dann kann man ja nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“

Liebe Nachrichtenredakteure, die solche Beiträge machen, und liebe Leute, die sich über die Konsequenzen von Streiks aufregen: Genau deswegen streiken die Arbeiter doch! Das ist doch der Kernsinn und -zweck eines jeden Streiks: Das der Bürger merkt, wie wichtig die Arbeit der Ärzte, Kinderbetreuer, Busfahrer, Müllmänner ist – so wichtig , dass sie dafür mehr Geld verlangen, denn ohne deren Arbeit könnt ihr nicht behandelt werden, eure Kinder nicht versorgt und ihr nicht befördert werden. Würdet ihr bitte damit aufhören, euch darüber zu entrüsten. Diese Streik-ist-kacke oder Die-sollen-ja-streiken-aber-nicht-auf-meine-Kosten Attitüde ist einfach nur daneben.

Ganz Ebay wird Paypal

Ich hatte ja schon mal ausführlich darüber berichtet, was ich von Paypal als Zahlungsmöglichkeit bei Ebay halte: Meiner Meinung nach ist Paypal für Ebay hauptsächlich eine gelungene Möglichkeit, zusätzlich zur Verkaufsprovision auch noch an der Bezahlung der Artikel zu verdienen. Interessant ist, was der Spiegel jetzt schreibt: Ab Sommer wird Ebay alle Mitglieder zwingen, ihre Bezahlungen über die eigene Plattform ablaufen zu lassen. Eine direkte Überweisung an den Verkäufer wird dann nicht mehr möglich sein. Stattdessen zahlt der Kunde das Geld direkt an Ebay, wo es – wie zuvor bei Paypal – treuhänderisch verwaltet wird, bis der Artikel den Besitzer gewechselt hat und für der-Beschreibung-entsprechend empfunden wurde. Mein erster Gedanke war hier wieder, das Ebay nur eine weitere Verdienstmöglichkeit etabliert. Auch im Spiegel-Artikel wird angemerkt, dass Ebay an den Zinsen, die das Geld auf den Treuhänderkontos einbringt, sicher gut verdient – bei Ebay leugnet man diese Absicht. Ob Paypal als Zahlungsmöglichkeit für ausländische Überweisungen bestehen bleibt, weiß ich nicht. Es gibt ja auch Leute, die Paypalzahlungen ins Ausland tätigen, ohne dass Ebay-Verkäufe dabei eine Rolle spielen. Sollten diese Leute gezwungen werden, ihre Zahlungen nun ebenfalls über Ebay abzuwickeln, ist das Auktionshaus auf dem besten Wege, sich zu einer Bank zu entwickeln. Vielleicht wird es Zeit, sich nach einer Ebay-Alternative umzusehen. Hat jemand einen Vorschlag?

(via law blog)

Wortwitze mit „gaukeln“

Angeblich bricht in der „Blogosphäre“ gerade ein Shitshorm über Joachim Gauck herein. Ehrlich gesagt, gelesen habe ich davon nichts. Mir ists eigentlich gleich, ob er Bundespräsident wird oder nicht. Aber wenn ich Joachim Gauck wäre, ich würde mich jetzt weigern, für die Wahl anzutreten. Und zwar mit folgender Begründung: „Vor zwei Jahren habt ihr Regierungshansel brav den parteieigenen Kandidaten gewählt und hattet keinen Bock auf mich. Und jetzt habt ihr es euch anders überlegt und auf einmal bin ich eure erste Wahl für den Grüßaugust? Ohne mich, ich lass mich nicht vergauckeln?“

 

Die spinnen, die … Australier

Bass Drum der Dandy Warhols. Bild von chrisisgood auf flickr.com unter CC BY-NC-ND 2.0

Bass Drum der Dandy Warhols. Bild von chrisisgood auf flickr.com unter CC BY-NC-ND 2.0

Kurz notiert: In Australien nennt man Technoparties und Raves, die unter freiem Himmel auf dem Land stattfinden „Doof„. Angeblich, weil das Wort das Geräusch beschreibt, welches die Bass Drum am Schlagzeug (das ist die, wo bei Rockbands immer der Bandname draufsteht) erzeugt – doof doof doof. Der Begriff „Doof“ macht also lautmalerisch durchaus Sinn, aber trotzdem – stellt euch mal vor, man würde auf Deutsch „Ich geh heut abend zu einem Umpf“ sagen…

Want U Back – ob das auf Gegenseitigkeit beruht?

Cher Lloyd – Want U Back ft. Astro from Diego Purizaga on Vimeo.

Heute mal ein ganz aktuelles Beispiel für einen an Grausigkeit kaum zu überbietenden Songtext: „Want U Back“ von Cher Llyod feat. Astro, die Sängerin ihres Zeichens britische X-Factor-Teilnehmerin im Jahr 2010. Nach der Teilnahme in der Castingshow wurde sie von Chef-Caster Simon Cowell (dem britischen Dieter Bohlen) für Sony unter Vertrag genommen und nun feilt man an ihrer Musikkarriere. Die Promomaschine scheint gut geschmiert zu sein, denn leider komme ich im Moment an diesem Song nicht vorbei. Ständig läuft er irgendwo und jedesmal sträuben sich mir die Nackenhaare hoch. Ich fange ernsthaft an mir zu wünschen, ich hätte nie so gut Englisch gelernt, dass ich in der Lage bin, alles zu verstehen, was Cher Llyod in diesem Song so singt. Für Cher ist Englisch sogar ihre Muttersprache, und doch hört sie diesen Text nicht nur, sie singt ihn sogar. Es ist mir unbegreiflich, wie sie das kann. Aber lest selbst:

hey boy, you never had much game
hey Alter, mit dir war nie viel los
so I needed to upgrade
also musste ich mich mal verbessern
so I went and walked away-way-way
also habe ich dich verlassen
now I seen you been hanging out
jetzt habe ich gesehen
with that other girl in town
wie du mit dieser anderen Tussi in der Stadt rumhängst
looking like a pair of clowns-clowns-clowns
ihr seht aus wie ein Clowns-Duo

remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
and now you’re doing them with her
und jetzt machst du die mit ihr
remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
and everywhere we went, come on!
und überall hin, wo wir waren, oh bitte!
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt

boy you can say anything you wanna
alter, es ist mir egal was du sagen willst
I don’t give a shit no one else can have you
es ist mir scheißegal, niemand anderes soll dich haben
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
I broke it off thinking you’d be crying
ich hab Schluß gemacht und dachte du würdest deswegen heulen
now I feel like shit looking at you flying
jetzt gehts mir Scheiße weil ich sehe wie gut es dir geht
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück

please, this ain’t even jealousy
oh bitte, das hat noch nicht mal was mit Eifersucht zu tun
she ain’t got a thing on me
sie kann mir überhaupt nicht das Wasser reichen
tryin‘ to rock them ugly jeans-jeans-jeans
versucht ihre hässlichen Jeans zu rocken
you clearly didn’t think this through
du hast dir das nicht richtig überlegt
if what I’ve been told is true
wenn es war ist, was ich gehört habe
you’ll be crawling back like boo-hoo-hoo
wirst du winselnd zu mir zurückgekrochen kommen

remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
and now you’re doing them with her
und jetzt machst du die mit ihr
remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
and everywhere we went, come on!
und überall hin, wo wir waren, oh bitte!
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt


boy you can say anything you wanna
alter, es ist mir egal was du sagen willst
I don’t give a shit no one else can have you
es ist mir scheißegal, niemand anderes soll dich haben
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
I broke it off thinking you’d be crying
ich hab Schluß gemacht und dachte du würdest deswegen heulen
now I feel like shit looking at you flying
jetzt gehts mir Scheiße weil ich sehe wie gut es dir geht
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück

I thought you’d still be mine
ich dachte du würdest immer noch mir gehören
when I kissed you goodbye oh oh oh…
als ich dich abservierte
and you might be with her, but I still had you first oh oh oh..
und es mag schon sein dass du mit ihr zusammen bist, aber ich hatte dich zuerst

remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
and now you’re doing them with her
und jetzt machst du die mit ihr
remember all the things that you and I did first
weißt du noch, all die Sachen die du und ich zuerst gemacht haben
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
and everywhere we went, come on!
und überall hin, wo wir waren, oh bitte!
and now you’re taking her to every restaurant
und jetzt gehst du mit ihr in jedes Restaurant
you got me got me like this
so hast du mich rumgekriegt

boy you can say anything you wanna
alter, es ist mir egal was du sagen willst
I don’t give a shit no one else can have you
es ist mir scheißegal, niemand anderes soll dich haben
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
I broke it off thinking you’d be crying
ich hab Schluß gemacht und dachte du würdest deswegen heulen
now I feel like shit looking at you flying
jetzt gehts mir Scheiße weil ich sehe wie gut es dir geht
I want you back, I want you back, want want you, want you back
ich will dich zurück, Ich will dich zurück, will will dich, will dich zurück
ooh ooh I want you back
…und so fort

Wir fassen zusammen: Da ist ein Mädel, die ihrem Typen den Laufpass gegeben hat, weil er so ein Langweiler ist. Sie dachte, es würde ihm das Herz brechen. Nun muss sie aber feststellen, dass er ne Neue hat und es ihm, wider Erwarten, super geht. Darauf kommt sie überhaupt nicht klar. Jetzt beleidigt sie ihn – und seine neue Freundin, zum Beispiel dafür, wie sie aussehen. Weiterhin spricht sie ihm den Verstand ab, sich seiner Lage bewusst zu sein und zu wissen, was er tut. Es passt ihr nicht, dass es ihm gut geht, lieber wäre ihr, er würde wieder mit ihr zusammen sein. Wie es ihm dabei geht, ist ihr scheißegal. Denn die Hauptsache ist, dass sie selbst sich gut fühlt – was sie nicht kann, wenn sie die Beiden sieht. Dabei ist sie aber noch nicht mal auf die Neue eifersüchtig, denn die ist ja hässlich und uncool.

Sie fordert das Recht ein, über den Typen verfügen zu können, ganz egal ob er das möchte oder wie es ihm dabei geht. Zusätzlich ist es auch völlig unerheblich, dass sie ihn dabei gar nicht liebt (you never had much game, I don’t give shit about what you say, I broke it off thinking you’d be crying – sie hat ihn absichtlich verletzt) – ihrer Logik nach hat sie das Recht, all dies zu tun, weil sie die Erste war, die ihn hatte. Sie ist eine Eroberin, und er ein Ding ohne Gefühle und Rechte, über dass sie frei verfügen kann, weil es ihr gehört.

Und der Typ? Wird ihrer Meinung nach winselnd zu ihr zurückgekrochen kommen. Das ist wahrscheinlich absolutes Wunschdenken. Ob dem Mädel klar ist, dass sie mit ihrem schlechten Charakter in Zukunft nur noch an Kerle gelangen wird, die sie genauso Scheiße behandeln?

Ich würde Cheryl Lloyd oder den Textschreiber jedenfalls zu gerne mal fragen, warum der Kerl sie zurücknehmen sollte..

früher war alles schöner: tische

Der Bjursta, nackt wie Ikea ihn schuf

Der Bjursta, nackt wie Ikea ihn schuf

Vor etwa einem Jahr habe ich mir einen Wohnzimmertisch gekauft. Dreimal dürft ihr raten, wo! Bei IKEA. Ich mag schöne alte Möbel. Ich habe lange überlegt, ob ich mir einen Tisch vom Flohmarkt hole. Ich habs dann gelassen, weil ich im Moment vom Berliner Second-Hand-Markt angenervt bin. Ich habe das Gefühl, es ist nicht die Zeit, wo man schöne Sache zu einem vernünftigen Preis finden kann. Und ich rede noch nicht mal von Schnäppchen, vom perfekt erhaltenen Biedermeier-Tisch für 50 Euro. Sondern von normalen, vernünftigen Sachen. Stattdessen scheint alles, was ich gesehen habe, entweder in total schlechtem Zustand – vermodert, kaputt, kaputt repariert, oder nach aktuell trendiger „Vintage“ / „Designer“ Art und Weise gnadenlos aufgehippt und unverschämt teuer.

Ich schweife hab…ich habe mich also für den aktuellen Preis-Leistungs-Spitzenreiter bei Ikea entschieden, den Bjursta. Ich hätte gerne einen Massivholztisch gehabt. Der Bjursta ist teilweise aus Spanplatte, aber er kann den soliden Eindruck von Massivholz ziemlich gut imitieren. Man kann ihn mit unter der Tischplatte verdeckten Elementen bis zum anderthalb-fachen seiner Länge verlängern. Er hat eine wunderschöne dunkelbraune Farbe. Er sieht nicht nach Ikea aus (ich weiß, jeder behauptet das von „seinen“ Ikeamöbeln). Tut er wirklich nicht.

Ich will gar nicht über meinen Bjursta meckern. Der ist nicht hässlicher, als der alte Vergleichstisch, um den es gleich gehen soll. Oder schlechter. Ist n Top-Tisch für sein Geld (129 Euro).  Alles in Ordnung.

Ich war mir sicher, dass es keinen besseren Tisch für einen ähnlichen Preis geben könne. Bis ich ihn heute gefunden habe: Einen Tisch, der sicher nicht besser oder schlechter ist als jeder einzelne Bjursta dieser Welt. Dafür ein Tisch mit Geschichte. Draufklicken, ungefähr bis zur Mitte runterscrollen, bis zur Überschrift „Ian Curtis’s kitchen table“. Ja, das ist er…der Küchentisch von Ian Curtis, ging bei Ebay weg für 100 Pfund (das sind am heutigen Tage etwa 120 Euro). Da hätte ich auch das Geld für ne Spedition von Macclesfield nach Berlin bezahlt, wenn ich dafür diesen Tisch gekriegt hätte!

Lesen Sie die Bild, Madam?

Udo Vetter berichtet im Law Blog über eine Werbeaktion der Bild-Zeitung zu ihrem 60. Geburtstag. Am 23.06.2012 soll die aktuelle Ausgabe der Zeitung in jedem Briefkasten Deutschlands landen – in jedem. Gezielt will man sich, so Vetter, über Aufkleber á la „Keine Werbung einwerfen“ hinwegsetzen. Und dann berichtet er darüber, wie er mit einem im Vorfeld – natürlich juristisch wasserdicht – formulierten Schreiben seinen Briefkasten zum Gallischen Dorf machen will.

Heiß her geht es in den Kommentaren. Absolut lesenswert sind die kreativen Vorschläge zur Bild-Boykottierung und Entsorgung. Wer möchte, kann ein Ratespiel daraus machen, welche der „Was regt ihr euch eigentlich so auf, es gibt Wichtigeres!“-Kommentare von Mitarbeitern des Axel-Springer-Verlags stammen könnten – denn Vetter erweckt den Anschein, als gebe es solche.

Für mich sieht das nach dem Anfang einer großen Internetkampagne aus, das Thema ist absolut Meme-fähig. Ich freue mich schon auf lolcats-in-Briefkästen-Bildern, Anti-Bild-Schäublonen, das Video-Turtorial „Wir basteln uns einen Spam-Kasten!“ und ein Exklusiv-Interview mit Markus Beckedahl im ARD-Brennpunkt. Und vielleicht schaffen wir es bis dahin ja tatsächlich, eine Methode zu finden, die vor Gratiseinwurf schützt – wirksam!

Kesslers Expeditionen

Gerade sitze ich vor der Glotze und gucke Michael Kessler zu, wie er mit einem Esel von Berlin an die Ostsee wandert. Für das Quiztaxi fand ich den Kessler eigentlich immer genau die richtige Besetzung. Er passte gut in die Sendung und war souverän darin, Leute durch Berlin zu kutschieren und sich mit denen über ihr Leben zu unterhalten. Aber hier, in dieser Sendung „Kesslers Expeditionen„, finde ich ihn gerade einfach nur furchtbar. Dieses zwanghafte Geduze aller Leute, die er ungefragt anlabert, dieses schlecht nachgemachte Berlinerisch. Mit aufgesetzter Lockerheit stellt er ziemlich doofe Fragen:

„Fühlt ihr euch jetzt eigentlich als Wendeverlierer?“

Gegenfrage: Meint er wirklich, jemand würde das vor seiner Kamera zugeben?

Irgendwie habe ich auch das Gefühl, das eigentlich die meisten Leute gar nicht wirklich mit ihm reden wollen. Er biedert sich halt krampfhaft an, und man merkt es:

„Nen rotierenden Lautsprecher, weißte Bescheid, ne“

„Jaja, genau, hehe, jaja!“  (und kreist mit dem Finger).

Ich kann mir nicht helfen, aber da fand ich die frühere Umsetzung einer ähnlichen Idee von Martin Sonneborn besser, der 2008 für den Film Heimatkunde entlang des Mauerstreifens um Berlin lief. Der wirkte auf mich ehrlicher, weil er nicht den lockeren Burschen von Nebenan spielte, sondern man ihm angemerkt hat, dass er mehr mit einem journalistischen Ansatz unterwegs war – auf der Suche nach guten (Nach-)Wendegeschichten. Bei „Kesslers Expeditionen“ fehlt glaube ich so ein bißchen das Konzept, die Idee war wohl „Wir gehen mal einfach los und filmen Leute“. Heimatkunde scheint in ein bißchen engeres Korsett gepresst, aber wirkt dadurch irgendwie auch stringenter.

meine 2011er Blogstatistik

Hallo liebe Leser,

ihr seit auf I have recently become happy and I find it over-rated. Die automatisch von wordpress erstellte Statistik 2011 des Blog sieht nicht gerade rosig aus. Aber weils so schön gemacht ist: schaut euch die Verpackung an, und nehmt den Inhalt nicht zu kritisch:

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Eine Cable Car in San Francisco faßt 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 1.300 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 22 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.