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Strike!

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

 

Na gut, es passt nicht so ganz in die Kategorie „bescheuerte Begründungen“. Trotzdem gibt es da was, was ich oft in den Nachrichten höre und was mich tierisch nervt. Jedesmal, wenn irgendwo groß angekündigt gestreikt wird, kriegt man einen Bericht, in dem jemand, der vom Streik betroffen ist, sich darüber moniert, dass er darunter leiden muss. Zuletzt gesehen gestern im Nachtjournal der ARD, wo eine junge Mutter sich darüber beschwerte, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren, wenn die Kitas streiken, und vor kurzem in der Abendschau des RBB, wo jemand schlauerweise sinngemäß feststellte: „Doof, wenn die BVG streikt, dann kann man ja nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“

Liebe Nachrichtenredakteure, die solche Beiträge machen, und liebe Leute, die sich über die Konsequenzen von Streiks aufregen: Genau deswegen streiken die Arbeiter doch! Das ist doch der Kernsinn und -zweck eines jeden Streiks: Das der Bürger merkt, wie wichtig die Arbeit der Ärzte, Kinderbetreuer, Busfahrer, Müllmänner ist – so wichtig , dass sie dafür mehr Geld verlangen, denn ohne deren Arbeit könnt ihr nicht behandelt werden, eure Kinder nicht versorgt und ihr nicht befördert werden. Würdet ihr bitte damit aufhören, euch darüber zu entrüsten. Diese Streik-ist-kacke oder Die-sollen-ja-streiken-aber-nicht-auf-meine-Kosten Attitüde ist einfach nur daneben.

Lesen Sie die Bild, Madam?

Udo Vetter berichtet im Law Blog über eine Werbeaktion der Bild-Zeitung zu ihrem 60. Geburtstag. Am 23.06.2012 soll die aktuelle Ausgabe der Zeitung in jedem Briefkasten Deutschlands landen – in jedem. Gezielt will man sich, so Vetter, über Aufkleber á la „Keine Werbung einwerfen“ hinwegsetzen. Und dann berichtet er darüber, wie er mit einem im Vorfeld – natürlich juristisch wasserdicht – formulierten Schreiben seinen Briefkasten zum Gallischen Dorf machen will.

Heiß her geht es in den Kommentaren. Absolut lesenswert sind die kreativen Vorschläge zur Bild-Boykottierung und Entsorgung. Wer möchte, kann ein Ratespiel daraus machen, welche der „Was regt ihr euch eigentlich so auf, es gibt Wichtigeres!“-Kommentare von Mitarbeitern des Axel-Springer-Verlags stammen könnten – denn Vetter erweckt den Anschein, als gebe es solche.

Für mich sieht das nach dem Anfang einer großen Internetkampagne aus, das Thema ist absolut Meme-fähig. Ich freue mich schon auf lolcats-in-Briefkästen-Bildern, Anti-Bild-Schäublonen, das Video-Turtorial „Wir basteln uns einen Spam-Kasten!“ und ein Exklusiv-Interview mit Markus Beckedahl im ARD-Brennpunkt. Und vielleicht schaffen wir es bis dahin ja tatsächlich, eine Methode zu finden, die vor Gratiseinwurf schützt – wirksam!

Schöne Bescherung, mit Christian Wulff und Co.

Weihnachtszeit, Zeit der Besinnung… Wer im ganzen Trubel eine halbe Stunde Zeit findet, dem lege ich aus aktuellem innepolitischen Anlass die NDR-Dokumentation „Der Drückerkönig und die Politik“ über den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ans Herz. Der Name Maschmeyer fiel gestern und heute in der Berichterstattung über die Kreditaffäre des aktuellen Bundespräsidenten Christian Wulff. Die Doku ist besonders relevant, weil Wulff, neben anderen Politik-Nasen wie Gerhard und Kristina Schröder eine prominente Rolle in ihr spielen. Der Film wirft nochmal ein ganz spezielles Licht auf die aktuellen Vorwürfe gegen Wulff, beleuchtet Sie sozusagen intensiver, weil der Film schon fast ein Jahr alt ist. Der Fokus liegt nicht auf Wulff, aber die dargestellten Sachverhalte geben seinem Verhalten eine tiefere Dimension.

Anfang dieses Jahres wurde eine Version gesendet, bei der einige Aussagen und Szenen einem Beschluss des Berliner Landgerichts zum Opfer fielen. Beide Versionen, die usprüngliche sowohl als als die geschnittene, kann man sich im Netz ansehen. Ich finde, die geschnittene Version ist durchaus lohnenswert. Der Reporter Christoph Lütgert macht sich nämlich sehr schlau die Mühe, an den jeweils beanstandenen Szenen darauf hinzuweisen, was jetzt warum nicht gezeigt werden darf. So wird erst richtig transparent, an welchen Kritikpunkten sich Maschmeyer stört.

Bei mir funktioniert der Player nicht, aber anscheinend kann man sich hier diese geschnittene Version ansehen, oder zumindest über die beanstandeten Szenen nachlesen. Auf dem ARD-Channel bei youtube gibt’s das Original, ich embedde das mal ohne Garantie, dass der Link lange funktionieren wird.

Das ganze ist auch eine kleine Warnung vor unsäglichen Spendengalas, die uns zwischen Weihnachten und Silvester wieder im TV erwarten werden.