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ddr = drm (?)

ich beklage mich ja gerne über immer gleiche klischeehafte „nachrichten“ wie „in der ddr gab es nichts zu kaufen“ – ein hinweis, der anscheinend bei jedem spiegel einestages artikel zur irgendeinem aspekt des ddr-lebens nicht fehlen darf – wahrscheinlich, um das gewissen zu beruhigen, man habe im x-und-y-sten artikel zu „volkeigenenen models/speisen/taschenrechnern/fkk-besuchern“ ja kritisch berichtet und die ddr nicht verherrlicht.

daher bin immer auf der suche nach neuen augen-öffnenden ansichten über das leben in der ddr, die nicht dem einestages-einheitsbrei entsprechen. und nun habe ich zufällig diesen filmentdeckt„, in dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht: technische schutzmaßnahmen. vom laien auch kopierschutz genannt, können technische schutzmaßnahmen, die allgemein mit drm abgekürzt werden (kurz für digitales rechtemanagment), noch viel mehr als nur das kopieren von digitalen werken verhindern. was firmen sonst noch mit drm so alles beschränken („schützen“) können, darum gehts in diesem beitrag. und um zu erläutern, warum drm schlecht für den nutzer ist, wird es mit den eingeschränkten freiheitsrechten der ddr verglichen.

wie lässt sich diese analogie erklären? ob da ein redakteur der sendung in den letzten wochen auch zuviel mauerfall-tv gucken musste? auf jeden fall wirft der umkehrschluss, die ddr hätte die menschen eingeschränkt so wie es heute das drm tut, einige interessante facetten auf. mein erster impuls: warum nicht die analogie nutzen, um den vielerwähnten digital natives, die keine ahnung von der ddr haben, weil sie zu jung dafür sind, mal zu erklären, was das eigentlich war, die ddr! man lernt ja angeblich am besten, indem neues wissen an schon vorhandenes angeknüpft wird. fairplay = sowjetpanzer? automatisches update = zwangskollektivierung? steve jobs = stalin? gewagte thesen, aber warum nicht?

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fanmeile mauerfall

was habe ich heute gelernt? der prozess der wende, der deutschen einheit, der in den geschichtsbüchern etwa ein jahr (von november 89 bis oktober 90) und in der realen welt immer noch andauert, wird auch von unserer regierung auf das ereignis mauerfall zugespitzt und verkürzt. und ist am brandenburger tor eigentlich nur ein gegebener anlass, den bei den deutschen auf beiden seiten so beliebte weihnachtsmarkt vorzuverlegen. denn außer aneinandergereiten dominosteinen gab es nur noch aneinandergereite glühwurm- und bratwurststände zu besichtigen. von auseinandersetzung mit der ddr und der heutigen lebenswelt leider keine spur. alles nur zauber für touristen?

wedding ’89

jetzt wo’s draußen wieder kälter wird, möchte ich mich manchmal vor den kamin des 2o. jahrhunderts (= glotze. kamin des 21. jahrhunderts = computer) zurückziehen. doch ich stelle fest, es gibt nur noch drei sendungen: ordnungshüter-tv, mauerfall und tatort.

bei ersterem kriege ich schlimme schmerzen, mit drittem bin ich nicht sozialisiert worden – interessiert mich also nicht. deshalb musste ich verdammt viel mauerfall gucken in letzter zeit. leider laufen nur die immer gleichen bilder von der massendemo am 04.november (40er jahrestag der ddr), der pressekonferenz mit schabowski, und den ossis (sic! aber klingt geiler),die am 09.november nachts über die bornholmer brücke in den westen drängen. da stehen se dichtgerdrängt und erzählen den grenzern, sie wolllten nur mal rüber, gucken, und würden doch auch wieder zurück kommen.

ich frage mich, was haben diese leute wohl gedacht, als sie damals dann das erste mal im westen waren? der westen, den sie hinter der bornholmer brücke fanden, war ja nicht der kudamm oder schniekes charlottenburg. stattdessen war es der dreckige wedding, arbeiter- und einwandererviertel, oll und heruntergekommen – viel anders als drüben im prenzlberg sah es auf den ersten blick deshalb bestimmt nicht aus, stelle ich mir vor.

schade, dass es keine kameraaufnahmen von der anderen seite der mauer in dieser nacht gibt. falls doch, schade das im tv immer nur die gleichen szenen zu sehen sind. ich hätte gern einmal erfahren wie ihn der ddr-bürger so empfand, den wedding ’89.

eingemauert

auf netzpolitik.org fand ich dieses hammer-geile video der deutschen welle, dass in zehn minuten mit tollen animationen den aufbau der innerdeutschen mauer erklärt.

in deutsch:

und in englisch:

absolut sehenswert!

kleine blogschau

normalerweise mag ichs ja nicht, wenn blogs nur auf andere sachen verlinken ohne selber irgendwelchen inhalt dazu zu bieten. aber heute mache ich selber mal eine kleine blogschau, weil so ein tag war, an dem ich lauter interessante sachen gelesen habe.

den anfang macht diese kolumne von tim renner, ex universal vorstandsvorsitzender und jetzt chef von motor.fm, berliner radiosender.

ihr findet darin: renners einschätzung von sinn und zweck der popkomm, eine direkte abrechnung mit dem porporz der musikindustrie, eine indirekte aufforderung zu mehr anarchie im musikgeschäft, eine meines erachtens zu schwammige beschreibung seines entwurfes für ein gegenkonzept zur popkomm namens all together now und ein hässliches foto von dieter gorny. all together now ist übrigens ein song der liverpooler band the farm, und als solcher eine berüchtigte englische fussballhymne.

in seinem spreeblick-universum macht sich johnny häusler, anscheinend die ereignisse rund um zensursula resümierend, gedanken über die freiheit der information im internet und im allgemeinen.

ihr findet darin: illustre/illustrierende beispiele für den fragwürdigen oder besonderen umgang mit sensiblen fotos, eine denkanregung zum graustufen zwischen scharz und weiß erkennen und ein foto, das man getrost einer berliner ethik-klasse (also allen, haha) als klausurfrage vorlegen kann.

in der taz kann man heute ein interview mit einer berliner sozialarbeiterin lesen, die seit 20 jahren prostituierte berät und betreut.

ihr findet darin: konkrete antworten zu fragen wie hartz vier für prostituierte, eine genauw zahl, wie viele der frauen sich freiwillig prostituieren und kein foto mit nackten titten drauf.

da ich nicht zu den tazlern gehöre, geb ichs zu: ich kam darauf über den mädchenblog.

auf der webseite von gesine schwan, die ihre für anderswo geschriebenen texte auch auf ihre seite stellt (hat wahrscheinlich keinen total-buyout-vertrag mit den zeitungsverlagen), gibt es einen text aus der zeit, der sich mit der debatte um den unrechtsstaat ddr auseinandersetzt.

ihr findet darin: sag ich nicht, lest selbst, ist sehr interessant. was ein total-buyout-vertrag ist, erklär ich das nächste mal, falls mich wer drum bittet, ja?!

und zum schluß, wie bei einer echten tageszeitung, ein comic. ihr findet darin: ein beispiel dafür, wie etwas (jetzt gerade) total aktuell wirken kann, obwohl es gar keinen bezug auf ein konkretes ereignis nimmt, eine kritische auseinandersetzung mit „wir unterbrechen unser programm für eine aktuelle live-berichtersattung aus besonderem anlass“-tv-journalismus und von mir den hinweis: man nennt so etwas „pseudo-ereignis“.

und nun die lotto-vorhersage für morgen, den 30.06.2009…