Blog-Archive

fanmeile mauerfall

was habe ich heute gelernt? der prozess der wende, der deutschen einheit, der in den geschichtsbüchern etwa ein jahr (von november 89 bis oktober 90) und in der realen welt immer noch andauert, wird auch von unserer regierung auf das ereignis mauerfall zugespitzt und verkürzt. und ist am brandenburger tor eigentlich nur ein gegebener anlass, den bei den deutschen auf beiden seiten so beliebte weihnachtsmarkt vorzuverlegen. denn außer aneinandergereiten dominosteinen gab es nur noch aneinandergereite glühwurm- und bratwurststände zu besichtigen. von auseinandersetzung mit der ddr und der heutigen lebenswelt leider keine spur. alles nur zauber für touristen?

eingemauert

auf netzpolitik.org fand ich dieses hammer-geile video der deutschen welle, dass in zehn minuten mit tollen animationen den aufbau der innerdeutschen mauer erklärt.

in deutsch:

und in englisch:

absolut sehenswert!

suche: partei für alle lebenslagen

wer übrigens noch nicht weiß, welche partei er zur europawahl am 07.juni wählen soll, beim wahl-o-mat kann man seine meinung zu 38 thesen angeben, und diese dann mit den forderungen der parteien vergleichen. fast wie bei einer partnerbörse – auf das man die partei finde, die zu einem passt!

sparst du schon?

neulich beim irgendwo rumsitzen habe ich die aktuelle ausgabe der freundin in die finger bekommen und mal durchgeblättert. ehrlich gesagt sprach mich das groß auf dem cover angekündigte „special“ an:

besser leben – weniger ausgeben!

mode, kultur, auto, wohnen … 66 überraschende tipps, um jetzt clever zu sparen

was dann an tipps kam, hat mich allerdings nur zum kopfschütteln gebracht. ein paar highlights, an die ich mich noch erinnern kann:

– mit dem rauchen aufhören. je nach stärke des konsums könne man bis zu 200 euro im monat sparen. außerdem wäre ja jetzt sowieso überall rauchverbot, deshalb wäre die gelegenheit noch nie so günstig.

als ob die tatsache, das man es dicke hat und vor lauter geld nichts damit anzufangen weiß, der einzige grund wäre, warum leute nicht aufhören können zu rauchen..

– nicht immer unterwegs sandwiches kaufen oder essen gehen. lieber mal zuhause brote schmieren und mitnehmen. spart ungeheuer.

was haben die leute bloss früher gemacht, bevors an jeder ecke ein mcdonalds gab? und wieso teuer? ich denk da kostet der burger nur n euro…

von der art gabs noch mehr hinweise:

jeden morgen auf dem weg zur arbeit nen coffee to go („ich hätt gern nen coffee to go, aber zum mitnehmen bitte!“…) holen ist teuer. vorschlag von freundin: einen thermosbecher kaufen, und zu hause selbst gekochten kaffee darin mitnehmen.

hut ab freundin, darauf muss man erstmal kommen. es ist ja nicht so, dass coffee to go eine neue erfindung von vor ein paar jahren ist, und sich niemand mehr daran erinnern kann, dass es frühmorgens auch los ging, ohne dass bäcker und coffeeshop überteuerten milchschaum zum mitschleppen anboten. geschweige denn, dass es außerhalb der großstädte deutschlands noch jede menge klitschen gibt, wo man überhaupt keinen coffee togo kaufen kann.

und noch einer aus der reihe:

– wie praktisch, wenn man in mundgerechte stücken zerkleinerten salat im supermarkt kaufen kann. man spart sich das schnippeln zu hause. aber laut freundin sollte man lieber einen ganzen salatkopf kaufen. hat mehr, kostet aber weniger.

auch die anderen tipps, die nichts mit essen oder supermarkt zu tun hatten („im supermarkt stehen die teuren produkute auf augenhöhe, die billigen ganz unten oder ganz oben“) waren nicht besser. designerklamotten im factory outlet kaufen, statt neue stühle die alten mit neuem stoffen beziehen lassen.. mehr fällt mir grad nicht ein, aber ich habe eh nicht alle gelesen. das grundmuster war immer dasselbe, und die vorschläge so alt wie das haushaltsbuch meiner urgroßmutter.

aber eins weiß ich ganz genau: wenn so eine story als riesentitelgeschichte angekündigt wird, und damit zehn seiten gefüllt werden, wen wundert da noch das zeitungssterben? kleiner tipp für alle leserinnen: schon mal drüber nachgedacht, ob ihr euch vielleicht die freundin sparen könnt?

internetsperren update

die online petition gegen internetsperren hat nach wenigen tagen am letzten freitag (08.05.09) die erforderliche mindestzahl von 50.000 unterschreibern erreicht. das ist rekord. jetzt kann die petentin franziska heine ihr anliegen vor dem bundestag darlegen. der aktuelle stand liegt bei etwa 78.000. das bedeutet, dass sich nach erreichen der kritischen masse die zahl der unterzeichner langsamer zugenommen hat. auch wenn jetzt auch offline-medien darüber berichten, spricht nichts dagegen, weiter zu unterschreiben. jede stimme ist ein zeichen, auch wenn wirtschaftsminister von guttenberg alle unterzeichner als unterstützer von kinderpornographie ansieht. ich verlinke hier nochmal zu zwei texten zu dem thema, der erste beschäftigt sich mit technischen aspekten, der zweite beleuchtet das thema sehr ausführlich aus unterschiedlichen blickwinkeln. sogar die ganze bundestagdebatte zum thema kann man sich ansehen (ich hatte dafür keine zeit gefunden).

es stellt sich mir bei der petition die frage, ob aus der zahl all diese leute ausgezählt wurden, die zwar unterschrieben, aber keine sinnvollen daten angegeben haben. was nützt es, die petition zwar zu unterschreiben, aber als namen max mustermann, will freisein, oder keine namen anzugeben?

ps: für diejenigen, die es ernst meinen: es lohnt sich, auch mal anzuschauen, was sonst noch so für petitionen eingereicht wurden. für musiker oder auch anderweitig web2.0-interessierte wäre vielleicht auch noch diese hier interessant?

Petition gegen Internetsperren

viel kann man im netz nachlesen über den gesetzesentwurf von ursula von der leyen und co. zum thema internetsperren von kinderporngraphie-seiten. leiderhabe ich grad keine zeit, mehr als diese links zum thema zusammenzusuchen. ein plädoyer gegen internet-zensur findet sich auf netzpolitik.org, spiegel.de ist das ganze unter anderem diese meldung wert. jede menge meinungen gibt es in den verschiedensten blogs.

gelinde gesagt:zu diesem gesetzesentwurf hagelt es kritik von allen seiten: von ökonomen, die sich fragen, wie genau der von der leyen beschwörte „massenmarkt“ mit kinderpornographie stattfinden soll, über menschen, die die schleichende einführung von internet-zensur fürchten, bis hin zu technikaffinen, die bemängeln dass die sperren leicht umgegangen werden können. sogar eine vereinigung/bund ehemaliger opfer von sexueller gewalt an kindern (ich weiß den genauen namen leider nicht mehr, wer nen link weiß, bitte kommentieren) meint, der entwurf gehe in die völlig falsche richtung.

das sollte man sich ruhig bei gelegenheit mal alles durchlesen, damit man bescheid weiß warum ich mit allem nachdruck darum bitte, diese petition zu unterschreiben:

Petition: Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten

es müssen bis zum 16.06.09 50.000 unterschriften gesammelt werden. und kommt mir nicht mit „da mach ich nicht mit, da muss ich mich ja anmelden“ – das habt ihr bei myspace, facebook, twitter, youtube, hotmail, gmx, gmail, amazon, ebay und was weiß ich wo auch getan ohne zu zögern!

no sunshine

bin ich eigentlich die einzige, die aint no sunshine gesungen von daniel schumacher total schlecht fand?

bitte angucken und kommentieren. ich wunder mich grad echt!

Der Vorleser

Ein Trend der letzten Jahre Hollywood-Kino lautet ja, sich dem alten Europa anzunähern. Nachdem es irgendwann auffiel, dass sich das Große Kino immer öfter und unverhohlener der europäischen Stoffe bediente (z.b. bei der hollywood-aufbereiteten Darstellung des Lebens der Gebrüder Grimm als „Jacob“ (Heath Ledger) und „Will“ (Matt Damon), sind die Produzenten jetzt dazu übergegangen, Gemeinschaftsproduktion mit Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland etc. einzugehen. Ob Franka Potente als Freundin von Jason in den Bourne-Filmen, Jessica Schwarz als Prostituierte in Das Parfüm oder Alexandra Maria Lara als Torte von Ian Curtis in Control (wir erwähnen gar nicht erst Valkyrie) wahrscheinlich will man nun auch die letzten Hollywood-Verächter ködern, indem man europäische Schauspieler gewinnt und auf europäischem Boden dreht. Außerdem sicherlich nicht unerheblich ist die Erwartung der Produzenten, dass die Filme dadurch realistischer wirken, frei  nach dem Motto: Wir lassen die Deutschen bei ihrem deutschen Kram ein bißchen mitwirken, damits so aussieht als wenn der Film von Leuten gemacht wurde, die Ahnung haben. Aus dem selben Grund dürfen die Deutschen wohl auch öfter die Nazis spielen?

Zum place to be oder eher zum place to shoot mausert sich in den letzten Jahren Görlitz, diese östlichste Stadt Deutschlands, die zwar ansonsten mit allen üblichen Vorurteilen behaftet ist wie jede andere sächsische (oder ostdeutsche?) Stadt auch (dumme Leute, Arbeitslosigkeit, Faschos in der Politik und auf den Straßen), die aber auch mit Internationalität und Grenznähe wirbt und, und das war bisher das für Filmemacher entscheidende, mit hervorragend erhaltener Altstadt und günstigen Preisen gesegnet ist.

Den Anfang der „wir-drehen-für-unseren-Film-mal-in-Görlitz“-Reihe machte Around The World in 80 Days von Frank Coraci (Amerikaner), der 2004 in die Kinos kam, in den Hauptrollen Jackie Chan (sehr amerikanisch) und Steve Coogan (ur-britisch). Die Story übrigens basierend auf dem Roman Reise um die Erde in 80 Tagen von Jules Verne (Franzose), veröffentlicht 1873. Damals wurde Görlitz als Drehort ausgewählt, weil es möglich war, Szenen von überall auf der Erde in dieser Stadt vor realistisch wirkender Kulisse zu drehen. So musste die Görlitzer Innenstadt als Paris herhalten während die alten Gemäuer der Landskron Brauerei den Hafen von New York geben sollten.

Der nächste Film aus Görlitz steht nun in den Startlöchern. Heute habe ich den Trailer zu Der Vorleser, englischer Titel The Reader gesehen, die Verfilmung des wohl international erfolgreichsten deutschen Romans überhaupt (bis „Feuchtgebiete“?) von Bernhard Schlink. Auch hier muss Görlitz wieder als Kulisse für irgendetwas anderes herhalten, wenigstens darf es diesmal aber immerhin schon eine andere deutsche Stadt sein. Ansonsten dominiert wieder die „Internationalität“: Regisseur Stephen Daldry ist Brite, Ralph Fiennes (Amerikaner) sicherte sich die Rolle des moralisch ambivalenten Deutschen (Hilfe, ich liebte eine Aufseherin) und Kate Winslet darf die weibliche Hauptrolle Hannah Schmitz geben. Schon diese Wahl zeigt die Verarbeitung des Produkts für den globalen Markt, denn wie „ein Pferd“, grob, leicht übergewichtig, süßlich nach schweiß duftend wirkt Kate Winslet im Trailer nicht, auch wenn ich sie in der Rolle viel lieber sehe als die zuerst verpflichtete Nicole Kidman, die dann die Dreharbeiten wegen Schwangerschaft absagen musste.

Deutsche Schauspieler sind auch dabei, zum Beispiel die obligatorischen Bruno Ganz als personifiziertes schlechtes Gewissen und Alexandra Maria Lara darf auch in diesem film ein Piepsmäußchen mit unveränderbarem Gesichtsausdruck spielen. Die eigentlich dritte Hauptrolle, sozusagen den Ralph Fiennes in jungen Jahren spielt David Kross, der in Detlev Bucks Knallhart mit damals 15 jahren schon ein fantastisch gespieltes Filmdebüt ablieferte. Ihm und Kate Winslet beim Spielen zuzusehen, darauf freue ich mich. ansonsten  verspricht der Trailer ziemlich viel Schleim und Kitsch für meinen Geschmack – eben „ganz großes Kino“. Hier ist er:

Görlitz ist übrigens zu sehen in den Szenen mit den Gründerzeithäusern und wann immer eine Straßenbahn im Bild ist.

Als nächster polterte dann übrigens Quentin Tarantino durch Görlitz, der da für seinen neuen Film Inglourious Basterds drehte. Darin steht Görlitz für Italien und die Nazis dürfen wieder von den Deutschen (Daniel Brühl) gespielt werden. Wir sind gespannt, was als nächstes kommt, bestimmt kein Film über Görlitz selbst, Regie von den Coen Brüdern, mit Angelina Jolie als Görlitzer Hartz-Vier-Nazi und Moritz Bleibtreu als ihr polnischer Geliebter.Oder doch?