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blau und blau in karlsruhe

zu einem guten bier (macht blau) gehört eine schöne zigarette (blauer dunst), dachte sich vielleicht das bundesverfassungsgericht? wohl eher nicht, sollen doch sechs der acht richter nichtraucher sein. dennoch wurde heute „blau“ gewählt.

eine wirklich gute zusammenfassung zum thema rauchverbot im gaststättengewerbe bietet dieser artikel der berliner morgenpost. neben der darstellung der fakten finde ich hier besonders gut, wie die emotionen des streits erfasst wurden:

„Meine Gäste wollen keine Cocktails oder linksdrehenden, aufgeschäumten Yogi-Tees. Die wollen Bier, Wodka oder Whisky – und dazu eine Zigarette“ wird die Klägerin Sylvia Thimm zitiert – und bietet damit eine herrliche einschätzung der auseinandergehenden interessen der berliner.

auch schön auf den punkt gebracht ist dies:

Längst sind sämtliche Argumente ausgetauscht, es geht nicht mehr um die Überzeugung der anderen Seite. Es geht um eine Glaubensfrage. […]„Beide Lager wollen im Grunde dasselbe, nämlich das schöne, sinnvolle, lustvolle Leben. Nur interpretieren die einen das im Sinne ihrer körperlichen Unversehrtheit, die anderen im Sinne des Auslebens ihrer Lüste und Bedürfnisse.“ „

und dann kann man in den raucherstreit auch noch so sachen wie „Moralisierung des Alltagslebens“ oder rede- und denkverbote hineininterpretieren:

“ „Die Diskurskultur“, sagt Soziologe Schulze, „ist geprägt von Rede- und Denkverboten, unter dem Signum der Meinungsfreiheit wird Meinungszwang ausgeübt.“ Auf der anderen Seite gerieren sich auf die Straße oder zugige Balkone verbannte Raucher als letzte Vertreter des freien Denkens.“ „

und damit hat der herr soziologe ganz recht, finde ich. und gehe nachher in die kneipe – aber achtung frau thimm, ein rauchender cocktailtrinker wird wohl auch dabei sein…

profane probleme heute

selbst der schönste ikea-besuch wird einem vergrätzt, wenn man hinterher feststellt, dass die altbauwand nur zwei zentimenter tiefe bohrlöcher zulässt und man dafür einfach nicht die richtigen dübel hat…also morgen nochmal in den baumarkt, und dann wirds hoffentlich was. frühjahrsputz gone mad!

hausarrest

das alles überragende thema war heute auf arbeit, im email-verteiler der uni und in der kneipe der bevorstehende streik der berliner verkehrbetriebe. ab morgen, 05.03.2008 streikt die bvg für zehn lange tage. ein bvg-streik, das betrifft die u-bahn, busse und straßenbahnen berlins. lediglich die s-bahn, die zur deutschen bahn gehört, fährt. allerdings hat die bvg einen notverkehr eingerichtet, damit man aus gebieten, die nicht von der s-bahn bedient werden, anschluss an den nächsten s-bahnhof bekommt. das tolle an diesem link ist, dass beim klick auf die einzelnen streckenabschnitte angezeigt wird, wann die notbahnen ungefähr fahren werden.

eigentlich ist so ein streik ja nichts unbekanntes, schließlich streikten vor nicht wenigen wochen erst die gdl (gewerkschaft deutscher lokführer) – da gab es nur notverkehr der s-bahn – und schließlich die bvg – u-bahnen, busse und straßenbahnen wurden ersatzlos gestrichen. ein riesenproblem könnte das ganze allerdings ab nächster woche werden, wenn sich diese meldung bewarheitet: wenn gdl und bvg gleichzeitig streiken, fallen in berlin ALLE verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs aus.

Es bleiben dann fahrgemeinschaften, daumen raus, laufen, fahrrad fahren oder zu hause bleiben. klar würde ich dann am liebsten zu hause bleiben, aber für die arbeit muss ich mich wohl aufs rad schwingen. allerdings habe ich mit diesem wunderbaren rechner schon niederschmetterndes ausgerechnet: Der weg zur arbeit führt im kürzesten fall über hoplriges kopfsteinpflaster und ist trotz allem noch 11 kilometer lang – eine strecke für die ich bei 15 km/h laut dem rechner immerhin 50 minuten brauche. ganz zu schweigen davon, dass ich danach zu kaputt zum arbeiten bin.