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grund 378..

…keine kinder zu haben:

und wenn die gegend noch so ruhig, die straße noch so frei ist, ihr müsst eure zeit an jeder roten ampel verplempern, um euren kindern ein gutes vorbild zu sein, während ich als schlechtes beispiel voran und ohne anzuhalten meiner wege gehen kann.

super symbolfoto von wikimedia commons

super symbolfoto von wikimedia commons

fäschn wiek

am freitag habe ich folgendes mitanhören und -sehen müssen: ein junges mädchen, etwa 14-15 jahre alt, neben ihr eine freundin, telefoniert mit dem handy:

ach ja, mutti, es ist fashion week. ich sagte faaaashion week!

also, wir haben toootaaal viele topmodels gesehen. und wir haben gaaanz viele fotos gemacht. also, da waren zwei von den topmodels, mit denen haben wir fotos gemacht, und dann diese regina, also regina hall…hall…hallmich, mit der haben wir fotos gemacht, und dann noch diese jenny …äh..jenny äh elbers oder so, die haben wir auch gesehen, die hat zu uns gesagt beim fotografieren, ihr schwitzt aber ganz schön, und ich hab zu der gesagt, du aber auch…

schon klar, mädels. wozu fotos von c-promis machen, wenn ihr noch nichtmal deren namen wisst. und danach denen gleich noch dumm kommt, und der eigenen mutter auch. eure mutter weiß nicht, was die fashion week ist? ihr wisst nicht, wer jenny elvers-elbertzhagen ist. ihr macht euch eigentlich unbekannte promis dumm an, und dann träumt ihr davon, selber berühmt zu werden. wenn es euch gelingt, habt ihr dann auch mit solchen dummen mädels zu tun? was besseres habt ihr wohl nicht verdient?

fete de la … ?

leider fällt mir kein passendes wortspiel ein, obwohl die fete de la musique jetzt schon zwei tage her ist und ich genügend zeit zum überlegen hatte. fete de la mütter würde vielleicht meine erlebnisse gut zusammen fassen, auch fete de la gedränge wäre okay, aber so richtig knackig sind die beide nicht.

ich war zur diesjährigen fete jedenfalls im prenzlberg unterwegs, und meine eindrücke kann und möchte ich eigentlich nur mal schnell zusammen fassen. kollwitzplatz: alles voller mütter, kein durchkommen, nur gedränge. später gesellten sich ein paar alte element of crime fans dazu, die sich von der mütter-masse abhoben, obwohl sie soo besonders gar nicht aussahen. aber ich habe einfach jeden ohne kinderwagen pauschal verdächtigt, extra aus kreuzberg angereist zu sein.

vom element of crime konzert habe ich leider fast nichts mitbekommen. ich muss hier mal die veranstalter kritisieren, das war echt scheiße organisiert. die bühne war an einer straßenkreuzung aufgebaut, die viel zu klein für die masse an publikum war. es gab keinen punkt auf der kreuzung, an dem man in ruhe stehen und zuhören konnte, weil sich permanent leute an einem vorbeischoben, die entweder ein besseres plätzchen suchten oder genug von dem mist hatten. außerdem war die bühne nur von der mitte der kreuzung einsehbar, wer an einer der beiden seitlich hinführenden straßen stand, sah nichts. und hörte auch nicht viel, denn die akustik war bescheiden. also: nichts gehört, nichts gesehen, ständig angerempelt worden, um einen herum kampfeltern mit kindern – so viele, dass es mir sogar unangenehm war, eine rauchen zu wollen – wohlgemerkt unter freiem himmel. ich hatte das gefühl, sofort kommen drei mütter und wollen mit gewissensberuhigender bio-limo löschen.

ich habe das nich mal zwei lieder lang ausgehalten, dann bin ich nach hause gegangen.

später am abend, kurz vorm alles beendeten wolkenbruch, war ich noch kurz im mauerpark, den rest der fete de la musique habe ich im fernsehen und durch berichte von bekannten mitbekommen. ums mal neudeutsch und politisch auszudrücken, ich hatte das gefühl, berlin gentrifiziert sich bei der fete selbst. kindermusik am kollwitzplatz, techno im mauerpark und punk und ska in kreuzberg. und dazu das dementsprechende publikum: mütter, kids, punks. daraus, mal was anderes zu sehen und neue musik zu entdecken, ist nicht viel geworden, für mich jedenfalls nicht.

aber da ichs mir aussuchen kann, nächstes jahr gehe ich wieder nach kreuzberg!

Ich will aber!

Der größte Spass des heutigen Tages: Mit einer schönen großen süßen lecker-cremigen eistüte bin ich durch das, naja sagen wir mal, yuppie-wir-haben-drei-kinder-fünf-laptops-designer-leinhosen-nachmittags-nichts- zu-tun viertel der stadt gegangen und habe die reaktionen genossen, die sich immer dann hinter meinem rücken abspielten, wenn ich an so einer familie mit kind vorbei ging. einer jammerte erst ruhig, dann immer lauter „ich will auch eis“, und ein mädchen wurde offenbar schon vorher von ihrer mutter mit lahmen ausreden a là „das gibts doch noch nicht“ vertröstet, denn knapp an mir vorbei hörte ich die kleine trotzig sagen: „aber da essen doch schon welche eis!“

Es war mir eine freude zu sehen, wie die eltern mit ihren quengelnden kindern kämpften. ich hoffe möglichst viele bängel haben heut gewonnen!