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früher war alles schöner: tische

Der Bjursta, nackt wie Ikea ihn schuf

Der Bjursta, nackt wie Ikea ihn schuf

Vor etwa einem Jahr habe ich mir einen Wohnzimmertisch gekauft. Dreimal dürft ihr raten, wo! Bei IKEA. Ich mag schöne alte Möbel. Ich habe lange überlegt, ob ich mir einen Tisch vom Flohmarkt hole. Ich habs dann gelassen, weil ich im Moment vom Berliner Second-Hand-Markt angenervt bin. Ich habe das Gefühl, es ist nicht die Zeit, wo man schöne Sache zu einem vernünftigen Preis finden kann. Und ich rede noch nicht mal von Schnäppchen, vom perfekt erhaltenen Biedermeier-Tisch für 50 Euro. Sondern von normalen, vernünftigen Sachen. Stattdessen scheint alles, was ich gesehen habe, entweder in total schlechtem Zustand – vermodert, kaputt, kaputt repariert, oder nach aktuell trendiger „Vintage“ / „Designer“ Art und Weise gnadenlos aufgehippt und unverschämt teuer.

Ich schweife hab…ich habe mich also für den aktuellen Preis-Leistungs-Spitzenreiter bei Ikea entschieden, den Bjursta. Ich hätte gerne einen Massivholztisch gehabt. Der Bjursta ist teilweise aus Spanplatte, aber er kann den soliden Eindruck von Massivholz ziemlich gut imitieren. Man kann ihn mit unter der Tischplatte verdeckten Elementen bis zum anderthalb-fachen seiner Länge verlängern. Er hat eine wunderschöne dunkelbraune Farbe. Er sieht nicht nach Ikea aus (ich weiß, jeder behauptet das von „seinen“ Ikeamöbeln). Tut er wirklich nicht.

Ich will gar nicht über meinen Bjursta meckern. Der ist nicht hässlicher, als der alte Vergleichstisch, um den es gleich gehen soll. Oder schlechter. Ist n Top-Tisch für sein Geld (129 Euro).  Alles in Ordnung.

Ich war mir sicher, dass es keinen besseren Tisch für einen ähnlichen Preis geben könne. Bis ich ihn heute gefunden habe: Einen Tisch, der sicher nicht besser oder schlechter ist als jeder einzelne Bjursta dieser Welt. Dafür ein Tisch mit Geschichte. Draufklicken, ungefähr bis zur Mitte runterscrollen, bis zur Überschrift „Ian Curtis’s kitchen table“. Ja, das ist er…der Küchentisch von Ian Curtis, ging bei Ebay weg für 100 Pfund (das sind am heutigen Tage etwa 120 Euro). Da hätte ich auch das Geld für ne Spedition von Macclesfield nach Berlin bezahlt, wenn ich dafür diesen Tisch gekriegt hätte!

mittagsschlaf

bild von www.afg-deko.ch

ich merke es an der äußerst verminderten aktivität in den blogs in meiner blogroll: der sommer macht uns zu schaffen. es ist zu heiß, um wirklich kreativ zu sein. besondere qual ist es für mich im moment, wenn ich mich in öffentlichen verkehrsmitteln bewegen muss. nicht nur, dass ich in letzter zeit extrem unter sogenannten „betriebsstörungen“ zu leiden hatte (in einer woche 3x bahn ausgefallen oder mehr als zehn minuten verspätung), wenn sie dann kommt, die bahn, ist sie überfüllt und furchtbar heiß. da will man sich vor den täglichen pflichten drücken und früher von der uni nach hause fahren, und dann wird man vom drängeln und drücken noch mehr mitgenommen.

dennoch: bei der hitze ist es schwer, einen ganzen tag den kopf anzustrengen, aber dabei still auf seinem hintern zu sitzen, zu denken, mitzudenken und zu lernen. es ist zu warm. es ist übernatürlich warm. mein gefährliches halbwissen über klima geht so: die etwa drei wärmsten jahre der letzten hundert jahre vielen alle innerhalb die letzten zehn jahre. soll heißen: in den letzten zehn jahren waren drei sommer heißer als alle hundert jahre zuvor. das sind schon fast mediterrane zustände. und da hats bei mir klick gemacht: wir brauchen in deutschland die einführung der siesta!

nix tut dem körper besser als nach dem mittagessen eine runde zu dösen, besonders wenn es heiß ist. die siesta ist in spanien und griechenland gang und gebe, aus auch einen schon etwas zurück liegenden türkeiurlaub weiß ich noch: mittags werden die schotten dicht gemacht. läden zu, rollos runter, dunkel, kühl und pennen. wer mag schon in der mittagshitze einkaufen gehen oder akten abheften? ganz zu schweigen von bauarbeitern oder hecken-verschneidenden ein-euro-jobbern, die zusätzlich zur hitze auch noch der knallenden mittagssonne ausgesetzt werden.

ich bin für liegeflächen an den unis, in büros, läden und wo überall sonst noch gearbeitet wird. und das übrigens nicht nur im sommer. auch im winter kennt man es: nach dem essen wird man müde, steht auch in einer studie der universität von manchester. mittagsschlaf für alle!

PS: Das foto ist nicht ganz das was ich gesucht habe, trotzdem: ich erinnere mich mit freude an die berichterstattungen über die eröffnung vom ersten ikea in china vor ein paar jahren. damals fielen wohl erst jede menge chinesen ins ikea ein und dann pünktlich zur mittagszeit in die ausgestellten sofas und betten – in china macht nämlich angeblich die ganze gesellschaft mittagsschlaf.

(Bild von www.http://www.afg-deko.ch)

profane probleme heute

selbst der schönste ikea-besuch wird einem vergrätzt, wenn man hinterher feststellt, dass die altbauwand nur zwei zentimenter tiefe bohrlöcher zulässt und man dafür einfach nicht die richtigen dübel hat…also morgen nochmal in den baumarkt, und dann wirds hoffentlich was. frühjahrsputz gone mad!