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obama als der neue blair

heute nacht scheint für einige leute verdammt wichtig zu sein. alle echten und wunsch-amerikaner, mit denen ich in letzter zeit zu tun hatte, sind jedenfalls ganz aus dem häuschen. es wimmelt nur so von vote for obama t-shirts, us-amerikanischen flaggen im taschenformat und mädels, die mit stolz geschwellter brust women for obama buttons tragen. die allgegenwärtige berichterstattung über die us-wahlen, die nun schon seit monaten andauert, suggeriert es mehr als deutlich: weg mit objektiver berichterstattung, barack obama wird als retter des us-amerikanischen volkes gezeigt, als heiland, der mann der die gute, die richtige art der demokratie zurückbringt, nach 8 jahren bush-regierung.

da tun sich gewisse parallelen auf. wir gehen zurück ins jahr 1997 und schauen auf die aufregung, die damals der kanditat der britischen demokraten, tony blair, erzeugte. gefeiert als rettung nach 18 jahren konservativer tory-regierung, als der popstar unter den politikern, den sogar echte popstars unterstützten. großbritannien war gernevt vom konservativismus, einer regierung die nicht machte was das volk wollte, und auch einen sinnlosen krieg gab es damals, von thatcher wegen der falklandinseln angezettelt. nach ihrem rücktritt wuchs die allgemeine unzufriedenheit mit der kopflosen regierungsarbeit der britischen konservativen.

dann kam blair und machte wahlkampf. seine larbour partei nannte er in new labour um, der begriff sollte anschaulich machen, was eine regierung unter blair zu bieten hatte – etwas neues, frisches. tony blair war cool, er kam dynamisch rüber, hatte flotte sprüche drauf, wirkte clever, witzig, sogar einen gewissen sex-appeal wollte man ihm damals nicht absprechen. na, klingelts? die art der lobpreisung, die ihm damals aus den medien entgegenschlug, ist durchaus mit der um obama heute zu vergleichen.

aber was in 11 jahren blair-regierung passiert? großbritannien hat sich am irak-krieg beteiligt, blair geriegt deswegen in misskredit. auch sonst fällte er entscheidungen, die vom britischen volk negativ beurteilt wurden. als ein beispiel sei hier nur die einführung der id cards genannt. ab 2009 sollen die britischen bürger damit ausgestattet werden. die id cards entsprechen dem deutschen personalausweis, sind aber unter den briten eher umstritten. sie provozieren das gefühl, für den staat eine nummer zu sein, der brite kommt sich bevormundet und überwacht vor.

als tony blair mitte 2007 zurücktrat, wurde er zwar auch für seine errungenschaften gelobt, das vorherrschende gefühl war jedoch eher erleichterung – die erwartungen, die vom volk in ihn gesetzt wurden, hatte er überwiegend nicht erfüllt. als cooler premier wurde er nicht mehr bezeichnet.

wir warten nun ab, wie sich obama und seine new liberals schlagen werden, wenn die aufregung einer zwangweise folgenden ernüchterung weicht.

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ick mit dem obama in unser wohnküche am elsensee im ewigen eis

update: die ganze sendung gibts hier, die zeiten, wann welche episode auftaucht, sind im text hinzugefügt!

heute habe ich mal mit voller aufmerksamkeit 45 minuten nachrichtensendungen geguckt, erst die abendschau auf rbb – nachrichten aus berlin und brandenburg – und gleich nach den darauf folgenden „programmhinweisen“ die tagesschau. normalerweise vermeide ich nachrichtenmedien mit der vogel-strauß-taktik: nix hingucken, hinterher ist man nur deprimiert. doch heute war ich dabei. folgende auffälligkeiten von lustig-schräg bist tot-ernst präsentierten sich mir:

1. ein teil der uferfläche des elsensees (irgendwo in region berlin-brandenburg) wurde von anwohnern gekauft. ziel: das vorhandene biotop schützen und den bau eines strandbads und einer wasserskianlage zu verhindern. unterstützt werden die anwohner von cdu und fdp, die auch biotop erhalten wollen(!), und nicht so toll finden das die spd und die linke, die lieber 20 arbeitsplätze schaffen wollen. verkehrte welt? über die meinung der grünen ist mir nichts bekannt.

2. (ab 2:30) mit erstaunen stelle ich fest, das barack obama heute zum präsidentschaftskandidaten der linken demokraten gewählt wurde. wohlgemerkt erst zum kandidaten, und das nach gefühlten fünf monaten wahlkampf, heckmeck und dauer-berichterstattung. es wird zeit dass diese us-präsidentschaftwahlen man einen gang runtergeschraubt werden. sonst bleibt bald gar keine zeit mehr zum regieren zwischendurch.

3. (ab 5:44!) bei der bundeswehr arbeiten nur zombies. oder pressesprecher und andere konsorten, die gucken, als wenn sie zum ersten mal ne kamera sehen und reden, als wenns ihnen am arsch vorbeigeht. kein wunder, dass die zahl der leute, die dem verein beitreten wollen, sinkt, wie der tagesschau-beitrag verrät.

4. (9:30)schuld am flugunglück in ramstein vor zwanzig jahren war einer der drei unglückspiloten, sein timing stimmte nicht so recht. die tagesschau benutzt dafür im bericht heute das wort pilotenfehler. klingt das nun netter oder gemeiner als menschliches versagen?

5. (12:09) der schneidige jungunternehmer, der von der tagesschau auf der ifa interviewt wird, behauptet: die leute trennen nicht mehr zwischen wohn- und küchenbereich. – stimmt, aber meint er damit die yuppies mit amerikanischer küche, oder die hartz-iv-empfänger, denen von amts wegen ein zimmer gestrichen wird weil die wohnung sonst zu teuer ist?

6. (ab 15:10) eigentlich der hammer des tages: der nordpol taut immer mehr, diverse wasserstraßen sind auf einmal eisfrei, die ard überschreibt das mit der headline klimawandel, und der typ von einer reederei die da oben unterwegs ist, sagt dazu mit leicht arrogantem unterton: wir haben vor, im nordpolgebiet nach gas zu bohren. wir erwarten dort eines der größten gasvorkommen der erde. – hierzu gibt es ein paar schöne metaphern aus dem täglichen leben: salz in die wunde streuen, in der offenen wunde bohren, den schorf abkratzen…kurzum, er weiß wie mans noch schlimmer macht. er ist die böse krankenschwester, die nachts dem patienten erde heimlich die wunde wieder aufreißt, damit mehr krankenhausgebühren fällig werden.

ich wünsche von herzen gute besserung!