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Zeit und Raum

Bild von heart4skies auf deviantart.com

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Bye bye Bubble-Tea-Laden Pankow. Sicher zieht in den nächsten Wochen ein sogenannter Hörgeräte-Akustiker in deine Räume ein. Nicht das Schlechteste, wenn man bedenkt, dass 2-3 km weiter südlich ein Kinder-Yoga-Café aus dir werden könnte.

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Parken Sie hier! Gekonnte Parkzonenerweiterung im Prenzlberg – mit Poll

Parken Sie hier! Die Schilder der erweiteren Parkraumbewirtschaftungszone Prenzlauer Berg sind schon fertig.

 

Es ist schon verhext! Da war tatsächlich jemand im Bezirk Pankow clever genug zu merken, dass der 1. April keine gute Deadline für die Parkzonenerweiterung im Prenzlberg ist. Mit einem echten Anpacker-Ansatz wurde daher der 2. April zum Tag, ab dem Autoparker in einem noch umfassenderen Bereich des Stadtteils einen Parkschein erwerben müssen. Wer im jetzigen Parkzonenbereich unterwegs ist, weiß auch, dass der Parkschein alternativlos ist: Kontrolliert wird nämlich sehr fleißig – mit Knöllchen lässt sich wohl Geld verdienen.

Und trotz der praktischen Verschiebung des Termins wirkt die derzeitige Vorbereitung der Erweiterung wie ein Aprilscherz, wie in der Prenzlberger Stimme aufgezeigt wird: Die Schilder sind rechtzeitig fertig, aber ihre Fundamente nicht. Die Automaten sollen wohl laufen, aber die Erfassungsgeräte der Knöllchenschreiber werden wohl erstmal durch die old-school Papiervariante ersetzt. Smart, diese Endgeräte. Too smart too use. Und die Leidtragenden? Nicht-registrierte Anwohner können wegen fehlender Kapazitäten im Bezirksamt nicht rechtzeitig abgefertigt werden, und obwohl die Stadt auf die PIN-AG als Briefezusteller setzt (erst vor drei Tagen durfte man lesen, dass die Firma anscheinend systematisch die Adressen auf den Briefen speichert), werden bereits angeforderte Vignetten mit der Deutschen Post verschickt, weil da mehr Briefe auch im richtigen Kasten landen.

Man könnte meinen, man hätte es hier mit einem Lehrbuchbeispiel von Murphy’s Law zu tun. So Kinder, Hefte raus, Klassenarbeit. Aufgabe: Definiere Murphy’s Law (Tip: Was-schief-gehen-kann,-geht-schief) und beschreibe die Charakteristika dieser Regel anhand des oben verlinkten Texts zur Parkraumbewirtschaftung im Bezirk Pankow. Bonusaufgabe: Gehört der Text zur Kategorie der Realsatire? Diskutiere am Beispiel der Hosenproblematik!

Alas, die Hosenproblematik! Klamottentausch ist ja sowieso der neue wundertolle (sic!) Hipsterhype, den keiner braucht. Und Änderungschneidereien gibt es ja genug in der Gegend. Hosen kürzen kostet nicht mehr als 5 Euro, warum nicht mal die vietnamesischen Schneiderinnen der Gegend subventionieren? Gut, das Wort Subvention nehme ich zurück. Wer weiß denn, ob die Mitarbeiter die Änderungen nicht aus eigener Tasche bezahlen werden. In jedem Fall möchte ich mal sehen, wie jemand eine Hose Größe 56 in eine passable 38 ändert. Mit ein paar Abnähern ist es da wohl nicht getan.

Laut dem Artikel liegt das ganze Hosendilemma daran, dass jedes Kleidungsstück des hippen Parkraumüberwacher-Looks einzeln bestellt wurde, und jetzt nicht alle Teil gleichzeitig fertig geworden sind. Also alles doch eher ein Fall von klassischem Schildbürgertum?

Und jetzt sind Sie dran, liebe Menschen an den Geräten zu Hause! Was meinen Sie, handelt es sich bei den beschriebenen Vorgängen um einen deplazierten Aprilscherz, ein Paradebeispiel von Was schief gehen kann, geht schief, oder um ein verlorengeglaubtes, wiederentdecktes Kapitel aus Die Bürger von Schilda? Antworten Sie jetzt.

Und noch ein kleiner Hinweis an die Damen und Herren vom Amt: Der Begriff Parkraumüberwacher ist als neutrale Version von Politesse leider missglückt. Überwacher, das klingt so sehr nach George Orwell’s 1984, finden ihr nicht? Neusprech, übernehmen Sie!

wo ich wohne

in diversen posts hier in diesem blog klang es ja schon an, dass ich geraume zeit auf wohnungssuche war..nun bin ich inzwischen seit einem monat in neuer bleibe (daher auch lange nix gebloggt, unter drei wochen ummeldedauer machens die telefonanbieter ja nicht). nachdem ich im letzten sommer kurz aber heftig mit dem wedding geflirtet habe, hat es mich dann doch wieder zu meiner alten liebe pankow zurückgezogen, und zwar noch tiefer hinein als vorher. anders ausgedrückt, ich habe mich aus dem „wichserberg“ verzogen, über den ich zwischenzeitlich den bezeichnenden ausdruck „pregnancy hill“ lernen konnte, und bin direkt nach pankow, mittemang, wie man hier sagt. statt auf kampfmuttis trifft man hier auf alte ossis, aber statt kleinkindern auch auf partyjugendliche im 20er grüppchen. im vergleich zum prenzlberg kann man pankow eigentlich treffend mit einem recht simplen wort beschreiben: normal. hier gibt es noch eine post mit freundlichen angestellten und jede menge geöffneten schaltern, einen bäcker und einen fleischer, ein alte-oma-cafe das hausmannskost serviert, ein jugendzentrum, einen wochenmarkt. für jemanden wie mich, dem eine häuserreihe von touri-hostels über pizza-pasta-thai-restaurants und ladenbüros nichts zu bieten haben, eine wahrlich willkommene rückkehr zur normalität. kein bullshit mehr.

nichts desto trotz weiß ich, dass mein neu gefundenes glück auch nicht unbedingt lange anzudauern braucht. die aufhübschung des sanierungsgebietes pankow-wollankstraße sollte nach plan inzwischen fertig sein (dauert also, da großbauprojekte ja nie rechtzeitig fertig werden, nur noch etwa zwei jahre), in zwei jahren wird der flughafen tegel zugemacht (da dann der großflughafen Willy BrandtJFK auf tschörmen sozusagen – vorraussichtlich fertig sein soll. hier gebe ich mal ein pufferjahr bis zur endgültigen fertigstellung). was das für pankow bedeutet? schön saniert sind die meisten häuser schon. aber dann sind auch die straßen neu gemacht, gas-wasser-scheiße-rohre wurden neu verlegt, hier und da eröffnet noch ein supermarkt..und mit dem fluglärm ists vorbei, es kehrt seelenruhe ein zwischen breite straße und majakowskiring. es ist die ruhe vor dem sturm. denn aus dem süden drücken sie schon und drängen, die prenzlberger familien, wo vati in der werbeagentur arbeitet, mutti nachmittags latte schlürfend mit dem kinderkarren den gehsteig blockiert und die lieben kleinen namen tragen, die nach tofusorten klingen. im prenzlberg wirds zu eng, irgendwann sind alle dachgeschosse zu loftwohnungen aufgewertet. der mauerpark wird zugebaut, die bedürfnisse aller nach frischem grün kann er sowieso schon lange nicht mehr befriedigen. wie die scheiße hoch ins klo werden die prenzlwichser dann nach pankow drücken, wo es schloss- und bürgerpark gibt, sowie noch jede menge frei- und reibeflächen, auf denen eigentumswohnungen entstehen können. es geht schon los, und pünktlich zur schließung von tegel sind wir fertig. gegenüber macht gleich eine neue schule auf, kindergärten gibts auch schon en masse. und bald wird auch hier das bild gerpägt von leuten, die sämtliche lebensmittel im biosupermarkt kaufen. und die scheiße dann trotzdem in fünf plastiktüten verteilt nach hause tragen, weil das „ich kaufe nur bio für mein kind, weils gesünder und besser für die umwelt ist“-bewusstsein nicht bis auf die andere seite der supermarktkasse gereicht hat.

ekel-restaurants

in berlin wurde im stadtteil pankow ein neues projekt durchgeführt: lebensmitteltester waren in restaurants und imbissen unterwegs, eigentlich nichts neues. das besondere ist: die ergebnisse kann man sich im internet angucken. die negativliste (pdf) liest sich wie ein gruselkabinett. in zwei der besonders abstoßenden restaurants auf der liste war ich sogar schon. ich beruhige mich damit, dass ich dem einen schon seit mehreren jahren keinen besuch abgestattet hatte, weil die qualität nachgelassen hatte, und beim zweiten beim essen sofort ein ungutes gefühl hatte. aber ob man sich immer drauf verlassen kann?

ich finde die liste super, ich hoffe sie wird regelmäßig aktualisiert. das signal der positivliste freut mich irgendwie auch: wenigstens essen die,  die sichs nicht aussuchen können (bewohner im altersheim) gut!

update: hier gibts n video!