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fete de la … ?

leider fällt mir kein passendes wortspiel ein, obwohl die fete de la musique jetzt schon zwei tage her ist und ich genügend zeit zum überlegen hatte. fete de la mütter würde vielleicht meine erlebnisse gut zusammen fassen, auch fete de la gedränge wäre okay, aber so richtig knackig sind die beide nicht.

ich war zur diesjährigen fete jedenfalls im prenzlberg unterwegs, und meine eindrücke kann und möchte ich eigentlich nur mal schnell zusammen fassen. kollwitzplatz: alles voller mütter, kein durchkommen, nur gedränge. später gesellten sich ein paar alte element of crime fans dazu, die sich von der mütter-masse abhoben, obwohl sie soo besonders gar nicht aussahen. aber ich habe einfach jeden ohne kinderwagen pauschal verdächtigt, extra aus kreuzberg angereist zu sein.

vom element of crime konzert habe ich leider fast nichts mitbekommen. ich muss hier mal die veranstalter kritisieren, das war echt scheiße organisiert. die bühne war an einer straßenkreuzung aufgebaut, die viel zu klein für die masse an publikum war. es gab keinen punkt auf der kreuzung, an dem man in ruhe stehen und zuhören konnte, weil sich permanent leute an einem vorbeischoben, die entweder ein besseres plätzchen suchten oder genug von dem mist hatten. außerdem war die bühne nur von der mitte der kreuzung einsehbar, wer an einer der beiden seitlich hinführenden straßen stand, sah nichts. und hörte auch nicht viel, denn die akustik war bescheiden. also: nichts gehört, nichts gesehen, ständig angerempelt worden, um einen herum kampfeltern mit kindern – so viele, dass es mir sogar unangenehm war, eine rauchen zu wollen – wohlgemerkt unter freiem himmel. ich hatte das gefühl, sofort kommen drei mütter und wollen mit gewissensberuhigender bio-limo löschen.

ich habe das nich mal zwei lieder lang ausgehalten, dann bin ich nach hause gegangen.

später am abend, kurz vorm alles beendeten wolkenbruch, war ich noch kurz im mauerpark, den rest der fete de la musique habe ich im fernsehen und durch berichte von bekannten mitbekommen. ums mal neudeutsch und politisch auszudrücken, ich hatte das gefühl, berlin gentrifiziert sich bei der fete selbst. kindermusik am kollwitzplatz, techno im mauerpark und punk und ska in kreuzberg. und dazu das dementsprechende publikum: mütter, kids, punks. daraus, mal was anderes zu sehen und neue musik zu entdecken, ist nicht viel geworden, für mich jedenfalls nicht.

aber da ichs mir aussuchen kann, nächstes jahr gehe ich wieder nach kreuzberg!

sparst du schon?

neulich beim irgendwo rumsitzen habe ich die aktuelle ausgabe der freundin in die finger bekommen und mal durchgeblättert. ehrlich gesagt sprach mich das groß auf dem cover angekündigte „special“ an:

besser leben – weniger ausgeben!

mode, kultur, auto, wohnen … 66 überraschende tipps, um jetzt clever zu sparen

was dann an tipps kam, hat mich allerdings nur zum kopfschütteln gebracht. ein paar highlights, an die ich mich noch erinnern kann:

– mit dem rauchen aufhören. je nach stärke des konsums könne man bis zu 200 euro im monat sparen. außerdem wäre ja jetzt sowieso überall rauchverbot, deshalb wäre die gelegenheit noch nie so günstig.

als ob die tatsache, das man es dicke hat und vor lauter geld nichts damit anzufangen weiß, der einzige grund wäre, warum leute nicht aufhören können zu rauchen..

– nicht immer unterwegs sandwiches kaufen oder essen gehen. lieber mal zuhause brote schmieren und mitnehmen. spart ungeheuer.

was haben die leute bloss früher gemacht, bevors an jeder ecke ein mcdonalds gab? und wieso teuer? ich denk da kostet der burger nur n euro…

von der art gabs noch mehr hinweise:

jeden morgen auf dem weg zur arbeit nen coffee to go („ich hätt gern nen coffee to go, aber zum mitnehmen bitte!“…) holen ist teuer. vorschlag von freundin: einen thermosbecher kaufen, und zu hause selbst gekochten kaffee darin mitnehmen.

hut ab freundin, darauf muss man erstmal kommen. es ist ja nicht so, dass coffee to go eine neue erfindung von vor ein paar jahren ist, und sich niemand mehr daran erinnern kann, dass es frühmorgens auch los ging, ohne dass bäcker und coffeeshop überteuerten milchschaum zum mitschleppen anboten. geschweige denn, dass es außerhalb der großstädte deutschlands noch jede menge klitschen gibt, wo man überhaupt keinen coffee togo kaufen kann.

und noch einer aus der reihe:

– wie praktisch, wenn man in mundgerechte stücken zerkleinerten salat im supermarkt kaufen kann. man spart sich das schnippeln zu hause. aber laut freundin sollte man lieber einen ganzen salatkopf kaufen. hat mehr, kostet aber weniger.

auch die anderen tipps, die nichts mit essen oder supermarkt zu tun hatten („im supermarkt stehen die teuren produkute auf augenhöhe, die billigen ganz unten oder ganz oben“) waren nicht besser. designerklamotten im factory outlet kaufen, statt neue stühle die alten mit neuem stoffen beziehen lassen.. mehr fällt mir grad nicht ein, aber ich habe eh nicht alle gelesen. das grundmuster war immer dasselbe, und die vorschläge so alt wie das haushaltsbuch meiner urgroßmutter.

aber eins weiß ich ganz genau: wenn so eine story als riesentitelgeschichte angekündigt wird, und damit zehn seiten gefüllt werden, wen wundert da noch das zeitungssterben? kleiner tipp für alle leserinnen: schon mal drüber nachgedacht, ob ihr euch vielleicht die freundin sparen könnt?

blau und blau in karlsruhe

zu einem guten bier (macht blau) gehört eine schöne zigarette (blauer dunst), dachte sich vielleicht das bundesverfassungsgericht? wohl eher nicht, sollen doch sechs der acht richter nichtraucher sein. dennoch wurde heute „blau“ gewählt.

eine wirklich gute zusammenfassung zum thema rauchverbot im gaststättengewerbe bietet dieser artikel der berliner morgenpost. neben der darstellung der fakten finde ich hier besonders gut, wie die emotionen des streits erfasst wurden:

„Meine Gäste wollen keine Cocktails oder linksdrehenden, aufgeschäumten Yogi-Tees. Die wollen Bier, Wodka oder Whisky – und dazu eine Zigarette“ wird die Klägerin Sylvia Thimm zitiert – und bietet damit eine herrliche einschätzung der auseinandergehenden interessen der berliner.

auch schön auf den punkt gebracht ist dies:

Längst sind sämtliche Argumente ausgetauscht, es geht nicht mehr um die Überzeugung der anderen Seite. Es geht um eine Glaubensfrage. […]„Beide Lager wollen im Grunde dasselbe, nämlich das schöne, sinnvolle, lustvolle Leben. Nur interpretieren die einen das im Sinne ihrer körperlichen Unversehrtheit, die anderen im Sinne des Auslebens ihrer Lüste und Bedürfnisse.“ „

und dann kann man in den raucherstreit auch noch so sachen wie „Moralisierung des Alltagslebens“ oder rede- und denkverbote hineininterpretieren:

“ „Die Diskurskultur“, sagt Soziologe Schulze, „ist geprägt von Rede- und Denkverboten, unter dem Signum der Meinungsfreiheit wird Meinungszwang ausgeübt.“ Auf der anderen Seite gerieren sich auf die Straße oder zugige Balkone verbannte Raucher als letzte Vertreter des freien Denkens.“ „

und damit hat der herr soziologe ganz recht, finde ich. und gehe nachher in die kneipe – aber achtung frau thimm, ein rauchender cocktailtrinker wird wohl auch dabei sein…