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Republica – Tag 3 und Fazit

Nun ist die Republica schon ein paar Tage vorbei und es wird Zeit für mich, Fazit zu ziehen. Aber nicht, ohne die Highlights des dritten Tages kurz zu erwähnen. Ich habe mir ja den kompletten Urheberrechts-Block auf Stage 3 reingezogen. Inhaltlich fand ich den Vortrag von Jeanette Hofmann und Christian Katzenbach am aufschlussreichsten. Sie berichteten darin von sozialen Normen, die Urheberrechtslücken in bestimmten Kunstbereichen füllen. Ihre Beispiele – Zauberkunst, Comedy und Kochen – sind allesamt Bereiche, in denen es besonders auf eine gute Idee ankommt: einen Trick, einen Witz, ein Rezept. Das Urheberrecht schützt ja nun aber nicht eine abstrakte Idee, sondern nur den konkreten Ausdruck, in dem sie sich manifestiert. Besonders für das Beispiel Comedy legten Hofmann und Katzenbach nun dar, wie soziale Normen innerhalb der Gruppe der Comedians dafür sorgt, dass das Gut „Witz“ mit seinem Urheber in Verbindung bleibt – nämlich dadurch, dass es innerhalb dieser Gruppe sozusagen „Ehrensache“ ist, den Erfinder eines Witzes zu würdigen. Wer dies nicht tut, muss mit Ächtung seiner Kollegen retten. Der Urheber eines Witzes muss genannt werden, und zwar – und das ist das Interessante – so lange, wie er bekannt ist. Es gilt also in diesem Fall nicht, dass ein Werk – der Witz – 70 Jahre nach dem Tot das Autors gemeinfrei wird. Die Anregung, die der Vortrag liefern sollte, war nun, dass man mal überlegen könnte, in wieweit soziale Normen auch auf andere Bereiche der Kunst angewendet werden könnten.

Hier ist das Video zum Vortrag:

Auch gut gefallen hat mir der Urheberrechts-Yeti. Das Überführen deutscher Bilder in die Gemeinfreiheit dürfte weitaus schwieriger sein, als dies in den USA der Fall ist, da sich europäisches Urheberrecht und anglosächsisches Copyright in einigen bedeutenden Punkten unterscheiden. Ich glaube, diese Bedenken sind im Vortrag nicht ausreichend zur Sprache gekommen, oder vielleicht war das auch nur meine Wahrnehmung. Trotzdem war ich vom Vortrag selber begeistert. So muss ein guter Vortrag gemacht werden, Verbildlichung des Themas (der „Yeti“), freie Rede, ein paar Witze. Das hat Spass gemacht.

Für alles andere bleibt mir nur, auch auf die tollen Überblickssammlung aller Videos von Michael Kreil zu verweisen. Hier findet ihr alles, was ihr noch sehen wollt – außer der Vortrage, die wegen urheberrechtlichen Ansprüchen dritter gesperrt sind (näheres bei netzpolitik). Man sieht, das Thema Urheberrecht hat seine Relevanz.

Die Republica waren ein paar tollen Tage für mich. Nicht alle Vorträge haben meine Erwartungen erfüllt, aber manchmal habe ich mich auch einfach treiben und angenehm überraschen lassen. Die Atmosphäre war wirklich entspannt, die Leute sehr nett, das Publikum schön gemischt. Nächstes Jahr will ich gerne wieder mit dabei sein!

Republika Round Up Tag 2

Nein, ich schreibe weiterhin das „republica“ ohne Doppelpunkt! Meinen Beitrag über den zweiten Tag kann man trotzdem lesen.

Der Tag war relativ durchwachsen. Ich habe unerwartet gute Vorträge gehört, unerwartet schlechte und vorrausgesagt tolle. Erst zu spät bin ich leider in Peter Kirns Beitrag über digitale Musikerzeugung reingekommen, den einzigen Termin den heutigen Tages, zu dem ich schon einen youtube-lembed anbieten kann.

Das war ein Technik-Vortrag, wie ich ihn mir als Laie vorstelle. Vom Klassiker, dem Theremin, zu absoluten Musik- und Technikfreaks, die schon in den siebziger Jahren Musikinstrumente gedacht habe, deren Design im Prinzip Tablets voraus gesagt haben. Schön mit musikalischen Beispielen unterlegt. Am coolsten fand ich dieses Teil von Max Mathews, mit dem mit zwei Klöppeln Rhythmus und Melodie eines Instruments auf einer glatten Fläche erzeugt werden, während seine Handbewegung im Raum, also in 3D, die Intensität und Stärke des Tons beeinflussen.

Auch toll fand ich den Vortrag von Matthias Spielkamp über moralische Aspekte des bedingungslosen Grundeinkommens (leider noch nicht online). So muss ein Vortrag gemacht sein, tolle Bilder, schlaue Referenzen, freie lockere Rede. Ich wusste, dass das gut wird, und das war es auch.

Über die enttäuschenden Sachen lass ich mich lieber nicht aus. Wer will, kann meinen Beitrag von gestern lesen und selber Schlüsse ziehen.

Aber nix gegen die digitalen Bananen. Das hat sich angefühlt wie Boulevard, aber nur, weil es so viele Themebereiche berührt hat. Die Sprecher hatten aber zu jedem Punkt das nötige Hintergrundwissen, Respekt. Außerdem haben sich da noch andere Leute als mir als Maschinenstürmer geoutet. Wer hätte gedacht, das von etwa 70 Leute rund 5 noch kein Smartphone haben. Das Credo des Beitrags: In fünf Jahren reden wir nicht mehr davon, dass digital das gute alte Analog verdrängt hat, sondern das ein Hybrid aus beidem unser schönes reines Digital verändert.

Ich muss auch sagen, Respekt an Jan Krancke, der sich als Repräsentant der Telekom in die Diskussion über Netzneutralität begeben hat. Obwohl ich seine Argumentation über die Drosselpläne äußerst dünn fand, war es gut, dass er da war und überhaupt geredet hat – und ja durchaus mit einem Quäntchen Selbstironie. Au die Forderung nach Transparenz bemerkte ja, dass das ja wohl sehr transparent war, was die Telekom zu ihren neuen Tarifen in den letzen Tagen bekannt gegeben hat. (link, anyone?)

Mal schauen, was der morgige Tag noch so bringt. Auf jeden Fall ist Vorträge hören anstrengender als die Akkreditierungsarbeit gestern.

 

Republica 2013 – Me In/Side/Out

Seit heute findet in Berlin die Republica statt, die Konferenz für Internet und digitale Angelegenheiten. Weil mein schmaler Geldbeutel mir wie schon in den letzten Jahren keinen Besuch erlaubt, habe ich mich dieses Mal als freiwilliger Helfer angemeldet, um neben der Arbeit auf der Konferenz in den kostenlosen Genuss der Vorträge zu kommen.

Heute morgen um elf haben ich mir einen Beitrag zur Internet-Wählermobilisierung im letzten Wahlkampf von Barack Obama angehört. Obwohl ich die ganzen Erfahrungen zum Online Campaigning recht aufschlussreich fand, hat mich der Vortrag doch teilweise an eine Werbeveranstaltung für den amerikanischen Präsidenten erinnert. Da wurde ein Video gezeigt, dass vom Campaigning-Team gedreht wurde, um die „Fangemeinde“ am Laufen zu halten. Eigentlich ging es in dem Video durchaus auch um politische Inhalte, trotzdem war es meiner Meinung nach viel zu sehr auf Emotionen aus. Die Frage stellt sich natürlich: Wie sehr darf und sollte man politischen Wahlkampf an Gefühle binden?

Danach ging es für mich an die Arbeit. Am Akkreditierungscounter habe ich Besucher begrüßt, Tickets gescannt und Bändchen verteilt. Die Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht, da die verantwortlichen Mitarbeiter und meine Helferkollegen ausnahmslos sehr nette und offene Menschen waren. Es ergab sich das ein oder andere aufschlussreiche Gespräch darüber, was die Besucher der Republica interessiert. Ich hoffe, dies geht in den nächsten zwei Tagen so schön weiter, wenn ich nicht mehr arbeiten muss, sondern mich voll und ganz den Vorträge widmen kann. Unter anderem auf dem Programm stehen für mich Internetaktivismus, Verschwörungstheorien, digitale Bananen, Cory Doctorow und natürlich die Beiträge zum Urheberrecht, die alle Mittwoch Vormittag stattfinden.

Übrigens habe ich alter Maschinenstürmer mir extra für die Republica ein ipad geliehen, um mich dem digitalen Rhythmus anzupassen. Mit dem Teil blogge ich auch gerade. Ich hoffe es passt!