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kleiner hinweis für heut abend

ein beispiel für eine kultur, die alkohol eine enthemmende wirkung zuspricht. bild von wikipedia.org

ein beispiel für eine kultur, die alkohol eine enthemmende wirkung zuspricht. bild von wikipedia.org

„the effects of alcohol on behaviour are determined by social and cultural norms, not by the chemical actions of ethanol. There is enormous cross-cultural variation in the way people behave when they drink alcohol. In some societies (such as the UK, US, Australia and some parts of Scandinavia) drinking is associated with aggression, violence and anti-social behaviour, while in others (such as Latin/Mediterranean cultures) drinking behaviour is largely peaceful and harmonious.“

die auswirkungen von alkohol auf das verhalten werden von gesellschaftlichen und kulturellen werten beeinflusst, nicht von einer chemischen reaktion des ethanols. es gibt enorme kulturelle unterschiede im verhalten betrunkener menschen. in manchen gesellschaften (wie großbritannien, den usa, australien und teilen skandinaviens) wird trinken mit aggression, gewalt und asozialität verbunden, während es in anderen (wie in südländischen und mediterranen kulturen) friedlich und harmonisch abläuft.

um es noch etwas deutlicher auszudrücken:

„This basic fact has been proved time and again, not just in qualitative cross-cultural research but in carefully controlled proper scientific experiments – double-blind, placebos and all. To put it simply, the experiments show that when people think they are drinking alcohol, they behave according to their cultural beliefs about the behavioral effects of alcohol. The English believe that alcohol is a disinhibitor, and specifically that it makes people amorous or aggressive, so when they are given what they think are alcoholic drinks – but are in fact non-alcoholic ‚placebos‘ – they shed their inhibitions: they become more flirtatious and males (young males in particular) often become aggressive. „

diese grundlegende tatsache wurde wieder und wieder bestätigt, nicht nur in qualitativen kulturübergreifenden untersuchungen sondern auch in sorgfältig überwachten echten wissenschaftlichen experimenten – doppelblindversuchen, plazebos und so weiter. um es einfach auszudrücken: die experimente zeigen das menschen, die alkohol trinken, sich entsprechend ihrer kulturellen vorstellungen über die wirkung von alkohol verhalten. die engländer glauben, das alkohol enthemmend wirkt, und speziell, dass es leute amourös oder aggressiv macht. wenn man ihnen also etwas gibt, von dem sie annehmen, dass es alkoholische getränke sind –  in wirklichkeit handelt es sich um alkoholfreihe plazebos – verlieren sie ihre hemmungen: sie flirten mehr und die männer (besonders junge männer) werden oft aggressiv.

vielleicht denkst du heute abend oder generell mal dran, wenn du grad besoffen dabei bist, laut grölend durch die straßen zu laufen, ein auto zu demolieren oder irgendjemandem eins auf die nase zu geben. es ist nicht so, dass du damit den erwartungen unserer gesellschaft für eine nacht entkommen kannst. ganz im gegenteil, du erfüllst sie gerade. statt auf die anderen zu scheißen, scheißen sie auf dich.

die zitate stammen aus dem buch watching the english – the hidden rules of english behaviour von kate fox.

berlin, deine touristen

berlin, deine touristen…

die franzosen sollen ja sehr eingebildet sein, was ihre sprache angeht. sie halten das französische für wunderschön, und wer sich nicht wenigstens ein bißchen mühe gibt, es zu sprechen, bei dem gibt sich der franzose auch keine mühe mit der freundlichkeit.

wer würde es sich da trauen, in frankreich vorbei zu schauen, ohne die obligatorische erste lektion „parlez-vous francais?“ gelernt zu haben?  damit kann man andere leute im hotelflur grüßen, beim ober eine bouilliabaisse bestellen und zu den postkarten gleich die richtigen briefmarken dazu kaufen.

das neuseeländische comedy-duo flight of the conchords zeigt, wie viel lebenslust (nicht savoir-vivre) man mit ein paar grundbegriffen noch so haben kann:

ou est la livre? a la bibliotheque.
et le musique dance? a la discotheque..

na mal ehrlich, schwer zu verstehen war das nicht, oder?

ein paar einfache sätze als vorbereitung auf ein urlaubsziel gegen ein herzliches willkommen heißen – eigentlich ein simpler deal, oder?

doch was in frankreich gang und gebe ist, gilt leider nicht bei uns. von wegen be berlin- die stadt soll freundlich sein, das sollte auch für die touristen gelten. und dazu gehört zum beispiel der anstand, wenigstens hallo, danke und bitte sagen zu können in der sprache des landes, in das man reist. stattdessen muss ich leider oft beobachten, wie englische muttersprachler fast schon wie selbstverständlich davon ausgehen, dass man alles versteht was sie plappern, während südländer offensichtlich glauben, sie müssten nur einfach laut genug schreien, dann versteht man ihre sprache plötzlich schon.

zu persönlich darf man das ganze wohl aber nicht nehmen, denn neu ist das nicht.
schon in den siebzigern machte fawlty towers, die geniale britische serie von monthy pythons john cleese, aus der rüden art der spanier keinen hehl. hier ist es der kellner manuel, dessen unfähigkeit, auch während einem längeren aufenthalt in england mehr als rudimentäre sprachkenntnisse zu erwerben, mehr als einmal mit schlägen bestraft oder mit dem satz „he’s from barcelona“ abgetan wird.  wir lernen: kein spanier ohne „que?“