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Strike!

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

Streik der Müllabfuhr Mannheim 2006, Bild von Creando auf wikipedia.de unter CC BY-SA 3.0

 

Na gut, es passt nicht so ganz in die Kategorie „bescheuerte Begründungen“. Trotzdem gibt es da was, was ich oft in den Nachrichten höre und was mich tierisch nervt. Jedesmal, wenn irgendwo groß angekündigt gestreikt wird, kriegt man einen Bericht, in dem jemand, der vom Streik betroffen ist, sich darüber moniert, dass er darunter leiden muss. Zuletzt gesehen gestern im Nachtjournal der ARD, wo eine junge Mutter sich darüber beschwerte, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu organisieren, wenn die Kitas streiken, und vor kurzem in der Abendschau des RBB, wo jemand schlauerweise sinngemäß feststellte: „Doof, wenn die BVG streikt, dann kann man ja nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“

Liebe Nachrichtenredakteure, die solche Beiträge machen, und liebe Leute, die sich über die Konsequenzen von Streiks aufregen: Genau deswegen streiken die Arbeiter doch! Das ist doch der Kernsinn und -zweck eines jeden Streiks: Das der Bürger merkt, wie wichtig die Arbeit der Ärzte, Kinderbetreuer, Busfahrer, Müllmänner ist – so wichtig , dass sie dafür mehr Geld verlangen, denn ohne deren Arbeit könnt ihr nicht behandelt werden, eure Kinder nicht versorgt und ihr nicht befördert werden. Würdet ihr bitte damit aufhören, euch darüber zu entrüsten. Diese Streik-ist-kacke oder Die-sollen-ja-streiken-aber-nicht-auf-meine-Kosten Attitüde ist einfach nur daneben.

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hausarrest

das alles überragende thema war heute auf arbeit, im email-verteiler der uni und in der kneipe der bevorstehende streik der berliner verkehrbetriebe. ab morgen, 05.03.2008 streikt die bvg für zehn lange tage. ein bvg-streik, das betrifft die u-bahn, busse und straßenbahnen berlins. lediglich die s-bahn, die zur deutschen bahn gehört, fährt. allerdings hat die bvg einen notverkehr eingerichtet, damit man aus gebieten, die nicht von der s-bahn bedient werden, anschluss an den nächsten s-bahnhof bekommt. das tolle an diesem link ist, dass beim klick auf die einzelnen streckenabschnitte angezeigt wird, wann die notbahnen ungefähr fahren werden.

eigentlich ist so ein streik ja nichts unbekanntes, schließlich streikten vor nicht wenigen wochen erst die gdl (gewerkschaft deutscher lokführer) – da gab es nur notverkehr der s-bahn – und schließlich die bvg – u-bahnen, busse und straßenbahnen wurden ersatzlos gestrichen. ein riesenproblem könnte das ganze allerdings ab nächster woche werden, wenn sich diese meldung bewarheitet: wenn gdl und bvg gleichzeitig streiken, fallen in berlin ALLE verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs aus.

Es bleiben dann fahrgemeinschaften, daumen raus, laufen, fahrrad fahren oder zu hause bleiben. klar würde ich dann am liebsten zu hause bleiben, aber für die arbeit muss ich mich wohl aufs rad schwingen. allerdings habe ich mit diesem wunderbaren rechner schon niederschmetterndes ausgerechnet: Der weg zur arbeit führt im kürzesten fall über hoplriges kopfsteinpflaster und ist trotz allem noch 11 kilometer lang – eine strecke für die ich bei 15 km/h laut dem rechner immerhin 50 minuten brauche. ganz zu schweigen davon, dass ich danach zu kaputt zum arbeiten bin.