Blog-Archive

3D-Brillen im Kino

Zugegeben, die 3D-Darstellung war recht gut. Hat schon Spass gemacht. Aber alles was sonst noch so zum Kino-„Erlebnis“ gehörte, passt in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht.“

Ich bin also im Urlaub in der Provinz und will mit der Kurzen ins Kino gehen, Shrek 3 möchte sie sehen. Na gut, dachte ich mir, besser wir machen es hier als in Berlin, in der Pampa ists bestimmt billiger. Denkste! Der erste Hammer ist, dass es bei 3D-Filmen keinen Rabatt für Studenten/Rentner etc. gibt. Stuenten gelten ja als „temporär arm“, d.h. man nimmt inKauf, dass sie während ihrer Ausbildung mit weniger als 60% des Durchschnittseinkommens auskommen, da ihre finanzielle situation ja eben temporär, nur für einen begrenzten Zeitraum dürftig ist. Arm sind auch Hartz-IV-Empfänger, aber wie lange weiß keiner. Für solche Leute gibt es Extra-Rabatte, damit sie trotzdem am kulturellen Angebot teilnehmen können. 3D-Kino gehört wohl aber nicht zur Grundversorgung, das ist nur was für Voll Zahlende. Und Hartz-IV-Empfänger brauchen nicht mit ihren Kindenr in 3D-Filme? Damit die Kinder dann in der Schule richtig schön ausgegrenzt werden? Diese ganze Debatte um die Gerechtigkeit von Hartz-IV, besonders den Sätzen für Kinder –  ich wünschte sie würde nicht mehr abflauen.

Aber nun ja, den ganzen Tag haben wir uns aufs Kino gefreut, und ich bin ja auch nur temporär arm, da sag ich ja nicht an der Kasse plötzlich „Wir gehen wieder“. Habe ich also 8 statt 7 euro bezahlt (7 Euro ermäßigt ist auch ganz schön viel) und habe das 12-jährige Kind als“Kind unter 12″ reingeschmuggelt.

Der Hammer war aber die Sache mit den Brillen. Die mussten wir KAUFEN, und zwar für einen Euro das Stück. Im allerschönsten Neusprech wurde das aber auf demTicket nicht als Kauf, sondern als Servicegebühr verschleiert.

„Beim nächsten Mal müssen sie die wieder mitbringen, sonst müssen sie die Servicegebühr nochmal zahlen!“

Ich brachte meine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass man die Dinger kaufen muss. Die Verkäuferin zuckt mit den Schultern. Sie hat anscheinend extra ne Brillen-Servicevergebührungsschulung bekommen, denn sie informiert mich weiterhin:

„Die Brillen funktionieren aber auch nicht in anderen Kinos.“

Und da wars bei mir echt vorbei.

„Moment mal, wir müssen die Brillen kaufen, sollen sie hier wiederverwenden, aber woanders funktionieren die nicht?“

„Nein, weil die Technik in anderen Kinos nicht die Selbe ist! Die benutzen halt andere Systeme, da funktionieren die nicht!“

Ich hab darauf mein Bestes versucht: „Naja, wissen Sie, wir sind nicht von hier, wir werden hier bestimmt nicht nochmal ins 3d-Kino kommen. Können wir die Brillen nicht einfach leihen und nach dem Film wieder abgeben?“

„Nein, das geht nicht, sie müssen die Brillen schon kaufen!“

Nur im nachhinein kann ich mich freuen, dass sie kaufen gesagt hat, was sie doch anscheinend vermeiden soll.

Müßig darauf hinzuweisen, dass die Brillen nicht gerade sehr bequem waren, und das Kind meinte, in ihrem Kino wären die viel besser, und die Filme würden auch weniger kosten. Und das Popcorn auch.

Ich glaub der Frau jedenfalls kein Wort. Dazu bin ich kapitalismus-genervt genug, um das was die mir erzählt hat für ne Verschwörungstheorie der Kinoindustrie zu halten. Die Brillen funktionieren nicht in anderen Kinos, weil die andere Techniken verwenden? So’n Blödsinn. Ist das olle Provinzkino in dem wir waren das Einzige, was auf ganz andere Weise funktioniert als alle anderen? Kriegen die von allen Verleihern ne Extra-Kopie aller Filme, die nur in ihrem Kino, und mit ihren Brillen funktioniert?

Niemals. ich glaube eher, die wollen die Leute an ihr Kino binden, oder versuchen, dem depperten Kinobesucher in jedem Haus ne neue Brille zu verticken.

Und ich glaube auch nicht, dass die kleinen Kinos selbst sich sowas ausdenken. Die gehören doch auch nur zu irgendwelchen Ketten, die die Mitarbeiter dazu zwingen, sowas zu sagen. So wie man in der Post immer nach nem Konto gefragt wird und bei McPaper, ob man noch nen Kuli zum Papier dazu will.

Tja, wie gesagt, die 3D-Effekte waren schon gut. Man hat schon auch gemerkt, dass die Macher nicht gedacht haben, wie haben da den Film, den machen wir jetzt in 3D, sondern es gab schon spezielle Szenen da wollten die mal zeigen, wie gut 3D aussehen kann. (Hat zwar Hitchcock schon in Bei Anruf Mord alles vorgemacht – obwohl der Film dann später doch nicht 3D wurde – aber das steht auf einem anderen Blatt). Fest steht jedenfalls, wenn die Lütte nächste Woche wieter Ferien bei mir macht, werde ich ihr wohl nicht die Filmwünsche erfüllen, die sie noch so geäußert hat: Toy Story 3 (auch 3D), Karate Kid, Freche Mädchen 2 und was Kinder sonst  noch so im Kino an Trailern vorgesetzt bekommen. Aber vielleicht gehe ich mal mit ihr ins Freiluftkino, das hat sowieso viel mehr Atmosphäre.

atze, räum den kühlschrank aus

heute scheißen sich alle ein wegen einem flughafen, den angeblich 74% der berliner im einsatz behalten wollen. ich glaube nicht dass diese etwa 2einhalb millionen der heutigen „berliner“ auf die luftbrücke von vor 60 jahren angewiesen gewesen sein. echte berliner über 60 habe ich heute im wahllokal jedenfalls keine gesehen. bei 1000 fluggästen am tag gehe ich außerdem davon aus, dass die meisten der schließungsgegner den flughafen überhaupt noch nie genutzt haben. deshalb entspann sich bei mir die ganz krude verbindung zum buch feng shui gegen das gerümpel des alltags. darin steht, dass es vielen menschen unglaublich schwerfällt, sachen loszulassen („wegzuschmeißen“) selbst wenn sie sie nie benutzen. wäre berlin eine große studentenwg, könnte tempelhof sowas wie der trimmtrainer sein, der mitten in der wohnung im weg rumsteht und platz wegnimmt, den aber keiner benutzt. trotzdem wollen ihn deine anderen mitbewohner nicht wegschmeißen, man könnte ihn ja doch vielleicht nochmal gebrauchen, eigentlich ist er doch ganz praktisch, er sieht ja auch ganz cool aus und er war ja so teuer, dass kann man doch nicht einfach wegschmeißen!

deshalb die philosophische konsequenz: politik ist auch nix anderes als hausputz.

exzellent…

die uni an der ich studiere gehört seit etwa einem halben jahr zu einem gewissen „exzellenz-cluster“, als eine von zehn universitäten deutschlands, oder so?

diese woche startete ich in ein neues semester, und so exzellent war es bisher:

am dienstag: erster kurs total überfüllt. ich musste auf dem boden sitzen. die dozentin verteilt das arbeitsblatt mit den seminarinfos mit der bitte um fünf cent für die kopie. um das geld einzusammeln lässt sie eine kleine plastetüte rumgeben. ein student meldet sich: erhabe die fünf cent grad nicht dabei, ob er das beim nächsten mal bezahlen könne? ich habe keine kopie bekommen. man kann sich das auch im internet runterladen. so wichtig ist es mir auch nicht.

der kurs findet eh nur zur hälfte statt, denn die dozentin meint: da die kopien nicht reichen hat nicht jeder den text vor augen. es mache also gar keinen sinn, den jetzt zu lesen und dann drüber zu sprechen. die veranstaltung ist also nach etwa einer dreiviertelstunde, der hälfte der zur verfügung stehenden zeit, zu ende.

für den zweiten kurs musste ich gleich mal ein bißchen vorarbeit leisten. im vorlesungsverzeichnis stehen zwei romane, die bis zur ersten sitzung gelesen werden sollen. weil ich den prof sehr mag und das thema auch, hatte ich mir extra am donnerstag davor die beiden bücher besorgt und das wochenende über durchgelesen. als ich am seminarraum ankomme muss ich allerdings erfahren, dass der kurs in der ersten woche ausfällt, es geht erst nächsten dienstag los. naja, gelesen ist gelesen.  wieder zurück zum kaffeestand.

eine viertelstunde laufen zum anderen institut. auch der dritte kurs ist nach der hälfte der zeit vorbei. keine besonderen vorkommnisse.

den ganzen tag regnet es. wieder zurück laufen zum ersten institut, ab zur vierten veranstaltung. der raum wird gefunden, allein es sind andere leute drin, die meinen, den ganzen tag da seminar zu haben. die veranstaltung steht im plan an der tür, aber am einem anderen wochentag. ich laufe zur sekretärin des instituts. die findet raus, dass die räume und wochentage wohl mehrfach mißverstanden wurden. es sind ja auch mehrere institute im gebäudekomplex zusammengefasst, da gab es bei der raumvergabe wohl abstimmungsprobleme. das seminar fällt für den tag erstmal aus. ob es nun ab nächste woche dienstags (da könnte ich teilnehmen) oder mittwoch (da könnte ich nicht) stattfinden wird, kann nur der dozent selber sagen. der ist natürlich nicht am institut. ein kommilitone verspricht, es rauszufinden und mir bescheid zu geben.

dienstag wird ein langer tag, der erste kurse um zehn, und der letze von sechs bis acht. eine kommilitonin fragt, ob wir nicht eventuell eine viertelstunden später anfangen können, weil der weg von einer anderen uni, wo sie vorher ist, so weit ist. ich hääte leiber eine veirtelstunde früher angefangen, damit wir nicht bis dreiviertel acht an der uni rumhängen müssen. die halbe stunde zwischen zwei seminaren kann ganz schön lang werden, wenn man im selben gebäude bleibt. im endeffekt einigen wir uns darauf, den zeitlan zu lassen wie er ist.

am mittwoch erfahre ich, warum für die kopien geld eingesammelt werden muss. der dozent erklärt, wieder mal in einem total überfüllten raum, das er freiberuflicher lehrer ist und mit der uni selbst gar nichts zu tun hat. für das ganze semester bekommt er pro seminar, das er hält, 150 euro für kopien zur verfügung gestellt. den rest muss er selbst aufbringen. allein für den seminarplan und die literaturliste, die in der ersten von vierzehn wochen verteilt werden, sind schon 80 euro weg. und reichen tun die auch mal wieder nicht. das wird wohl ein teurer spass werden. ich überlege inzwischen ernsthaft, mir wieder eine drucker anzuschaffen. den alten habe ich entsorgt, weil ich wegen zu weniger benutzung nur probleme mit den tintenpatronen hatte. wenn ich in all meinen kursen weiterhin so viel ausdrucken muss, kann von zu weniger benutzung wohl nicht mehr die rede sein.

der rest des tages verläuft relativ geregelt, die kurse finden statt, sind interessant und die dozenten ganz gut auf die erste, immer etwa außergewöhnliche sitzung, gut vorbereitet.

reichlich baff bin ich, und viele andere studenten, am donnerstag in einem seminar wo der dozent meint, jeder müsse ein referat halten, um am kurs teilzunehmen. dabei ist ihm völlig egal, ob man da eine hausarbeit schreiben will, oder nur aus interesse da ist und keine leistung erbringen muss/möchte. es ist ja nicht so, das man nicht für andere kurse auch was zu tun hätte. ich überlege mir, dass er mich ja nicht dazu zwingen kann. aber das seminar brauche ich trotzdem, damit ich alles belegt habe, um mal meinen abschluss zu machen. ob er mich einfach übersehen wird?

mit den zu lesenden texten wird es hier und in anderen kursen etwas anders gehandhabt: es wird einen reader geben, dem man im copyshop käuflich erwerben kann. als ich zwischen zwei seminaren zum copyshop laufe (es regnet wieder), werde ich wieder weggeschickt. die reader sind erst ab nächste woche montag da. für einen kurs habe ich dann nur bis mittwoch zeit, die texte vorzubereiten. es sei denn, ich lade sie mir aus dem internet runter und drucke sie aus..

nach dieser ersten woche bin ich reichlich frustriert von nicht vorhandener lektüre, zuviel verlangter arbeit, unendlicher langer wartezeit und damit verbundenem kaffeekonsum. hoffentlich wirds nächste woche besser!