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diese touristen

kleine anekdote aus der bahn.

an der friedrichstraße steigen zwei gut gelaunte frauen mit rollköfferchen  ein, setzen sich mir gegenüber. am hauptbahnhof stellen sie fest: hier haben wir doch vorhin mit dem zug schon angehalten, da hätten wir ja gar nicht bis zur friedrichstraße fahren brauchen, wir haben ja einen umweg gemacht!

an der nächsten station, bellevue, wird das ganze revidiert: moment mal, hier sollten wir doch gar nicht langkommen,wir fahren ja in die falsche richtung!

dann wird lautstark überlegt, ob man an der nächsten station, tiergarten, aussteigen soll und wieder zurückfahren: macht doch nichts, wir haben ja den ganzen tag zeit.

als der zug am tiergarten hält, haben die damen es sich anders überlegt: nee, wir nehmen lieber am zoo die u9, dann fahren wir nicht so doof hin und her und erleben noch was.

und als die bahn schon fast im bahnhof zoo einrollt, exklamieren die beiden lautstark beim anblick der gedächtniskirche: guck mal, da sind ja lippenstift und puderdose!

„lippenstift und puderdose“? in welchem reiseführer, rubrik „berlinern wie die ureinwohner“ haben die das den gelesen? sowas sagt doch hier gar keiner!

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fanmeile mauerfall

was habe ich heute gelernt? der prozess der wende, der deutschen einheit, der in den geschichtsbüchern etwa ein jahr (von november 89 bis oktober 90) und in der realen welt immer noch andauert, wird auch von unserer regierung auf das ereignis mauerfall zugespitzt und verkürzt. und ist am brandenburger tor eigentlich nur ein gegebener anlass, den bei den deutschen auf beiden seiten so beliebte weihnachtsmarkt vorzuverlegen. denn außer aneinandergereiten dominosteinen gab es nur noch aneinandergereite glühwurm- und bratwurststände zu besichtigen. von auseinandersetzung mit der ddr und der heutigen lebenswelt leider keine spur. alles nur zauber für touristen?

berlin, deine touristen

berlin, deine touristen…

die franzosen sollen ja sehr eingebildet sein, was ihre sprache angeht. sie halten das französische für wunderschön, und wer sich nicht wenigstens ein bißchen mühe gibt, es zu sprechen, bei dem gibt sich der franzose auch keine mühe mit der freundlichkeit.

wer würde es sich da trauen, in frankreich vorbei zu schauen, ohne die obligatorische erste lektion „parlez-vous francais?“ gelernt zu haben?  damit kann man andere leute im hotelflur grüßen, beim ober eine bouilliabaisse bestellen und zu den postkarten gleich die richtigen briefmarken dazu kaufen.

das neuseeländische comedy-duo flight of the conchords zeigt, wie viel lebenslust (nicht savoir-vivre) man mit ein paar grundbegriffen noch so haben kann:

ou est la livre? a la bibliotheque.
et le musique dance? a la discotheque..

na mal ehrlich, schwer zu verstehen war das nicht, oder?

ein paar einfache sätze als vorbereitung auf ein urlaubsziel gegen ein herzliches willkommen heißen – eigentlich ein simpler deal, oder?

doch was in frankreich gang und gebe ist, gilt leider nicht bei uns. von wegen be berlin- die stadt soll freundlich sein, das sollte auch für die touristen gelten. und dazu gehört zum beispiel der anstand, wenigstens hallo, danke und bitte sagen zu können in der sprache des landes, in das man reist. stattdessen muss ich leider oft beobachten, wie englische muttersprachler fast schon wie selbstverständlich davon ausgehen, dass man alles versteht was sie plappern, während südländer offensichtlich glauben, sie müssten nur einfach laut genug schreien, dann versteht man ihre sprache plötzlich schon.

zu persönlich darf man das ganze wohl aber nicht nehmen, denn neu ist das nicht.
schon in den siebzigern machte fawlty towers, die geniale britische serie von monthy pythons john cleese, aus der rüden art der spanier keinen hehl. hier ist es der kellner manuel, dessen unfähigkeit, auch während einem längeren aufenthalt in england mehr als rudimentäre sprachkenntnisse zu erwerben, mehr als einmal mit schlägen bestraft oder mit dem satz „he’s from barcelona“ abgetan wird.  wir lernen: kein spanier ohne „que?“

fenster zu und kissen übern kopp

(UPDATE: neuer link zum video: http://www.youtube.com/watch?v=FNSXeZZoQck)

ich wohne zwar nicht an der admiralbrücke, aber auch so finde ich in diesem video so ziemlich alle gruppen, die mir in berlin täglich auf die nerven gehen.

http://www.spiegel.de/video/video-1015622.html

„das ich mir von irgendwelchen kids und von irgendwelchen touris, die ihr zuhause ganz woanders haben, sagen lassen muss, dass ich hier verschwinden soll, damit sie in ruhe ihren suff und ihre party feiern können, das finde ich respektlos.“

dem stimme ich voll und ganz zu!

raumschiff berlin

spent the night in friedrichshain
trat als erstes in hundescheiße rein

noch ein berlin lied. das video wurde überall gedreht, außer in friedrichshain..

derweil im berlin-raumschiff:

berlin-enthusiasten overload.
touristenzahl erreicht kritische masse.

…muss abschrecken! starte: alkoholverbot in der innenstadt. ticketpreiseupgrade. ekel-restaurants.

…hilft nicht! verdammt, was nun?

mauerpark irreparabel geschädigt.
leck im kreuzberg 36.

…muss dagegen ankämpfen! starte: brennende nobelkarren in kreuzberg. gefährliche no-go-bezirke. nächtliche übergriffe auf busfahrer und lesben.

die maßnahmen habe keinen erfolg.
mitte ist vollkommen von touristen zerstört.
schöneberg verliert kiez-flüssigkeit.

… es ist aussichtslos. was soll ich noch tun?
oh nein, was ist das?

warnung! warnung!

ich werde von einem riesigen großflughafen und einer o2-arena angegriffen! hiiiiiilfe!

selbstzerstörung eingeleitet.
raumschiff berlin explodiert in 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 …

und dann bin ich aufgewacht. gott sei dank nur ein alptraum. heute aber bleibe ich vorsichtshalber mal lieber zu hause…