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mittagsschlaf

bild von www.afg-deko.ch

ich merke es an der äußerst verminderten aktivität in den blogs in meiner blogroll: der sommer macht uns zu schaffen. es ist zu heiß, um wirklich kreativ zu sein. besondere qual ist es für mich im moment, wenn ich mich in öffentlichen verkehrsmitteln bewegen muss. nicht nur, dass ich in letzter zeit extrem unter sogenannten „betriebsstörungen“ zu leiden hatte (in einer woche 3x bahn ausgefallen oder mehr als zehn minuten verspätung), wenn sie dann kommt, die bahn, ist sie überfüllt und furchtbar heiß. da will man sich vor den täglichen pflichten drücken und früher von der uni nach hause fahren, und dann wird man vom drängeln und drücken noch mehr mitgenommen.

dennoch: bei der hitze ist es schwer, einen ganzen tag den kopf anzustrengen, aber dabei still auf seinem hintern zu sitzen, zu denken, mitzudenken und zu lernen. es ist zu warm. es ist übernatürlich warm. mein gefährliches halbwissen über klima geht so: die etwa drei wärmsten jahre der letzten hundert jahre vielen alle innerhalb die letzten zehn jahre. soll heißen: in den letzten zehn jahren waren drei sommer heißer als alle hundert jahre zuvor. das sind schon fast mediterrane zustände. und da hats bei mir klick gemacht: wir brauchen in deutschland die einführung der siesta!

nix tut dem körper besser als nach dem mittagessen eine runde zu dösen, besonders wenn es heiß ist. die siesta ist in spanien und griechenland gang und gebe, aus auch einen schon etwas zurück liegenden türkeiurlaub weiß ich noch: mittags werden die schotten dicht gemacht. läden zu, rollos runter, dunkel, kühl und pennen. wer mag schon in der mittagshitze einkaufen gehen oder akten abheften? ganz zu schweigen von bauarbeitern oder hecken-verschneidenden ein-euro-jobbern, die zusätzlich zur hitze auch noch der knallenden mittagssonne ausgesetzt werden.

ich bin für liegeflächen an den unis, in büros, läden und wo überall sonst noch gearbeitet wird. und das übrigens nicht nur im sommer. auch im winter kennt man es: nach dem essen wird man müde, steht auch in einer studie der universität von manchester. mittagsschlaf für alle!

PS: Das foto ist nicht ganz das was ich gesucht habe, trotzdem: ich erinnere mich mit freude an die berichterstattungen über die eröffnung vom ersten ikea in china vor ein paar jahren. damals fielen wohl erst jede menge chinesen ins ikea ein und dann pünktlich zur mittagszeit in die ausgestellten sofas und betten – in china macht nämlich angeblich die ganze gesellschaft mittagsschlaf.

(Bild von www.http://www.afg-deko.ch)

sexy bücher

man muss bücher nicht gelesen haben, um drüber schreiben zu können (die redakteure einschlägiger popkulturzeitschriften – buärg – werden mir recht geben. bitte sagt aber bescheid, wenn meine texte auch so altklug und unlesbar sind!).

in den letzten wochen zur persönlichen erbauung erhalten habe ich folgende werke:

ganz unten manfred krugs autobiographie mein schönes leben, erstanden für nen appel und n ei bei der restebuchhandlung, ich meine modernes antiquariat, meines vertrauens. das hatte ich mal als hörbuch, allerdings war da irgendwas nicht in ordnung – das dritte kapitel fehlte und danach waren alle kapitel durcheinander. ich geh mal davon aus, dass das keine künstlerische intention war und versuch das ganze nochmal als buch.

great britons, der band darüber, ist das geschenk von jemanden, der weiß was mir gefällt. erinnert sich noch jemand an die furchtbare sendung unsere besten im zdf? da wurden erstmal vorschläge gesammelt für die wichtigsten deutschen überhaupt und sowieso, und in der finalsendung durften dann einschlägige prominente (ich erinnere mich nur noch an alice schwarzer, die für die geschwister scholl warb mit einem satz wie „wählen sie doch mal junge menschen die was zweifellos gutes gemacht haben“, was ich ziemlich erfrischend fand im vergleich zu den sonstigen langweiligen alten spießer-säcken, die über andere langweilige alte spießer-säcke geredet haben) ihre persönlichen favouriten vorstellen. in großbritannien gab es das auch, aber es lief anscheinend ein bißchen anders ab, denn die texte im buch stammen nicht von prominenten, sondern von, räusper, professoren und wissenschaftlern. allerdings schrieben auch die immer nur ein vorwort, denn das buch ist von der national portrait galerie herausgegeben worden, also sowas wie die staatliche porträtsammlung, und deshalb beschreibt es hauptsächlich bilder, die von den zehn für die briten wichtigsten landsmänner existieren. bloß gut, dass es lady di grade noch in die top ten geschafft hat, schließlich galt sie mal als meistfotographierte frau der welt. auf platz eins steht natürlich die britin par excellence, elisabeth die erste. danach folgen, zugegebenermaßen auch mir teilweise unbekannte leute. platz zwo gehört dem guten willi, william shakespeare, isaac newton landete auf platz 4, charles darwin auf der 7, winston churchill auf der 8. das buch, wie gesagt, nicht zu empfehlen für leute die nicht an kunst interessiert sind, aber immerhin erfährt man, das charles darwin unter nervösen flatulenzen litt.

die zdf-wahl gewann übrigens damals konrad adenauer, über dessen biographie ich trotz kz-internierung auch etwas widersprüchliche informationen wie „hat sich während der nazizeit aus allem rausgehalten und rosen gezüchtet (langweiliger alter spießer-sack) sowie versucht, sich mit der nsdap gutzustellen“ gehört habe. man gebe mir eine gute, kritische adenauer biographie und ich lasse mich eventuell auch umstimmen, dennoch bin ich, wenns um den besten deutschen geht, „im zweifel gegen den angeklagten“. vielleicht schreibe ich irgendwann man einen eintrag über meine nummer eins, johannes gutenberg, ein dufter typ der uns alle vor der hexenbrennung und mittelalterlichen willkür bewahrt hat, in gewisser weise.

jetzt bin ich auch fast fertig mit langweiligen chartsplatzierungen, nur eins noch, gewissermaßen als überleitung: platz neun der briten ging immerhin an john lennon. ich kann mich nicht erinnern, das in der deutschen wahl ein musiker ähnlich weit oben gelandet wäre, aber danke john, jetzt müssen wir uns geographisch gesehen gar nicht so weit weg bewegen, von liverpool aus sind es nur zwei stunden im gut erschlossen öffentlichen überlandbusverkehr großbritanniens und wir landen beim nächsten buchthema:

in einem fernweh-geprägten kaufrausch erstand ich drei bücher die sich alle lose mit dem thema musik in manchester befassen. der klassiker darunter ist manchester, england von dave haslam, ein mann der dabei war, wie man so schön sagt. er beschreibt die musikszene in manchester vom jazz über mod und punk bis britpop usw. welchen stellenwert das buch hat, schreibt haslam selbst schön auf seiner myspace seite: „vor mehr als sieben jahren geschrieben, verkauft sich immer noch durchschnittlich 55 mal im monat, wahrscheinlich größtenteils an verwirrte studenten, die ihre abschlussarbeit über die rave-kultur schreiben.“

einer, der eben diese rave-kultur miterlebt und in gewissem maße auch geprägt hat, ist bez, seineszeichens tänzer – und also solcher vollwertiges mitglied – der ende80er/anfang90er entstandenen band happy mondays. ein musiker war bez nie, dafür konnte er gar nicht anders, als zu tanzen, sobald die mondays musik erklingen ließen – nicht nur auf der bühne, sondern auch im studio war er zu diesem zweck dabei. seine hauptaufgabe war aber, für shaun ryder (sänger+texteschreiber), dessen bruder paul (bassist) und die andern jungs drogen jeglicher couleur und in jeglichem agregatzustand zu besorgen. hierbei befand sich bez gewissermaßen in seinem natürlichen element. irgendwann waren die mondays vorbei und bez gewann die britische ausgabe von celebrity big brother. jetzt sind die wieder vereint, und auch bez ist mit dabei, 43 jahre auf dem buckel und dennoch fit wie ein turnschuh. tanzen gegen drogen!

seine autobiographie mit dem schönen titel freaky dancin‘ hab ich also auch gekauft. sie fehlt auf dem photo, wurde gleich in die hände eines interessierten gegeben, der sich schon stundenlang eins gekichert hat beim lesen.

eine weitere persönlichkeit aus manchester ist der held des nächsten buches, auf dem bild nummer 4 von unten. who killed martin hannett, wer hat martin hannett getötet, heißt es, und meine spontane antwort „der alkohol“ beschreibt natürlich auch nur die symptome, nicht aber die ursachen. martin hannett war ziemlich durchgeknallt, aber ein musikalisches genie, ein typ den man wahrscheinlich nie richtig verstehen kann, und das er so einzigartig war, das wird wohl der grund dafür gewesen sein, warum er ein übles ende nahm. im film über die musikszene in manchester, 24 hour party people, steht er mit einem mikrofon auf einem hügel außerhalb von manchester, um „stille“ aufzunehmen, als er gefragt wird, ob er joy division produzieren möchte. dafür müssten ihn die ganzen röhrenjeans-jungs die jetzt den riesen hype um joy division machen, verehren, aber martin hannett ist ziemlich unbekannt. das saufen kann er nicht lassen, er wird aufgeschwemmt, keiner versteht seine musikalischen visionen, und als er mitte/ende der 90er stirbt ist er zu fett für einen normalen sarg. martin hannett war größer als das leben.

und damit haben wir die oberen drei titel meines schönen stapels erreicht. wir kommen nun zur pflichtlektüre: christopher isherwoods goodbye to berlin, das lose als inspiration für das musical cabaret diente – so lose, dass die verfilmung mit dem originaltext nicht viel mehr gemein hat als den namen der hauptfigur – und the innocent von ian mcewan sind zwei bücher über berlin. ersteres spielt vor dem zweiten weltkrieg, in der sicher wirren übergangsphase von den goldenen zwanzigern (die für die normale bevölkerung alles andere als „golden“ war, sondern eine harte zeit mit schweren schicksalen) zum nationalsozialismus, der dann für jeden, der eine gewöhnliche ehrliche haut oder ganz anders war, definitiv beschissen war. the innocent wiederum spielt im berlin der fünfziger jahre, als besatzer die stadt beherrschten und sich gegenseitig (und darum gehts auch im buch) das leben schwer machten.

das ganze wird zusammengefasst unter dem thema „englische literatur über berlin“ und ist als solches teil der chose, die ich zu studieren versuche. aber es interessiert mich so sehr, dass ich die sekundärliteratur gleich noch mit ganz oben drauf gepackt habe. welcome to berlin, ein buch über das image berlins in der englischspachigen welt. weit bin ich noch nicht drin gekommen, ein bißchen zuviel friedrich der zwote am anfang (wer??). unkonventionelle ideen werden belohnt, vielleicht kann ich ja eines tages parallelen zwischen dem alten fritz und dem ollen bez ziehen, oder so. ich halte euch auf dem laufenden.

exzellent…

die uni an der ich studiere gehört seit etwa einem halben jahr zu einem gewissen „exzellenz-cluster“, als eine von zehn universitäten deutschlands, oder so?

diese woche startete ich in ein neues semester, und so exzellent war es bisher:

am dienstag: erster kurs total überfüllt. ich musste auf dem boden sitzen. die dozentin verteilt das arbeitsblatt mit den seminarinfos mit der bitte um fünf cent für die kopie. um das geld einzusammeln lässt sie eine kleine plastetüte rumgeben. ein student meldet sich: erhabe die fünf cent grad nicht dabei, ob er das beim nächsten mal bezahlen könne? ich habe keine kopie bekommen. man kann sich das auch im internet runterladen. so wichtig ist es mir auch nicht.

der kurs findet eh nur zur hälfte statt, denn die dozentin meint: da die kopien nicht reichen hat nicht jeder den text vor augen. es mache also gar keinen sinn, den jetzt zu lesen und dann drüber zu sprechen. die veranstaltung ist also nach etwa einer dreiviertelstunde, der hälfte der zur verfügung stehenden zeit, zu ende.

für den zweiten kurs musste ich gleich mal ein bißchen vorarbeit leisten. im vorlesungsverzeichnis stehen zwei romane, die bis zur ersten sitzung gelesen werden sollen. weil ich den prof sehr mag und das thema auch, hatte ich mir extra am donnerstag davor die beiden bücher besorgt und das wochenende über durchgelesen. als ich am seminarraum ankomme muss ich allerdings erfahren, dass der kurs in der ersten woche ausfällt, es geht erst nächsten dienstag los. naja, gelesen ist gelesen.  wieder zurück zum kaffeestand.

eine viertelstunde laufen zum anderen institut. auch der dritte kurs ist nach der hälfte der zeit vorbei. keine besonderen vorkommnisse.

den ganzen tag regnet es. wieder zurück laufen zum ersten institut, ab zur vierten veranstaltung. der raum wird gefunden, allein es sind andere leute drin, die meinen, den ganzen tag da seminar zu haben. die veranstaltung steht im plan an der tür, aber am einem anderen wochentag. ich laufe zur sekretärin des instituts. die findet raus, dass die räume und wochentage wohl mehrfach mißverstanden wurden. es sind ja auch mehrere institute im gebäudekomplex zusammengefasst, da gab es bei der raumvergabe wohl abstimmungsprobleme. das seminar fällt für den tag erstmal aus. ob es nun ab nächste woche dienstags (da könnte ich teilnehmen) oder mittwoch (da könnte ich nicht) stattfinden wird, kann nur der dozent selber sagen. der ist natürlich nicht am institut. ein kommilitone verspricht, es rauszufinden und mir bescheid zu geben.

dienstag wird ein langer tag, der erste kurse um zehn, und der letze von sechs bis acht. eine kommilitonin fragt, ob wir nicht eventuell eine viertelstunden später anfangen können, weil der weg von einer anderen uni, wo sie vorher ist, so weit ist. ich hääte leiber eine veirtelstunde früher angefangen, damit wir nicht bis dreiviertel acht an der uni rumhängen müssen. die halbe stunde zwischen zwei seminaren kann ganz schön lang werden, wenn man im selben gebäude bleibt. im endeffekt einigen wir uns darauf, den zeitlan zu lassen wie er ist.

am mittwoch erfahre ich, warum für die kopien geld eingesammelt werden muss. der dozent erklärt, wieder mal in einem total überfüllten raum, das er freiberuflicher lehrer ist und mit der uni selbst gar nichts zu tun hat. für das ganze semester bekommt er pro seminar, das er hält, 150 euro für kopien zur verfügung gestellt. den rest muss er selbst aufbringen. allein für den seminarplan und die literaturliste, die in der ersten von vierzehn wochen verteilt werden, sind schon 80 euro weg. und reichen tun die auch mal wieder nicht. das wird wohl ein teurer spass werden. ich überlege inzwischen ernsthaft, mir wieder eine drucker anzuschaffen. den alten habe ich entsorgt, weil ich wegen zu weniger benutzung nur probleme mit den tintenpatronen hatte. wenn ich in all meinen kursen weiterhin so viel ausdrucken muss, kann von zu weniger benutzung wohl nicht mehr die rede sein.

der rest des tages verläuft relativ geregelt, die kurse finden statt, sind interessant und die dozenten ganz gut auf die erste, immer etwa außergewöhnliche sitzung, gut vorbereitet.

reichlich baff bin ich, und viele andere studenten, am donnerstag in einem seminar wo der dozent meint, jeder müsse ein referat halten, um am kurs teilzunehmen. dabei ist ihm völlig egal, ob man da eine hausarbeit schreiben will, oder nur aus interesse da ist und keine leistung erbringen muss/möchte. es ist ja nicht so, das man nicht für andere kurse auch was zu tun hätte. ich überlege mir, dass er mich ja nicht dazu zwingen kann. aber das seminar brauche ich trotzdem, damit ich alles belegt habe, um mal meinen abschluss zu machen. ob er mich einfach übersehen wird?

mit den zu lesenden texten wird es hier und in anderen kursen etwas anders gehandhabt: es wird einen reader geben, dem man im copyshop käuflich erwerben kann. als ich zwischen zwei seminaren zum copyshop laufe (es regnet wieder), werde ich wieder weggeschickt. die reader sind erst ab nächste woche montag da. für einen kurs habe ich dann nur bis mittwoch zeit, die texte vorzubereiten. es sei denn, ich lade sie mir aus dem internet runter und drucke sie aus..

nach dieser ersten woche bin ich reichlich frustriert von nicht vorhandener lektüre, zuviel verlangter arbeit, unendlicher langer wartezeit und damit verbundenem kaffeekonsum. hoffentlich wirds nächste woche besser!