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Lesen Sie die Bild, Madam?

Udo Vetter berichtet im Law Blog über eine Werbeaktion der Bild-Zeitung zu ihrem 60. Geburtstag. Am 23.06.2012 soll die aktuelle Ausgabe der Zeitung in jedem Briefkasten Deutschlands landen – in jedem. Gezielt will man sich, so Vetter, über Aufkleber á la „Keine Werbung einwerfen“ hinwegsetzen. Und dann berichtet er darüber, wie er mit einem im Vorfeld – natürlich juristisch wasserdicht – formulierten Schreiben seinen Briefkasten zum Gallischen Dorf machen will.

Heiß her geht es in den Kommentaren. Absolut lesenswert sind die kreativen Vorschläge zur Bild-Boykottierung und Entsorgung. Wer möchte, kann ein Ratespiel daraus machen, welche der „Was regt ihr euch eigentlich so auf, es gibt Wichtigeres!“-Kommentare von Mitarbeitern des Axel-Springer-Verlags stammen könnten – denn Vetter erweckt den Anschein, als gebe es solche.

Für mich sieht das nach dem Anfang einer großen Internetkampagne aus, das Thema ist absolut Meme-fähig. Ich freue mich schon auf lolcats-in-Briefkästen-Bildern, Anti-Bild-Schäublonen, das Video-Turtorial „Wir basteln uns einen Spam-Kasten!“ und ein Exklusiv-Interview mit Markus Beckedahl im ARD-Brennpunkt. Und vielleicht schaffen wir es bis dahin ja tatsächlich, eine Methode zu finden, die vor Gratiseinwurf schützt – wirksam!

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you know that we are living in a material world

die ganz normalen menschlichen sorgen, ob sie durch einen blick auf meinen blog gelöst werden können? ich tue mein bestes, und stehe unter der kategorie sensible suchmaschinen mit gutem rat, der nicht teuer ist, zur seite.

das dringenste problem zu erst:

habe schufa eitrag brauche geld was tuhn

– schnell zwei kinder kriegen und hartz iv beantragen macht laut kristina köhler 1885 euro im monat.  da bleibt „auf jeden fall“ noch was über, um die schulden abzuzahlen.

man sollte auch keine falsche scheu haben, wenn einem der staat was schenkt, denn

glaubwürdig ist direktzugreifen

zum beispiel gibts ins hotels handtücher, seife und badelatschen für den verringerten mehrwertsteuersatz von 7%. angebot gilt aber nur bis auf weiteres.

doch vor allem immer mehr junge menschen können sich nicht mal mehr klamotten leisten. oder wie sonst kommt es zu solchen dringlichkeiten?

junger männer machen fkk

die sind so arm, dass sie sich nicht mal ein adjektiv im plural leisten können. und wie sagt man so schön „einem nackten mann kann man nicht in die taschen greifen“..

hoffentlich reicht das geld noch für das leibliche wohl, denn einen

fail essen

kennt man sonst unter den begriffen magersucht, bulimie oder diätenwahn.und die liegen eher selten daran, dass man sich essen finanziell nicht leisten kann.

prenzlberger ansichten

ist übrigens eine kiezzeitung, die in vielen läden, kneipen etc ausliegt. sie wird teilweise auch von „laien“ geschrieben und ist daher ein gutes beispiel für offline-bürgerjournalismus.

der prenzlberg ist ja auch beliebstes pflaster für wohnungssuchende aus aller herren länder, daher macht auch diese suchanfrage sinn:

how to get mietschuldenfreiheit

just ask your landlord. he’ll give you a note stating that you payed your rent in the last three months and have no rent arrears.

freuen tue ich mich über suchanfragen wie

paypal sicherererer scheiss

und

paypal werbung macht mich aggressiv

schön, wenn man eine meinung hat. und noch schöner, wenn man meine meinung teilt. aber bitte nicht alle prenzlberger, berliner und generellen ansichten mit mir teilen, denn winston churchill meint dazu: „wenn zwei immer der selben meinung sind, ist einer überflüssig.“

überflüssig sind auch

kollegen die man nicht braucht

ich kenne solche, die kommen meist in zwei kategorien: unbrauchbar, weil nichts zur arbeit beitragend oder unbrauchbar, weil persönlich nicht mit einem kompatibel. damit wären sie aber laut churchill alles andere als überflüssig. für die allgemeinheit schlimmer ist inkompetenz am arbeitsplatz aber schlimmer, zum beispiel in diesem fall:

menschliches versagen, chemische industrie

keine ahnung, was ich zu dem thema geschrieben habe. dem suchenden war ich wohl keine hilfe. vielleicht gibt es daher für mich bald eine neue kategorie:

„blogs die man nicht braucht?

das lass ich jetzt so stehen und zähle die suchanfrage, die darüber hierher kommen. denn nicht erst seit paypal wissen wir: „any publicity is good publicity!“

werbephilosophieren II – nervigererererererererer

wenig finde ich im moment so penetrant wie den mit paypal-werbung vollgekleisterten bahnsteig der u2 am alexanderplatz. auf jedem hintergleisplakat, von jeder stützsäule sowie von diversen fußmatten schreit mich weiße schrift auf blauem grund an. dabei haben gefühlte 20 verschiedene werbesprüche immer die gleiche aussage: paypal ist sicherererer(erererer). dabei muss man erstmal so dreist/faul/die leute für so dumm haltend sein, dass man denkt, man kann auf jedem plakat den selben witz bringen – eben den mit den vielen er. paypal sei eben sicherererer heißt es. sicherer als was? sicherererer als der tüv steht auf einem werbeplakat. da kann man ja nur hoffen, dass damit nicht das tüv-siegel gemeint ist, dass zum beispiel dem portal schülervz hohe sicherheitsstandards bescheinigt. mit der sicherheit ist esdort nämlich nicht so weit her, wie wir diese woche erneut lernen mussten.

der gemeine internetsurfer kennt paypal wohl am ehesten als zahlungsmethode bei ebay. dort stellt paypal den anspruch, das geld der käufer treuhänderisch zu verwalten, bis dieser seinen artikel erhalten hat.es sei also so eine art schutz vor betrügerischen verkäufern, die verkaufte artikel nicht verschicken. ich will gar nicht leugnen, dass es sowas nicht gibt. für mich selbst muss ich aber sagen, dass sich dieses problem bisher noch nicht gestellt hat. ich kaufe und verkaufe bei ebay seit nunmehr über acht jahren mehr oder weniger regelmäßig. genervt bin ich bei ebay relativ häufig, aber nicht erhaltene ware war noch nie ein problem. eher hat man es mit leuten zu tun, die sachen ersteigern und dann nicht bezahlen. da kann auch paypal nicht vor schützen, und auch ebay selbst unternimmt nichts dagegen. es bleibt für mich als verkäufer nur eine möglichkeit, dagegen vorzugehen. ich muss bei ebay einen „fall öffnen“ und dann abwarten, ob das geld doch noch kommt. tut es das nicht, passiert nichts, außer dass ich die verkaufsprovision zurück bekomme. dann muss ich den artikel neu einstellen, ob ich ihn wieder verkaufe und wenn ja, für welchen betrag, ist unklar. bezahlt der käufer doch noch verspätet, kann ich ihn noch nicht mal als „neutral“ bewerten. ebay lässt für verkäufer nur die bewertungsmöglichkeit „positiv“ zu. wenns probleme gab, müssen die dann im bewertungstext in 80 zeichen dargelegt werden und das wars. deshalb kleiner tipp am rande: vorm kaufen immer schön die bewertungen lesen, auch wenn erstmal alle positiv erscheinen. der teufel steckt manchmal im detail.

wäre ich eine große handelskette, wäre es mir wohl egal, wieviel stress der käufer gemacht hat. für mich zählte nur der gewinn, und ich könnte hoffen, dass der käufer sich beim nächsten mal wieder für meinen laden entscheidet. als privathändler bei ebay sehe ich das aber etwas anderes. da will ich qualität statt quantität. ich möchte zufriedene kunden, die den wert meiner ware zu schätzen wissen und mit denen es angenehm ist, geschäfte zu machen. das ganze ist ein hobby, und ein solches sollte vor allem spass machen. oder anders gesagt: ich will geld für mein zeugs, und ich möchte, dass der käufer sich drüber freut. wenn das nicht klappt, kann ich nur den nickname aus meinem käuferkreis ausschließen. (wenn der käufer sich unter anderem namen neu anmeldet, beginnt das spiel von neuem.) das finde ich eher unsicher.paypals aggressive werbung (und wer sie in besagter räumlichkeit gesehen hat, versteht sicher, dass ich das aggressiv finde) macht mich da nur wütend.

sicher hat paypal auch gute seiten. man kann damit beispielsweise kostenfrei geld ins ausland überweisen, auch in länder, die nicht zur eurozone gehören. das ist praktisch, wenn man mal bei ebay.co.uk oder ebay.com einkauft. oder für leute aus dem ausland, die bei deutschen händlern einkaufen. innerhalb deutschlands ist eine überweisung besser, den mit paypal entstehen dem empfänger der zahlung (also dem ebay-verkäufer) unnötige kosten – dei man mit einer einfachen überweisung vermeiden kann. umso schlimmer, das ebay mitglieder, die weniger als 50 bewertungen haben, zwingt, paypal als zahlungsmethode anzugeben. angeblich geschieht das eben aus dem grund, um den sich der irre supersupersuperlativ der werbung dreht – es sei sicherer. aber der wirkliche grund dafür wird klar, wenn man weiß, dass die firma paypal ebay gehört: ebay versucht anscheinend so, nicht nur an den verkaufsprovisionen, sondern auch noch an der zahlung zu verdienen. fehlt nur noch, dass ebay ein eigenes logistikunternehmen gründet und seine verkäufer zwingen will, darüber die ware zu verschicken. daher mein zweiter tipp für neue ebay-mitglieder: erstmal schön fünfzig sachen kaufen und dann mit dem verkaufen anfangen, dann muss man paypal nicht mehr als zahlungsmethode angeben.

das alles geht mir durch den kopf, wenn ich auf meine bahn warte. deshalb steht mein lange gefasster entschluss so fest wie noch nie: ich werde mich nicht bei paypal anmelden. you’re not my pal, eh!

UPDATE: hier gibts Fotos!

werbephilosophieren

Wenn Werbung Menschen zur Anpreisung ihrer Produkte verwendet, hat das meist zwei einfache Gründe: Der Betrachter soll sich mit der Person in der Werbung identifizieren und die Person in der Werbung soll das Unternehmen repräsentieren. Werbefiguren sind somit Bindeglied zwischen einem Produkt/einer Dienstleistung/einem Unternehmen und dem Kunden. Dieser denkt sich „Wow, so wie dieser Typ da in der Werbung, so möchte ich gerne sein“ oder vielleicht auch „Hey, der ist mir sympathisch, der ist so wie ich“, eventuell auch „Was für ein geiler Kerl, mit dem möchte ich gerne rumhängen“. Und die Werbebotschaft des Unternehmens lautet dann in etwa „Hey, wir sind so, genau so, wie dieser Typ. Komm zu uns und du kannst auch so sein!“

Soweit meine kleine Einführung in Werbepsychologie, schauen wir uns jetzt mal diese Werbung eines Kommunikationsunternehmens an und wenden das Gelernte an:

Detlef fühlt sich gut aufgehoben

Detlef fühlt sich gut aufgehoben

Wir sehen Detlef, ein junger, markanter Typ. Jeden Morgen, wenn ich auf die U-Bahn warte, grinst er mich an. Also schauen wir ihn uns mal genauer an.

Abhängen im Wozi mit Detlef

Abhängen im Wozi mit Detlef

Detlef ist cool, denn hat sogar gleich zwei Gitarren. Und den richtigen Verstärker dazu. Der Mann hat Ahnung. Detlef ist außerdem entspannt, denn er braucht kein Sofa. Und Detlef ist gemütlich, denn er trägt einen kuscheligen Rollkragenpulli, und ihm gefällts, sich gut aufgehoben zu fühlen. Ein echter Traumtyp. Was suggeriert uns Detlefs Erscheinung also über seinen Telefonanbieter? Der hat Ahnung, ist cool, entspannt, und zum Wohlfühlen.

Ein einfaches Prinzip, nicht? Aber was meint ihr wohl, aus welchem werberelavanten Grund sammelt dieser junge Mann wohl…Videokassetten?

Detlefs VHS-Sammlung

Detlefs VHS-Sammlung

zahl für deinen spam!

habe einen ganz netten ansatz zum umgang mit spam mail gelesen. der wirtschaftprofessor Eli M. Noam schlägt vor, man solle für e-mails ein gebührensystem einführen. jetzt denkt man natürlich gleich, das senden einer email soll bezahlt werden, ähnlich wie bei einer sms. noam geht aber in seiner idee noch einen schritt weiter: die „gebühr“ soll vom empfänger individuell festgelegt werden, und dieser kann dann entscheiden, ob er eine werbe-email lesen will oder nicht.

ich stelle mir das ganze so vor. wenn ich ein email-konto eröffne, lege ich einen bestimmten preis fest, den jeder bezahlen muss, wenn er will dass ich seine emails lese – sagen wir mal 1 euro. das geld wird beim versenden auf einem zwischenkonto gespeichert und abgebucht wenn ich die mail lese (oder zurückgeschickt wenn ich ablehne). ist es eine mail von einem freund ist die wahrscheinlichkeit groß, dass ich sowieso antworte und dann meinerseits wieder an ihn zurückzahlen muss. und schickt mir eine firma spam, „verdiene“ ich also daran, wenn ich die mail zulasse. hier könnte man dann als nächsten schritt relativ schnell credits einführen, anstelle von geld, welche ich dann benutze, um meinen freunden e-mails zu schicken

Es ist offensichtlich dass das ganze mehrere haken hat. wenn mein freund als e-mail-gebühr einen anderen betrag festgelegt hat als ich, kommt mein konto leicht in ein ungleichgewicht. außerdem soll noams vorschlag vor allem dazu dienen, durch spam-mail verlorengegangener zeit wieder mehr wert zu geben, aber verbraucht es sicher mehr zeit, auszuwählen, welche spam-mails ich lesen möchte, als sie einfach alle aus dem spam-ordner zu löschen.

viel besser gefällt mir die idee, dass jeder absender einen betrag vorschlägt, den er dem empfänger zahlen möchte. schick ich ne mail an einen bekannten wähle ich null euro aus, weil ich davon ausgehe, das meine freunde meine nachrichten auf jeden fall lesen wollen. eine firma aber kann die wichtigkeit ihrer werbemail gleich über das mitgeschickte preisangebot kommunizieren. nach preis geordnet stehen die mails dann in meinem postfach (kostenlose natürlich extra) und ich suche mir aus, ob ich die teure mail vielleicht lesen will.

für die firma bleibt das risiko, dass ich die mail anklicke und mir trotzdem nicht durchlese. Jedoch, schlimmer als es ist kanns kaum werden, denn was anderes als wegsehen macht man doch bei herkömmlicher werbung auch kaum.